Der Jahrtausend-Konflikt

Mit dem Buch ‚Streit um das Heilige Land‘ hat Dieter Vieweger, Archäologe und Theologe, es sich nicht leicht gemacht. Das Thema ist auch allzu heikel: Wer sich dazu äußert, riskiert dabei, entweder von einer der Interessengruppen vereinnahmt und/oder von einer anderen zum Feind erklärt zu werden oder zwischen alle Stühle zu geraten. Nun kann man es nicht allen recht machen, und deswegen ist der Autor stolz darauf, dass sein Buch zwei Vorworte hat: je eins von einem Israeli und einem Araber.

Und Vieweger ist keiner von denen, die das Thema nur aus sicherer Entfernung etrachten. Das ‚Deutsche Evangelische Institut für die Altertumswissenscheft des Heiligen Landes‘, das er leitet, hat seinen Sitz mitten in Jerusalem, und zwar im arabisch dominierten Ostteil der Stadt. Zu den vielen Aufgaben des Wuppertaler Professors gehört auch die archäologische Grabung unter der evangelischen Erlöserkirche, die mitten in der Jerusalemer Altstadt liegt.

Das Buch erzählt die Geschichte eines Konflikts, der viele Jahrhunderte alt ist und sämtliche Epochen der Beziehungen zwischen Abendland und vorderem Orient überdauert hat. Vieweger hat sich die Mühe gemacht, alle wichtigen Phasen und Kapitel plastisch und anschaulich darzustellen, ohne den Leser mit Daten und Fakten zu überschütten. Man kann das Buch wie einen spannenden Roman lesen, sich zwischendrin mit den Exkursen zu den wichtigsten Figuren der Geschichte und Zeitgeschichte beschäftigen, und begreift allmählich, wie vielschichtig und komplex das Thema ist.

Es geht dabei nicht nur um Israel/Palästina, ein kleines Land am östlichen Rand des Mittelmeers. Hier zeigt sich nur wie unter einem Brennglas die Brisanz eines weltpolitischen Konfliktes, der uns alle angeht. Dass die Bundeswehr in Afghanistan kämpft, ist ein klarer Beleg dafür.

Gedacht ist das Buch für Leser, die in Europa leben und verstehen wollen, was im Nahen Osten vor sich geht. Wer es gelesen hat, wird sich von einseitigen Interessen nicht mehr so leicht beeindrucken lassen.

Offen bleibt allerdings die wichtigste Frage: Wie könnte ein Weg zum Frieden aussehen? Zur Zeit, Anfang des 21. Jahrhunderts, scheinen alle Wege verbaut. Doch auch scheinbar starre Fronten halten nicht ewig; denn – so Vieweger im Gespräch -„Für den Archäologen ist klar: Irgendwann kommt immer die nächste Schicht!“

Jan-Peder Lödorfer

Dieter Vieweger: Streit um das Heilige Land. Was jeder vom israelisch-palästinensischen Konflikt wissen sollte. Gütersloher Verlagshaus 2010. ISBN 978-3-579-06757-5, 288 Seiten, viele Fotos, Karten und Skizzen, € 19,95

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