Jesus im O-Ton
und Maria im Original

Die Tradition der syrisch-orthodoxen Kirche in Jerusalem geht bis in die Zeit der ersten Christen zurück. Das Markuskloster im armenischen Viertel der Altstadt ist heute Sitz des Erzbischofs. Das heute bestehende Gebäude geht in seiner Substanz auf das 12. Jahrhundert zurück. Es wurde von den Kreuzrittern errichtet und seitdem mehrmals umgebaut.

Markuskloster Jerusalem Eingang
Der Eingang des Markusklosters im armenischen Viertel der Jerusalemer Altstadt

Die Legende überliefert, dass an dieser Stelle das Haus stand, in das sich der Apostel Petrus zurückzog, nachdem ihn ein Engel aus dem Gefängnis befreit hatte. Dazu passt eine Inschrift aus dem 6. Jahrhundert, die 1940 bei Restaurierungsarbeiten auftauchte. Sie besagt, dass an dieser Stelle das Haus der Mutter des Evangelisten Markus stand. Die Inschrift dürfte also vor der islamischen Eroberung datieren.

In den Gewölben des Untergeschosses, die ebenfalls frei besichtigt werden können, lebt eine weitere Legende: Ein Saal gilt in der syrisch-orthodoxen Tradition als Ort des letzten Abendmahls. Er steht damit in Konkurrenz zu dem bekannteren ‚Coenaculum‘ auf dem Zionsberg im Süden vor den Mauern der heutigen Altstadt.

Unter dem Markuskloster
Legendärer Ort des letzten Abendmahls

Archäologisch betrachtet, hat das Markuskloster sogar den Vorrang; denn sein Bodenniveau entspricht eher dem Horizont der fraglichen antiken Zeit als das des Coenaculums.

Im Kirchenraum hängt über einem mit Silber eingefassten Quellbecken eine Marien-Ikone. Sie wird dem Evangelisten Lukas zugeschrieben. Und weil der heilige Lukas die Mutter seines Meisters Jesus zu Lebzeiten noch gekannt hat, gilt diese Ikone als das einzige authentische Portrait der in der gesamten orhodoxen und katholischen Christenheit verehrten Mutter Gottes. Es ist übrigens nicht gestattet, diese Ikone zu photographieren. Den übrigen Kirchenraum darf man aufnehmen, auch etwa den prächtigen Thron des syrisch-orthodoxen Erzbischofs.

Markuskloster, Jerusalem, Vortrag
Eine syrische Christin betet das Vaterunser auf Aramäisch; im Hintergrund der Thron des Erzbischofs

Wenn man Glück hat, erwischt man einen der Vorträge in englischer Sprache und erfährt etwas über die Legenden, die sich im Lauf der Jahrhunderte hier entwickelt haben. Manchmal kann man in dieser Kirche auch noch das Vaterunser in der Sprache hören, die Jesus sprach, nämlich Aramäisch. Es ist noch heute die Sprache der syrisch-orthodoxen Liturgie.

Jan-Peder Lödorfer (Text)
repor-tal (Photos)

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