Was der Tanz
dem Text verdankt

Tanzwochen F
Compagnie Hervé Koubi, France / Algerie © Nathalie Sternalski

Die Internationalen Tanzwochen in Neuss starten am 25. Oktober 2015. Ein hochkarätiges Festival, das dem Publikum seit 33 Jahren Zeitgenössisches aus der weltweiten Tanzszene bietet. Dies sechs Gastspiele sind eine Weltreise durch den Kosmos des Tanzes. Zum Auftakt kommt der französische Choreograph Hervé Koubi in die zwar kleine aber feine Kultur-‘Metropole’ an den Rhein.

© Didier Philispart
© Didier Philispart

Der Tag nimmt sich aus der Nacht – der Tanz aus dem literarischen Text: Spektakulär ist die Choreographie ‘Ce que le jour doit à la nuit’ von Hervé Koubi auf jeden Fall, und erfolgreich ist sie auch; denn die Truppe tourt wirkungsvoll durch die ganze Welt. Die jüngste Arbeit des Franzosen Koubi ist eine Hommage an die Seele Nordafrikas. Erst kürzlich hat der Choreograph seine eigenen algerischen Wurzeln entdeckt.

© Abd el Wahab Boulahid
© Abd el Wahab Boulahid

‘Was der Tag der Nacht verdankt’ geht auf Yasmina Khadras gleichnamigen Roman zurück, dessen Verfilmung schon in deutschen Kinos lief. Die Handlung spielt in Algerien. Literarische Vorlage und die persönliche Entdeckung haben Koubi angeregt, ein Stück faszinierendes Tanztheater zu entwickeln. Dazu hat er zwölf Tänzer aus Algerien und Burkina Faso gesucht, gefunden und engagiert. Alle haben nie zuvor auf einer Bühne gestanden. Es sind ausschließlich Tänzer; denn Frauen ist öffentliches Tanzen dort nicht erlaubt.

© Nathalie Sternalski
© Nathalie Sternalski

Fundamente der Choreographie sind sowohl Streetdance und Hip-Hop als auch die traditionelle Form der Sufi-Mystiker, die sich in Schwingungen zwischen wilder Virtuosität und spiritueller Versenkung bewegt. Am Anfang zelebrieren die zwölf akrobatischen Tänzer ein kämpferisches Ritual, dessen nordafrikanische Klänge zunehmend in den Einfluss der westlichen Musik geraten bis hin zu einer Verfremdung der Johannes-Passion von Johann Sebastian Bach. Die Musik basiert auf Maxime Bodson, Hamza El Din, Johann Sebastian Bach und Sufi-Klängen.
Sound, Licht, Stoffe und athletische Körper erzeugen ein ästhetisches Ereignis, in dem die Seele Nordafrikas glüht, aber auch eine Synthese verschiedener Kulturen.

© Sylvain Marchou Chaine
© Sylvain Marchou Chaine

Die Internationalen Tanzwochen Neuss stehen unter der Leitung von Rainer Wiertz, dem Kulturreferenten der Stadt, dem es gelungen ist, Neuss zu einem kulturell hoch angesehenen Spielort zu machen. Nicht nur die hochkarätigen Tanzwochen, sonder auch das spektakuläre Shakespeare-Festival und die die ebenfalls ausgezeichneten Zeughaus-Konzerte verdanken ihre Entstehung und ihrem Fortbestand seiner Initiative und seinem Engagement.

‘Ce que le jour doit à la nuit’ ist am Sonntag, 25. Oktober 2015, 20 Uhr, in der Stadthalle Neuss zu sehen.

Text: repor-tal

Photos mit freundlicher Genehmigung von Pro Classics

Informationen: www.tanzwochen.de

Veranstaltungsort: Stadthalle Neuss, Selikumer Str. 25, 41460 Neuss

Ticket-Hotline: 02131 – 52 69-99 99 oder über das Internet

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Kommentare 1

  • Die Darbietung von Hervé Koubi und seiner Compagnie hebt den Glauben an die Erdanziehungskraft auf. Die Tänzer scheinen eine eigene anatomische Schwerkraft zu entwickeln. Ihre Körper bewegen sich gleich elegant, ob sie auf dem Kopf stehen oder den Beinen oder gar diagonal aus dem Boden wachsen. – Doch nicht allein die athletische Leitung ist außergewöhnlich, auch die Ausdruckskraft in zarten Gesten und tänzerischen Sequenzen sind beeindruckend. – Wenn solche Tänzer auf den Straßen Algeriens zu finden sind, sollte die Folkwang Universität der Künste ihr Konzept für den zeitgenössischen Tanz überdenken.

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