Highlight beim Highlight

Zwei ebenbürtige Rivalinnen: Maria Stuart (Franziska Mencz, l.) und Elisabeth I. (Ulrike Knospe) © Christoph Krey
Zwei ebenbürtige Rivalinnen: Maria Stuart (Franziska Mencz, l.) und Elisabeth I. (Ulrike Knospe) © Christoph Krey

Schiller ist nicht Shakespeare, aber seine ‚Maria Stuart‘ spielt in Shakespeares Zeit. Die ‚bremer shakespeare company‘ gehört seit Beginn zu den Fixsternen beim Shakespeare-Festival in Neuss. Diesmal hat Ensemble-Mitglied Petra Janina Schultz das Drama der zwei rivalisierenden Königinnen auf den Punkt inszeniert.

Während Maria im Kerker sitzt und Elisabeth auf ihrem Thron, zieht Leicester (Michael Meyer, r.) die Fäden mit Mortimer (Markus Seuß).
Während Maria im Kerker sitzt und Elisabeth auf ihrem Thron,
ziehen Leicester (Michael Meyer, r.) und Mortimer (Markus Seuß) die Fäden. © Christoph Krey

Das ‚Aufmacherbild‘: Links Maria Stuart im roten Krinolinenkleid, vornübergesunken auf dem Klappsitz vor grauer Wand: sie sitzt im Kerker; rechts im goldenen Rahmen Elisabeth, die Hüften der langen Robe verziert mit den britischen Wappentieren Löwe und Drache; die Monarchin bewegt sich auf Plateau-Sohlen. ‚Semper eadem‘ lautet das Motto über der Bühne – ‚Immer dieselbe‘.

Das Bild der unterlegenen Maria und der triumphierenden Elisabeth wird bei den 'bremern' durchbrochen.
Das Bild der unterlegenen Maria und der triumphierenden Elisabeth wird bei den ‚bremern‘ durchbrochen. © Christoph Krey

Schultz arbeitet die Ambivalenz der beiden Charaktere sauber heraus. Die unterlegene Maria ist alles andere als unschuldiges Opfer. Und die mächtige, eigenwillige Elisabeth Tudor hat auch Schwächen. Doch beide Frauen werden bei den politischen Intrigen der Männer wie Schachfiguren eingesetzt. Beide sind Opfer der Rivalität zwischen den Lords Leicester und Burleigh, die wiederum nur ihr persönliches Fortkommen im Rahmen der großen politischen Konflikte ihrer Welt und Zeit sehen, das Machtstreben der entstehenden Nationen Europas und die Spaltung der Kirche.

Leicester (Michael Meyer) führt die Stuart (Franziska Mencz) zum Schafott. © Christoph Krey
Leicester (Michael Meyer) führt die Stuart (Franziska Mencz) zum Schafott. © Marianne Menke

Mit ‚Maria Stuart‘ gibt Petra Janina Schultz, seit 2001 Ensemble-Mitglied bei den ‚bremern‘ ihr Regie-Debüt. Schultz relativiert das gängige Bild von der guten Maria und der bösen Elisabeth. Die beiden historischen Königinnen sind zur Zeit der Handlung keine unbedarften jungen Frauen mehr. Maria war Mitte 40 und Elisabeth Mitte 50. Und beide haben die Rollen, die sie in der Welt der Monarchien spielen, nicht wirklich aussuchen dürfen. Sie wurden zum Spielball der Intrigen von Männern in ihrem Gefolge. Die Machtspiele werden hinter ihrem Rücken ausgetragen, die Frauen werden zu Marionetten.

Die Stimmigkeit der Inszenierung verdankt sicher auch viel der langjährigen Zusammenarbeit mit ihren Ensemble-Kollegen Michael Meyer (Paulet, Leicester) und Markus Seuß (Mortimer, Burleigh). Und auch die Protagonistinnen Maria Stuart, gespielt von Franziska Mencz, und Elisabeth Tudor (Ulrike Knospe) sind gern gesehene Gäste bei der ‚company‘.

Knospe und Mencz als Rivalinnen auf der Bühne liefern ein Duell der Superlative. Schillers geschliffene Dialoge treffen wie Klingen aufeinander und ins Publikum. Ihr Spiel ist emotional und ergreifend. Markus Seuß und Michael Meyer schlüpfen abwechselnd mit viel Geschick der Darstellung in ihre unterschiedlichen Rollen. Dabei beweisen sie auch ihr hohes handwerkliches Können: ob Paulet oder Leicester, ob Burleigh oder Mortimer – es stehen immer  wechselnde Personen auf der Bühne. Der Wechsel der Rollen und Kostüme geschieht nebenbei, für das Publikum sichtbar am Rand der Bühne.

Licht und Schatten lassen das karge Bühnenbild lebendig werden.
Licht und Schatten lassen das karge Bühnenbild lebendig werden.
© Marianne Menke

Straffe Dramaturgie, klare Bilder und eindringliche Dialoge halten die Zuschauer unter Spannung. Die Kostüme und das Bühnenbild von Hanna Zimmermann, der geschickt Einsatz von Licht und Schatten auf den minimalistischen Brettern des Neusser ‚Globe‘ ergeben ein Ereignis, das die spezifischen Stärken des Theaters gegenüber den vielen anderen Medien genial hervortreten lässt.

Gelungen ist die Regie-Idee, nach der Hinrichtung der Stuart die Stimmen Elisabeths und Marias aus dem Off mit ihren bedeutungsvollsten Sätzen zu zitieren. Dabei klingt Elisabeths Stimme klar und deutlich hervor, während Marias Sätze verdoppelt werden, sozusagen verhallen. Auch eine glänzende Idee: Marias Enthauptung mit dem lautstarken Hochschlagen ihres leeren Klappstuhls zu symbolisieren.

Das Shakespeare-Festival in Neuss ist jedes Jahr ein Highlight am deutschen Theaterhimmel. Und der Auftritt der ‚bremer shakespeare company‘ ist das Highlight des Highlights.

Text: Ruth Hoffmann / Jan Peder Lödorfer

Photos mit freundlicher Genehmigung von Pro Classics

Informationen: www.shakespeare-company.com, www.shakespeare-festival.de

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