Serie: Burnout-Syndrom
Teil 3: Fit mit 50

„In Sportkreisen ist es bekannt, dass Bewegung Berufstätigen hilft, außergewöhnlich große Belastungen zu bewältigen“, versichert Claudia Bader. Sie ist Diplom-Sportlehrerin und Sport-Leiterin des Haaner Turnvereins 1863, hat lange Erfahrung im Gesundheitssport und kennt sich bestens mit den heutigen gesundheitlichen Problemen aus. Burnout ist für sie keine Mode-Erscheinung: „Als Beispiel könnte man das Leben in London anführen. Oft müssen Menschen zwei oder gar drei Jobs ausüben, um sich das Leben dort leisten zu können. Um das zu schaffen, gehen viele von ihnen in sehr gute und damit auch oft sehr teure Sportstudios. Sie wissen, dass sie ohne den Sport den Anforderungen nicht gewachsen wären.“

Sport sorgt für ein starkes Herz bei hohen Belastungen.

Sport sorgt für Stressabbau. Das ist nachvollziehbar. Alles, was sich im Laufe eines arbeitsreichen Tages in uns angesammelt hat, kann sich durch körperliche Aktivität lösen. „Sport hilft, die Belastungen des Alltags zu kompensieren“, sagt die Expertin. Das ist gut und schön, aber wie findet der überbelastete Mensch die Zeit dafür? „Das klingt simpel, aber es ist so: die Zeit muss man sich einfach nehmen“, so Claudia Bader. „Schließlich geht es um unsere Gesundheit. Und wenn wir Sport fest in unseren Wochenablauf und Tagesplan einbauen, ist es meistens auch problemlos möglich.“ Ein Weg, den sich jeder überlegen kann, geht so:

Ich gehe meinen Wochenplan durch und überlege: Wann gibt es in der Regel die wenigsten Termine? Und wann fühle ich mich besonders ausgepowert und erschöpft? Dorthin sollte man sein Sportengagement legen, egal was man für seine Fitness macht.

Claudia Bader

Auch die Art der Betätigung sollte jeder für sich herausfinden. „Bewegung muss in erster Linie Spaß machen“, sagt die Expertin. „Wenn es uns keinen Spaß macht, geben wir zu schnell auf. Wer nicht weiß, was ihm gefallen könnte, sollte in verschiedenen Kursen schnuppern gehen und austesten, was ihm liegt.“

Wichtig ist dabei immer die Kontinuität, fester Termin und weiter. Es hilft, nicht einen Kurs zu absolvieren und dann wieder zu pausieren. Auch wenn sich unser Level schon so verschlechtert hat, dass wir ein Fall für die Krankengymnastik sind – was nicht heißt, es ist schon alles zu spät – sollte dranbleiben und sich nach den verordneten Stunden weiter bewegen.

Mitverantwortlich für ein Burnout sind die Stresshormone Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol, die aber durch Bewegung abgebaut werden. „Die Hormonausschüttung, die durch Sport hervorgerufen wird, wirkt der physischen Erschöpfung und dem Stress entgegen“, erklärt Claudia Bader.

Langsam und ruhig anfangen!

„Wer aber schon das Burnout erreicht hat, muss sozusagen einen Wiederherstellungsplan für sich entwickeln. Man muss wieder etwas für sich tun, zunächst den Körper beobachten und ihn pflegen. Man sollte einfach den Bedürfnissen seines Körpers nachgeben.“ Für Burnout-Patienten ein echtes Problem, weiß Claudia Bader. „Sie haben oft Schwierigkeiten bei der Entspannung. Für sie ist es wichtig, nicht auch im Sport ein besser, höher, weiter anzustreben, sondern sich der Langsamkeit zu widmen. Ganz hervorragend ist da zum Beispiel Yoga. Das beginnt bei der Atmung, und wir lernen, unseren Körper wieder einfach nur zu spüren.“

Und wer noch nicht ganz beim Burnout angekommen ist, und dies vermeiden möchte, kann sich mit Ausdauertraining fit halten. Doch auch das bitte immer mit Maßen. Neben der gesteigerten Fitness und der größeren Entspannung bringt ein regelmäßiges Training auch eine größere Konzentrations- und Leistungsfähigkeit.

Ruth Hoffmann (Text)

repor-tal (Photo Claudia Bader)
Haider Azim, Fotolia (Graphik Herzen)
rubysoho, Fotolia (Graphik Yoga)

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