Die ‚Eisen-Krankheit‘

Haus für Musiker Raketenstation Hombroich Architektur: Raimund Abraham © Tomas Riehle/Arturimage

Die Stiftung Insel Hombroich zeigt bis zum 5. Juni 2017 die Film-Trilogie La Malattia del Ferro des italienischen Künstlers Yuri Ancarani. Die drei Filme Il Capo (2010), Piattaforma Luna (2011) und Da Vinci (2012) sind auf der Raketenstation Hombroich im Haus für Musiker zu sehen, das damit erstmalig nach seinem Innenausbau der Öffentlichkeit zugänglich ist.

Die Filmtrilogie widmet sich dem Verhältnis von Mensch und Maschine in drei unterschiedlichen hochspezialisierten Arbeitswelten. Il Capo, der erste Film der Serie, porträtiert die Arbeit in einem Marmorsteinbruch auf dem Monte Bettogli bei Carrara in den Apuanischen Alpen. Mit der Eleganz der Präzision dirigiert der Vormann (il capo) vor der Kulisse weißer Marmorwände Bagger(-fahrer) beim Abbruch der großen Steinblöcke.

Trailer zu Il Capo, Yuri Ancarani, Still aus Il Capo, 2010, © Yuri Ancarani
Courtesy der Künstler, Galleria Zero, Mailand und Galerie Isabella Bortolozzi, Berlin

Piattaforma Luna beobachtet in einer Überdruckkammer am Grund des Ionischen Meers den Alltag von sechs Tiefseetauchern, die dort drei Wochen am Stück für die Gasgewinnung arbeiten.

 

Yuri Ancarani, Still aus Piattaforma Luna, 2011 © Yuri Ancarani
Courtesy der Künstler, Galleria Zero, Mailand und Galerie Isabella Bortolozzi, Berlin

Der Film Da Vinci lenkt den Blick in das Innere des menschlichen Körpers. Ancarani zeigt hier die inneren und äußeren Schritte mehrerer minimal-invasiver Operationen, die mit Da Vinci, einem Roboter für chirurgische Eingriffe, durchgeführt werden. Während der Operateur an einer Konsole mit Hilfe einer Kamera die Vorgänge im Körper des Patienten steuert, nehmen Da Vincis mechanische Arme die eigentliche Operation vor.
Die dreimalige Variation wiederkehrender Handlungen im Zusammenspiel zwischen Mensch und Maschine legt besonderes Augenmerk auf die präzisen Gesten und Bewegungen bei der Handhabung der Maschinen. Die inhaltliche Wiederholung findet ihre Entsprechung in der Bildstruktur und korrespondiert mit einer Ästhetik der Reduktion und Fokussierung. In kühlen Farben gehalten, sind die Bilder vorwiegend symmetrisch aufgebaut und inhaltlich auf das Wesentliche reduziert.

Yuri Ancarani, Still aus Da Vinci, 2012 © Yuri Ancarani
Courtesy der Künstler, Galleria Zero, Mailand und Galerie Isabella Bortolozzi, Berlin


Dokumentation und Kunst zugleich, kann die Trilogie La Malattia del Ferro als Allegorie der Bemächtigung bis hin zur Ausbeutung und Zerstörung von Natur gelten. Gleichzeitig wirken die Menschen wie Heroen – Helden dreier oft tückischer Arbeitswelten, deren Gefahren sie sich im Verbund mit ihren Maschinen täglich aufs Neue stellen.

Der italienische Künstler Yuri Ancarani (*1972 in Ravenna, Italien) lebt und arbeitet in Mailand. Seine Arbeiten werden international sowohl im Rahmen von Filmprogrammen und Festivals in Kinosälen gezeigt als auch in Solo- und Gruppenausstellungen in musealem Kontext wie z. B. im Museo Marino Marini in Florenz (2012), im Maxxi Museum in Rom (2014) oder im Hammer Museum in Los Angeles (2014). Ancaranis Werk ist mehrfach preisgekrönt; zuletzt erhielt er den Spezialpreis der Jury auf dem Internationalen Filmfestival von Locarno (2016).

Die drei Filme werden in einem Gebäude des Architekten Raimund Abraham (1933–2010) auf der Raketenstation Hombroich gezeigt. Ursprünglich als Haus für Musiker konzipiert, wirkt es wie ein bauliches Pendant zu den abgeschlossenen Welten der Trilogie: Nach außen hermetisch, eröffnet es in seinem Inneren einen geschützten Raum, in dem gemäß Hombroich künstlerisches Leben und Schaffen Hand in Hand gehen sollen.
Der 2006 begonnene Bau wurde in mehreren Bauphasen realisiert; er konnte im Frühjahr 2017 abgeschlossen werden. Im Jahr 2010 verstarb der Architekt Raimund Abraham. Da der Stiftung Insel Hombroich alle Originalpläne und Zeichnungen Abrahams vorliegen, war es möglich, auch die späteren Bauschritte originalgetreu auszuführen.

Text: repor-tal / Stiftung Insel Hombroich

Photos mit freundlicher Genehmigung der Stiftung Insel Hombroich

Informationen: www.inselhombroich.de

Adresse: Raketenstation Hombroich, 41472 Neuss

Telefon: 02182 / 887-40 01

Öffnungszeiten: freitags bis sonntags und feiertags sowei am 26. und 27. April von 12 bis 18 Uhr

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