Erzbischofs Lustschlösschen

Fürst-Erzbischof Clemens August war Zeit seines Lebens auf der Flucht vor seinen Pflichten. Am liebsten verbrachte er seine Tage mit dem edlen Waidwerk und dem Feiern davor, während und danach. Allerdings war das für einen Herrn seines Standes zu seinen Lebzeiten, man nennt sie heute ‚Barock‘, ganz normal. Das Elend des Dreißigjährigen Krieges war vorbei, dem Adel ging es wieder bestens, das Volk war ihm egal, und man war schließlich ein Wittelsbacher.

Clemens August als Großmeister des Deutschen Ordens

Weit weg von seiner Bonner Fürstenresidenz, seinem erzbischöflichen Dienstsitz Köln – von seinen Nebenjobs als Bischof von Hildesheim, Münster, Osnabrück und Paderborn gar nicht zu reden – mitten im grünen, platten Emsland, setzte Fürst-Erzbischof Clemens August Anno 1737 mit Trara den Grundstein für ein hübsches Jagdschlösschen im weit offenen, neuen Stil der Zeit.

Bei Sögel, einem kleinen Ort im Emsland im Dreieck zwischen Cloppenburg, Papenburg und Meppen, liegt das kleine Schlösschen Clemenswerth versteckt. In zehn Jahren setzte der berühmte Barock-Architekt Johann Conrad Schlaun die Pläne für dieses Jagdschloss um.

Mehr Park mit Pavillons als Schloss: Clemenswerth

Es besteht aus einem zentralen, repräsentativen Mini-Schlösschen und einem Ring von Nebengebäuden, die jeweils verschiedenen Zwecken zugeordnet sind, darunter die Kapelle mit Kapuzinerkloster, der Jagdpavillon, die Küche. Die acht Linden-Alleen, die wie Speichen eines Rades alle Häuser mit dem Zentralbau verbinden, bilden nach Angaben der Museumsverwaltung den einzigen erhaltenen Alleenstern der Welt.

Hochalter der Hubertuskapelle mit den Gebeinen des Heiligen Fructuosus

Die Kapelle wird gern als ’nördlichste bayrische Rokoko-Kapelle‘ apostrophiert. Sie ist noch ihrem ursprünglichen Zweck geweiht; einige Kapuzinermönche halten die Stellung. Hinter der Kloster-Kapelle schließt sich ein Garten samt Gartenhaus an, der von einer imposanten, mehrere Meter dicken und -hohen Eibenhecke umschlossen wird, welche an eine mittelalterliche Stadtmauer erinnert.

Die anderen Pavillons dienen heute überwiegend als Ausstellungsräume für das Emsland-Museum. Im Pavillon ‚Hildesheim’ ist eine Dauerausstellung zur barocken Jagd eingerichtet. In ‚Osnabrück’ gibt es Informationen zum Deutschen Ritterorden, dessen Hochmeister der Fürst auch noch war. Der eigentliche Stammsitz des Deutschen Ordens war allerdings nicht Osnabrück, sondern Mergentheim. In diesem Pavillon ist allerdings die Museumsverwaltung untergebracht.

Interieurs und Dokumente zur Landesgeschichte

Die Pavillons Coellen und Mergentheim waren Wachthäuser; der Pavillon Paderborn mit seinem Anbau beherbergte die kurfürstliche Küche. Heute bietet er eine Tonbildschau auf Deutsch und Niederländisch, außerdem werden dort seltene Straßburger Fayencen präsentiert. Früher war darin die Schlossküche untergebracht, in der einiges zu leisten war: Eine Jagdgesellschaft des Großfürsten konnte bis zu 400 Gäste umfassen.

Weitläufige Parkanlagen mit Fischteichen schließen sich in allen Himmelsrichtungen an das Schloss an. Überall trifft man auf Skulpturen. Am Rand des Parks residiert ein Töpfer, dem man beim Spaziergang bei der Arbeit zuschauen kann.

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Schloss Clemenswerth feiert 2012 das 275-jährige Jubiläum seiner Grundsteinlegung. Daran erinnert eine Ausstellung vom 21. April bis zum 31. Oktober 2012 unter dem Motto: ‚Hunderter Hände Arbeit‘.

repor-tal (Text/Photos/Video)

Adresse: Emslandmuseum Schloss Clemenswerth, 49751 Sögel
(Anfahrt ab Sögel ausgeschildert)

Öffnungszeiten: 1. April bis 31. Oktober 10 – 18 h
Montags geschlossen außer an Feiertagen

Informationen: http://www.clemenswerth.de

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