Bayrischer Personenkult

Starnberg - 1 (1)Die Ufer des Starnberger- und des Amersees gehören zu den teuersten Wohngegenden Deutschlands und sind beliebte Ausflugsziele für die Münchner, die sich ein Haus dort nicht leisten können. Abgesehen von den Reizen der Landschaft kann man dort auch Stätten echt bayrischen Personenkults besuchen.

Bahnhof Possenhofen mit 'Sisi'-Statue
Bahnhof Possenhofen mit ‚Sisi‘-Statue

Die eine ist die Jugend- und Sommer-Residenz der späteren russischen Kaiserin Elisabeth, genannt ‚Sisi‘ in Possenhofen. Ihr Domizil ist heute ein Hotel, das heute noch die Lieblingsgerichte der Kaiserin anbietet. Auch ihre Gemächer kann man noch bewohnen. Im Bahnhof des Städtchens ist ein ‚Kaiserin Elisabeth Museum‘ untergebracht.

Hier starb der 'Kini'
Hier starb der ‚Kini‘

Das Museum hat auch eine Abteilung über den bayrischen ‚Märchenkönig‘ Ludwig II., auf den sich die zweite der Kultstätten am Starnberger See bezieht: Die sogenannte Votivkapelle. Sie steht im Örtchen Berg oberhalb der Stelle, an der 1886 der König tot aufgefunden wurde, und zwar zusammen mit seinem Leibarzt. Der Tod der beiden ist ungeklärt gemäß dem überlieferten Motto des Königs: ‚Ein ewig Rätsel bleiben will ich mir und anderen‘. Ein schlichtes Holzkreuz markiert die Stelle im flachen Ufergewässer.

Die Votivkapelle versteckt sich im Wald
Die Votivkapelle versteckt sich im Wald

Der bayrische Kurfürst Max I. Joseph war zwar der erste, der sich den Titel ‚König von Bayern‘ zulegte, und zwar erst 1806. Zur Kultfigur erhoben die Untertanen aber erst seinen Nachkommen Ludwig II. Die Kapelle ist ein wuchtiger Bau im romanischen Stil mit einem massiven, achtkantigen Turm in der Mitte. Hier treffen sich regelmäßig die organisierten königstreuen Bayern.

Das Schlösschen Berg nebenan, in dem der König damals lebte, gehört der Familie Wittelsbach und ist nicht öffentlich zugänglich. (Der Chef des Hauses, Herzog Franz, hat übrigens nach der sogenannten jakobitischen Rechtsauffassung auch Anspruch auf den Thron von England und Schottland, was dem Personenkult ungeahnte Möglichkeiten eröffnet.) Die Gedächtniskapelle ist von Anfang April bis Ende Oktober offen. Sie ist aber auch außerhalb der Saison ein beliebtes Ziel für Touristen, die bereit sind, den Fußweg zu gehen; denn mit dem Auto ist sie nicht erreichbar. Am besten stellt man den Wagen schon im Ort Berg weiter oberhalb ab.

St. Johann Baptist in Berg
St. Johann Baptist in Berg

Wenn man Glück hat, ist dort die älteste Kirche in weitem Umkreis geöffnet: St. Johann Baptist aus dem 12. Jahrhundert. Sie enthält ein kostbares Kruzifix aus dem 17. und ein Relief aus dem frühen 16. Jahrhundert, das den Tod der Maria in Gesellschaft der Apostel zeigt. Ein ungewöhnliches Motiv; denn die christliche Legende berichtet von ihrer physischen Himmelfahrt. Die Gemäuer des Kirchleins gehen bis auf das Jahr 822 zurück.

Wer möchte, kann die Spuren der Seebewohner aber noch sehr viel weiter zurück verfolgen: Im Jahr 2011 fanden Archäologen im See die Reste von Pfahlbauten, die bis zu 7.000 Jahre alt sind. Sie gehören jetzt zum UNESCO Kulturerbe.

Text: Jan-Peder Lödorfer

Photos: © repor-tal

Maria verabschiedet sich von den Aposteln
Maria verabschiedet sich von den Aposteln

Informationen: www.kaiserin-elsabeth-museum-ev.de

Adresse: Kaiserin Elisabeth Museum, Schlossberg 2, 82343 Pöcking

Telefon: 08157/ 925932

Öffnungszeiten: Museum: Mai bis Mitte Oktober fr,sa,so 12-18 Uhr und für Gruppen nach Vereinbarung. Gedächtniskapelle: 1. April bis 31. Oktober 9 bis 17 Uhr

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