Was macht ein IGeL beim Arzt?

Bei manchen Ärzten kommt man sich als Patient vor wie an der Aufschnitt-Theke: ‚Darf’s ein bisschen mehr sein?‘ Die IGeL sind unterwegs. Immer mehr Ärzte erklären ihren Patienten, was die Kassen alles nicht mehr bezahlen, was man aber auf eigene Kosten für seine Gesundheit tun sollte oder zumindest könnte. Nur – ist das auch immer nützlich?

IGeL sind die Individuellen Gesundheitsleistungen, die von den gesetzlichen Krankenkassen im Allgemeinen nicht übernommen werden. Es gibt sie seit den 1990er Jahren. Manche dieser Leistungen sind für den Patienten von Nutzen, andere nicht. Wie fast immer hängt das vom individuellen Fall ab. Aber wenn Leistungen, die normalerweise unter die IGeL fallen, nach den Kriterien der Kassen medizinisch notwendig sind, dann werden sie auch von den Kassen übernommen. Deshalb kann der eine Patient eine IGeL von der Kasse bezahlt bekommen, ein anderer aber nicht. Es gibt also eine Grauzone bei der Leistungserstattung.

Version 3Die Verbraucherzentrale Hamburg hat die IGeL allgemein unter die Lupe genommen und zusammengefasst, was es oft im ärztlichen Angebot gibt und was davon eventuell für den Patienten von Nutzen ist. Die Entscheidung darüber liegt immer beim Patienten.

Wichtig ist nur, dass der Patient sich nicht zu irgendwelchen Sonderleistungen drängen lässt, ohne vorher mit dem Arzt ausführlich darüber zu sprechen. Natürlich möchte jeder, wenn es nur geht, die beste medizinische Versorgung für sich nutzen. Aber die basiert nicht immer auf den IGeL. Jeder sollte in Ruhe überlegen, denn eines ist sicher: IGeL sind niemals dringend; andernfalls würden sie auch von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Oft werden Sonder-Leistungen als ‘Vorsorge’ empfohlen. Doch meist handelt es sich um Früherkennungen – ein feiner Unterschied: Natürlich ist es sehr gut, Krankheiten so früh wie möglich zu erkennen. Doch leider hat es in der Vergangenheit auch viele falsche positive Befunde gegeben, die sogar zu überflüssigen Operationen geführt haben. Es empfiehlt sich, bei einem positiven IGeL-Befund zunächst weitere Tests und gegebenenfalls eine Zweitmeinung einzuholen, bevor man sich zu einem Eingriff entschließt.

Zu den wichtigsten IGeL gehören

beim Gynäkologen zum Beispiel:

die Große Krebsuntersuchung mit Blut-, Urin- und Ultraschalluntersuchung

die Ultraschall-Untersuchung der Brust

der HPV-Test, eine Untersuchung der Erbsubstanz auf Humane Papilloma-Viren, die für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs verantwortlich sein sollen

beim Augenarzt unter anderem:

die Glaukom-Früherkennung. Sie umfasst die Messung des Augeninnendrucks, die Spiegelung des Augenhintergrundes und eventuell eine Gesichtsfeldbestimmung

die Messung der Hornhautdicke mit einem Diagnoselaser

das Lasern der Augen zur Korrektur von Fehlsichtigkeit

beim Orthopäden etwa:

die Messung der Knochendichte, notwendig bei Verdacht auf Osteoporose

beim Radiologen können dazugehören:

die Mammographie, wenn die Frauen das Screening-Alter noch nicht erreicht haben und kein berechtigter Verdacht auf Brustkrebs vorliegt

MRT zur Früherkennung von Alzheimer-Krankheiten, wenn kein konkreter Verdacht vorliegt

beim Urologen könnte darunter fallen:

eine Bestimmung des PSA-Wertes (Prostata-spezifisches Antigen), was von den Kassen nur bei konkretem Verdacht übernommen wird

beim Hautarzt gehört dazu:

das Haut-Screening, wenn der Patient noch nicht das Screening-Alter erreicht hat oder es öfter als alle zwei Jahre durchführen möchte

beim Zahnarzt

die Professionelle Zahnreinigung (PZR); gesetzlich besteht nur ein Anspruch auf Zahnsteinentfernung einmal pro Jahr

Die Verbraucherzentrale hat zu den einzelnen IGeL auch aufgeführt, was warum sinnvoll oder überflüssig sein könnte.

Die 20-seitige Broschüre ist als Print oder Download erhältlich.

Text: repor-tal

Photos: Cover mit freundlicher Genehmigung der Verbraucherzentrale Hamburg

Informationen: www.igel-monitor.de, www.gesundheitsinformation.de, www.igel-aerger.de

Adresse: Infozentrum Verbraucherzentrale Hamburg, Kirchenallee 22, Hamburg

Öffnungszeiten: montags, mittwochs, donnerstags, freitags 10 bis 18 Uhr, dienstags 10 bis 19 Uhr)

Telefon-Bestellung: 040 / 24832-104:

Download: www.vz-nrw.dewww.vzhh.de

Preis: 2,50 Euro, Printversion zuzüglich 2 Euro für Porto und Versand

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