Überleben auf trügerischem Boden

Das Moor- und Fehnmuseum in Elisabethfehn in der niedersächsischen Gemeinde Barßel zeigt, wie Moor entsteht, welche Flora und Fauna darauf lebt und wie die Menschen sich dort einen festen Platz erobert haben. Das Museum arbeitet in Kooperation mit dem Museumsdorf in der Kreisstadt Cloppenburg.

Museum mit gemütlichem Biergarten-Café

Auch das Gebäude selbst ist historisch interessant. Es ist ein 1896 erbautes Kanalwärterhaus. 1993 wurde es um ein Fehnhaus ergänzt. Sieben Abteilungen sind hier untergebracht und ein echtes ‚Moor-Café‘.

Moore sind nicht nur in Nord- und Mitteleuropa, sondern auf der ganzen Welt verbreitet. Es gibt Hochmoore und Niedermoore, was aber nichts mit Gebirge oder Flachland zu tun hat. Hochmoore sind extrem sauer. Sie konservieren Überreste, was zum Teil sehr gut erhaltene Moorleichen belegen. Doch Pflanzen und Tiere können hier kaum leben. Das erfordert Überlebenskünstler.

In einem Moor-Lehrgarten können sich die Besucher über die Pflanzenwelt der Moore informieren. Insgesamt 90 Arten sind hier angepflanzt. Davon stammen aber nur 25 aus den artenarmen Hochmooren.

Schnurgerade laufen die Kanäle durch die Landschaft.

Um auf den Moorflächen leben zu können, haben die Menschen sie durch Kanäle entwässert. Das ist die sogenannte Fehnkultur. Es entstanden die Fehndörfer oder, wie in der Region genannt, die ‚Fehncher‘, zu denen auch Elisabethfehn gehört. Die älteste Fehnsiedlung ist Papenburg, das schon 1633 gegründet wurde. Heute ist es bekannt durch die Kreuzfahrtschiffe der Meyer-Werft.

Durch Torfabbau und Entwässerung sind die Moore so weit zurückgedrängt worden, das sie inzwischen als gefährdete Biotope gelten. Ein natürliches Hochmoor hat äußerste Seltenheit inzwischen. Eines der letzten Beispiele ist das Ewige Meer in Ostfriesland.

Torfförderung mit den ersten Maschinen

Waren im Museumsgebäude die Geräte zum Torfstechen per Hand zu sehen, ist draußen ein ganzer Maschinenpark aufgebaut. Hier erfährt man alles über den modernen Torfabbau. Und in einer Halle kann man die Weißtorfverarbeitung nachvollziehen. Natürlich wird im Museum auch der Unterschied von Weiß- und Schwarztorf erklärt.

Wunderbar, wenn man sich traut

Über die Torfwirtschaft gibt das Museum einen guten Überblick, vom Torf als Verbrennungsmaterial, über Torf für den Gartenbau bis hin zu Kuranwendung als Moorbad. Letzteres kann man auf dem anderthalb Hektar großen Außengelände kann unmittelbar erleben – im Moortretbecken. Wer sich traut zieht Schuhe und Strümpfe aus und steigt in den wabbeligen, schwarzen Modder. Keine Angst! Versinken kann man nicht. Das Moor reicht etwa bis an die Waden. Aber nach ein paar Runden merkt man, wie die Durchblutung angeregt wurde. Kalte Füße sind selbst an kühlen Tagen dann verschwunden. (Wasser zum Abspülen der Füße und ein Handtuch zum Abtrocknen sind vorhanden.)

Fast andächtig wird man jedoch beim Anblick der Moorkate. Diese aus Torfsoden erbaute Hütte war jahrhundertelang die Behausung der Menschen in der holz- und gesteinsarmen Gegend.

Zum Abschluss sollte man ruhig einen Blick in den hübschen Museumsshop werden. Hier gibt es viel Wissenswertes über die Region und ihr Brauchtum, wie zum Beispiel das Buch ‚Als Großmutter klein war’. Auch einen Besuch im Museums-Café sollte man nicht verpassen. Original Buchweizentorte oder auch ein traditioneller Buchweizenpfannkuchen mit Speck, der ‚Bookweeten Janhinnerk‘, sollten zumindest einmal probiert werden. Kommt man an den richtigen Tagen, gibt es auch Brot, frisch gebacken im alten Steinofen auf dem Gelände. Und wenn man Glück mit dem Wetter hat, ist es auf der Terrasse sehr gemütlich, und man kommt leicht in einen Klönschnack mit den Tischnachbarn.

Ruth Hoffmann (Text)

repor-tal (Photos)

Informationen: www.fehnmuseum.de

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