Eine starke Frau: Goethes Mutter

Jeder hat eine Mutter, auch der größte Dichterfürst. Die Literaturwissenschaftlerin Dagmar von Gerstorff hat ihre Recherchen zu Goethes Mutter in einem Buch zusammengefasst. Im Mittelpunkt steht ausnahmsweise nicht der berühmte Sohn, sondern eine beeindruckend selbstbewusste Frau mit einem großen Herzen.

Goethes Mutter Catharina Elisabeth, geborene Textor, kam am 19. Februar 1731 zur Welt. Mit 17 Jahren heiratete sie den 21 Jahre älteren Johann Caspar Goethe. Es war nicht unbedingt eine Liebesheirat. Aber sie führte das Haus des gut situierten Privatiers Goethe am Großen Hirschgraben in Frankfurt am Main mit Herz, Verstand und großem gesellschaftlichen Erfolg.

Goethes Mutter 001Johann Caspar Goethe liebte offenbar seine Frau und erfüllte ihr jeden möglichen Wunsch bis zu seinem Tod 1782. Elisabeth gebar sechs Kinder von denen aber nur das älteste, Johann Wolfgang, und die 1750 geborene Tochter Cornelia heranwuchsen.

Während der Vater streng auf die Ausbildung der beiden Kinder pochte, umsorgte Elisabeth Goethe besonders ihren Sohn. ‚Hätschelhans‘ nannte sie ihn, und so verwöhnte sie ihn wohl auch. Die gebildete Cornelia stand der lebensfrohen Mutter, die wie damals üblich keine gründliche und grundlegende Förderung erhalten hatte, charakterlich nicht so nahe.

Die Autorin zeichnet die Mutter als eine Frau, die sich ihr Umfeld „mit dem Herzen erschließt“ und der die Herzen ihrer Mitmenschen förmlich zuflogen. Von vielen wurde sie ‚Frau Aja‘ genannt. Der Name leitet sich aus einer damals populären französischen Sage ab. Aja ist eine tapfere Mutter, die ihre Söhne vor dem Vater beschützt.

Somit brach für sie auch nicht die Welt zusammen, als ihr Mann nach 34 Jahren Ehe starb. Zwei Jahre lang hatte sie den nach einem Schlaganfall siechen Johann Caspar gepflegt. Nun fühlte sie sich frei. Und da sich Elisabeth Goethe im Lauf der Jahre mit vielen Bekannten und Freunden ihres erfolgreichen Sohnes in Weimar angefreundet hatte, spielte sie mit dem Plan, nach Thüringen überzusiedeln. Doch dazu kam es nie. Offenbar war sie in ihrer Heimatstadt doch zu sehr verwurzelt. Und auch die innige Freundschaft mit dem Schauspieler Karl Ferdinand Unzelmann band sie an Frankfurt.

Die ‚Goethin‘ führte eine lebhafte Korrespondenz mit Dichtern wie Christoph Martin Wieland oder Bettina von Arnim, mit Goethes Freundin Charlotte von Stein und mit Anna Amalia, Herzogin von Sachsen-Weimar-Eisenach, der Mutter seines Dienst- und Landesherrn Carl August. Aber auch ihrer Schwiegertochter Christiane war sie immer herzlich zugetan, obwohl die ‚Vulpius‚ von der Weimarer Gesellschaft eher geschnitten wurde.

Die Literaturwissenschaftlerin und Autorin Dagmar von Gersdorff hat sich dem ‚ruhenden Pol‘ im Leben des deutschen Dichterfürsten mit eingehenden Recherchen genähert. Dazu dienten ihr unter anderem auch die unzähligen Briefe der Goethe-Mutter. Sie zeugen von einer selbstbewussten und für diese Zeit bemerkenswert selbstbestimmt lebenden Frau.

Text: Ruth Hoffmann

Cover mit Freundlicher Genehmigung des Insel-Verlages

Dagmar Gersdorff: Goethes Mutter
insel taschenbuch 2925, broschiert, 464 Seiten
D: 12,50 €; A: 12,90 €; CH: 18,50 sFr
ISBN: 978-3-458-34625-8

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