Im Garten des ‚grünen‘ Fürsten

Muskau, Blick vom Tempel der Beharrlichkeit (Ausschnitt), aus: Hermann Fürst von Pückler-Muskau, 
Andeutungen über Landschaftsgärtnerei 1834 Stiftung 'Fürst-Pückler-Park Bad Muskau'
Muskau, Blick vom Tempel der Beharrlichkeit (Ausschnitt) aus: Hermann Fürst von Pückler-Muskau, 
Andeutungen über Landschaftsgärtnerei, 1834, Stiftung ‚Fürst-Pückler-Park Bad Muskau‘

Der Dachgarten der Bundeskunsthalle lädt immer wieder zu neuen Impressionen ein. Jetzt steht er ganz im Licht der Pücklerschen Gartengestaltung. Der Fürst war nämlich nicht nur für seine Eis-Spezialität bekannt, sondern auch für schöne Park-Anlagen.

Georges François Louis Jacquemot Hermann Fürst von Pückler-Muskau um 1838 Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz
Georges François Louis Jacquemot: Hermann Fürst von Pückler-Muskau, um 1838, Stiftung ‚Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz‘

Hermann von Pückler-Muskau (1785-1871) hat in seinen Parks und Gärten für die Landschaftsarchitektur bis heute gültige Planungsgedanken entwickelt, die bei der Anlage der Gartenlandschaft auf dem Dach der Bundeskunsthalle für die Besucher nachvollziehbar werden.

Die Gestaltung des Dachgartens der Bundeskunsthalle orientiert sich an den Prinzipien des ‚grünen Fürsten‘, ohne sie jedoch zu kopieren. Sie passt Pücklers Ideen der vorgefundenen räumlichen Situation an und interpretiert sie neu.

Zu Pücklers wichtigsten Gestaltungselementen gehören die Sichtachsen. Gehölze und Bodenmodellierung lenken den Blick auf einen landschaftlichen Höhepunkt: die Aufschüttung im Westen des Dachgartens mit stattlichen Gehölzen, wie sie auch in den Pücklerschen Parks verwendet wurden.
Die davor angelegten großzügigen Staudenflächen bilden einen Übergang zwischen dem kunstvollen Garten und dem ’naturbelassenen‘ Lebensraum der Gehölze.
Durch diese Inszenierung öffnet sich dem Besucher die nächste Sichtachse in Richtung auf den Bonner Venusberg. Ein Wasserreservoir, in dem sich der Himmel und die Wolken malerisch spiegeln, belebt die große Wiesenfläche.

Muskau, Pleasureground am Bad (Ausschnitt), aus: Hermann Fürst von Pückler-Muskau, Andeutungen über Landschaftsgärtnerei 1834 Stiftung 'Fürst-Pückler-Park Bad Muskau'
Muskau, Blumengärten im Pleasureground (Ausschnitt), aus: Hermann Fürst von Pückler-Muskau, Andeutungen über Landschaftsgärtnerei 1834
Stiftung ‚Fürst-Pückler-Park Bad Muskau‘

Eine große Bedeutung maß Pückler dem sogenannten Pleasureground bei, dem unmittelbar an das Haus angrenzenden Gartenbereich, den er als ‚Wohnung unter freiem Himmel‘ bezeichnete. Hier setzte Pückler gern verspielte Schmuckelemente wie Beete in Tortenform, Rosenrondelle und elegantes Gartenmobiliar ein. In Anlehnung an historische Vorbilder wurden auf dem Dach mehrere solcher attraktiven Flächen angelegt, allerdings mit einer aktuellen Komposition der Pflanzen. Im Frühjahr glänzen sie mit Tulpen, Goldlack, Gedenkemein und Stiefmütterchen. Im Sommer werden sie unter anderem mit Salbei, Zinnien, Eisenkraut und Dahlien bepflanzt.

Ein Highlight ist die Rosenlaube, die seit 1848 den prächtig ausgeschmückten Branitzer Pleasureground ziert. Anlässlich des 200. Geburtstages Pücklers hat man die Laube 1985 nach der Vorlage erhaltener Originalteile wiederhergestellt. Für die Ausstellung in der Bundeskunsthalle wurde sie aufwendig restauriert.

Muskau, Pleasureground am Bad (Ausschnitt), aus: Hermann Fürst von Pückler-Muskau, Andeutungen über Landschaftsgärtnerei 1834 Stiftung 'Fürst-Pückler-Park Bad Muskau'
Muskau, Pleasureground am Bad (Ausschnitt), aus: Hermann Fürst von Pückler-Muskau, Andeutungen über Landschaftsgärtnerei, 1834. Stiftung ‚Fürst-Pückler-Park Bad Muskau‘

Pückler hat für seine Parks viele Bäume durch Umpflanzung aus der Umgebung gewonnen, aber auch eine eigene Anzucht von Gehölzen und Stauden betrieben. Diese Anzuchtarbeit wird auf dem Dach ebenfalls gewürdigt: Eine Staudengärtnerei mit farbintensiven Stauden und seltenem Gemüse wird den Besucher ebenso begeistern wie die von Pückler so bezeichnete ‚Baum-Universität‘, in der viele der von Pückler verwendeten Baumarten präsentiert werden. Besondere Aufmerksamkeit verdienen die aus Muskau und Branitz stammenden gen-identischen Exemplare des Pücklerschen Originalbaumbestands.

Neben Führungen ist auch ein umfangreiches Rahmenprogramm geplant. Darunter ist auch ein Lesung von Wladimir Kaminer am 9. Juni. Er ist sicher: Nach der Vertreibung aus dem Paradies merkten die Menschen, dass ein Leben ohne Garten keinen Spaß macht.

Der Dachgarten ist ab sofort geöffnet. Die dazugehörige Ausstellung ist ab dem 14. Mai 2016 zu sehen. Beides ist bis zum 18. September 2016 für die Besucher geöffnet.

Text: Bundeskunsthalle / repor-tal

Bilder mit freundlicher Genehmigung der Bundeskunsthalle

Informationen: www.bundeskunsthalle.de

Adresse: Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Friedrich-Ebert-Allee 4, 53113 Bonn

Telefon: 0228 / 91 71–200

Öffnungszeiten: dienstags und mittwochs 10 bis 21 Uhr; donnerstags bis sonntags und feiertags 10 bis 19 Uhr

Eintritt: 8 Euro, inklusive Audioguide: 10 Euro

Parkmöglichkeiten: Parkhaus Emil-Nolde-Straße; Navigation: Emil-Nolde-Straße 11, 53113 Bonn

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