Rundgang in die Bronzezeit

Eine Felsplattform bei Sotetorp bietet einen schönen Rundblick.

Was gibt es schöneres als einen ausgedehnten Spaziergang mit zusätzlichem Kulturgenuss? fifty2go nimmt Sie mit auf einen Rundgang entlang der Felszeichnungen bei Tanum an der schwedischen Westküste.

Die Landschaft Namens ‚Bohuslän‘ ist reizvoll, der Weg gut gangbar, und die in den Fels gemeißelten Zeichnungen aus der Bronzezeit sind – wenn man einen Sinn für die Kulturgeschichte der Menschheit hat – eine Sensation im doppelten Sinn; denn man kann sie nicht nur sehen, sondern zum Teil auch ertasten.

Es ist allein erstaunlich, wie es den Menschen vor mehr als zweieinhalbtausend Jahren gelungen ist, den ultra-harten schwedischen Granit überhaupt zu bearbeiten. Denn sie besaßen nicht mal Werkzeug aus Eisen – wir sind ja in der Bronzezeit – und zum Meißeln in Granit ist selbst Bronze viel zu weich.

Die Akrobaten – das Bild ist ungefärbt, deshalb nur schwer erkennbar.

Spannend ist aber auch, die Bilder zu interpretieren. Viele Darstellungen sind leicht erkennbar als Schiffe, Krieger, Jäger, Tiere wie Hunde und Hirsche. Manche sind dazu ausgesprochen verblüffend, wie zum Beispiel ein Bild, das eindeutig Akrobaten bei der Vorführung ihrer Kunststückchen darstellt.

Die Akrobaten

Die meisten Bilder von Menschen sind als Männer erkennbar durch eine überdimensionale Darstellung des äußeren Geschlechtsteils – möglicherweise trugen die Männer ein Penis-Futteral, wie es in heute überlebenden Kulturen noch zu beobachten ist. Andere sind aber eher mysteriös. Wenn Wissenschaftler eine Figur ‚Der Schamane‘ nennen, dann ist das eine bloße Ad-hoc-Bezeichnung, die genau genommen gar nichts erklärt.

Die Frau von Fossum (links)

Ein Frauenbild – die ‚Frau von Fossum‘ – zeigt dagegen eine Vertiefung zwischen den Schenkeln wie ein Ei im Unterleib. Ihren verlängerten Hinterkopf deuten Archäologen als kunstvoll geflochtene Haartracht. Gestützt wird dies durch Gräberfunde aus der Zeit, in denen Haare und Textilien nachgewiesen wurden.

Und schließlich gibt es kaum eine Erklärung dafür, warum die Menschen sich vor 2.500 Jahren die enorme Mühe gemacht haben, ihre Felsenküste mit Figuren zu verzieren, die damals teilweise nur vom Wasser aus zu sehen waren. Das haben geologische und hydrogeographische Forschungen ergeben.

Zu sehen sind die meisten Felsritzungen heute übrigens hauptsächlich deshalb, weil die flachen Vertiefungen mit Ockerfarbe hervorgehoben sind. Manche Denkmalschützer kritisieren dies schon als Verfälschung. Die Alternative, die nur an wenigen Stellen realisiert ist, funktioniert nur im Dunkeln: Man strahlt die Felsen so an, dass die Bilder durch die Schatten hervortreten.

Ein Meer von Schiffen

Ein Meer von Schiffen
Bild 2 von 4

Eine ganze Felswand voller Schiffe, Menschen und Tiere

‚Der Schamane‘ bleibt ein Rätsel

Das kleine, aber feine Vitlycke Museum im gleichnamigen Ort ist ein lohnender Startpunkt und bietet besonders auch für Kinder durch seinen Bronzezeit-Bauernhof einen erlebbaren Zugang zur damaligen Lebenswelt.

Die Felszeichnungen bei Tanum gehören inzwischen zum Weltkulturerbe der Unesco.

Text: Jan-Peder Lödorfer

Photos: repor-tal

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