Der letzte Schwertschmied

Ein Schwert zu schmieden, ist eine Jahrhunderte alte Kunst, die es heute fast nicht mehr gibt. Zu den letzten seiner Zunft gehört Juan Manuel Herrera Luzon. Als Kind kam der gebürtige Spanier nach Solingen. Mit 14 erlernte er das Schmiedehandwerk. Heute ist der 50-Jährige einer der ganz wenigen in Deutschland, die noch handgeschmiedete Blankwaffen herstellen. Ganz nach Wunsch des Kunden hat er alles im Programm, vom mittelalterlichen Richtschwert über spezielle Formen für Tai Chi oder studentische Rituale bis hin zu Degen für den Matador im Stierkampf.

Herrera versteht sich auf das Schmieden von Klingen aus Damast, auch Damaszener-Klingen genannt; das bedeutet, das Material aus mehreren hundert Lagen zu falten und zu verschweißen. Doch nicht jede Damaszener-Klinge ist gleich gut; es kommt entscheidend auf das Material an: „Es gibt sehr gute und sehr schlechte Damaszener-Klingen“, erklärt der quirlige Spanier. „Im Mittelalter hatten sie oft kein gutes Material. Da hat man dann alles verwendet und gemischt.“

Heute sorgen beste Grundstoffe für den besten Damast. Die verschiedenen Materialien sind in Schichten aufeinander geschweißt. Herreras Arbeit beginnt schon mit dem Verschweißen des mehrlagigen Stahls zu einem Basisstück, das dann auf Rotglut gebracht und unter dem Reckhammer zu einer langen Roh-Klinge ausgeformt wird.

Statt einer konventionellen Esse benutzt Herrera einen Ofen, den er selbst gebaut hat. Nur so können die Werkstücke im Ganzen auf die notwendigen 1100 bis 1200 Grad erhitzt und ‚in einer Hitze‘ ausgeschmiedet werden.

Bei der Arbeit am Reckhammer sitzt der Schmied auf einer Art hängendem Schaukelstuhl, der ihm auch im Sitzen die nötige Bewegungsfreiheit gibt. Wie fast alles in der Schmiede im Wermelskirchener Eifgental, hat der versierte Metall-Handwerker auch den Schaukelsitz selbst hergestellt. „Ist etwas kaputt, repariere ich es selbst“, erklärt Herrera stolz lachend. „Dann funktioniert es auch problemlos.“ Manche seiner Werkzeuge, wie Gesenke oder Hämmer, sind schon fast hundert Jahre alt.

Tanz des Hammers
Tanz des Hammers auf dem rotglühenden Stahl.

Wenn Herrera Luzon den rot glühenden Stahl aus dem Feuer zieht, wirft er einen kurzen Blick auf die Linie, und schon lässt er den Druckluft-getriebenen Hammer auf dem feurigen Metall tanzen. Funken stieben auseinander, während der Schmied konzentriert das Eisen dreht und mit dem Fußpedal die Wucht der Hammerschläge bestimmt. Dazu gehört viel Erfahrung: „Alles geht nach Augenmaß und Gefühl“, erklärt Herrera Luzon. „Aber nach 36 Jahren muss man das können.“

Gerade hat er den Auftrag, 800 Paradedegen herzustellen. „Die gehen nach Südamerika“, erzählt er. „Die sind aber nicht zum Kampf geeignet, sondern nur Zierrat für die Uniform.“

Eigentlich gibt es keine Blankwaffenklinge, die er nicht herstellt. Kürzlich konnte er einen Sammler aus Chicago glücklich machen. Der suchte schon seit Jahren nach einem besonderen Schwert, seinem speziellen Sammlertraum. „Er konnte mir kein Foto zeigen“, erinnert sich Herrera. „Er konnte es mir nur aufzeichnen. – Aber hinterher war er glücklich. Und das macht mich glücklich.“

Juan Manuel Herrera Luzon ist ein Kunsthandwerker, mit viel Liebe und Herzblut bei seiner Arbeit. „Es ist ja auch mehr als einfach nur ein Handwerk“, sagt er. „Wir sprechen hier von einer Kultur, die über 900 Jahre alt ist. Das ist ein Wert, der erhalten bleiben muss. Schwerter muss man mit Leib und Seele machen.“ Und wenn Herrera eine seiner kunstvollen Klingen aus hochwertigem Stahl auf dem Boden seiner Schmiede aufsetzt, fast zu einem U durchbiegt und über den Beton hochschnellen lässt, dann sprühen die Funken nur so. Allerdings kostet ein Schwert solcher Qualität schon mindestens 3.000 Euro. Der Preis nach oben ist offen.

Übrigens bietet der Meister auch an, das Schmieden bei ihm zu lernen: Wer gern sein eigenes Messer schmieden möchte, ist bei ihm richtig. Für 750 Euro kann man selbst am Ofen und Hammer stehen und dem Stahl seinen eigenen Stempel im wahrsten Sinne des Wortes aufprägen. Das ist zwar nicht gerade billig, aber bestimmt etwas, das der Nachbar nicht unbedingt vorweisen kann.

Blankwaffen-Schmiede - Gekreuzte Klingen
Bevor die Klingen gekreuzt werden können, muss das Zusammenspiel von Schleifer Herbert Henkels (l.) und Schmied Manuel Herrera Luzon vollendet sein.

Doch zur Blankwaffen-Herstellung gehört nicht nur der Schmied. Er arbeitet bei den hochwertigen Klingen eng mit dem Schleifer und dem Schwertfeger zusammen. Diese Zusammenarbeit besteht auch schon seit Jahrhunderten. Auch im Mittelalter wurden die hochwertigen Klingen nicht allein von einem Schmied hergestellt. Wenn Herrera Luzon den Klingen die erste Form gegeben hat, gehen sie zum Schleifer. Was dort geschieht, lesen Sie in einem weiteren Beitrag.

Ruth Hoffmann (Text)

repor-tal (Fotos)

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Kommentare 3

  • Ich würde gerne ein bis drei Schwerter anfertigen lassen, zwei Einhänder und ein Zweihänder, weiß aber nicht wieviel das kosten könnte, weil das spezialanfertigungen sind

  • Unser Beitrag hat den Buchverleger Stefan Lübbe (Bastei Lübbe Verlag) auf eine Idee gebracht.
    Der Verlag berichtet im ‚Börsenblatt des Buchhandels:
    Anlässlich ihres 15-jährigen Autorinnenjubiläum hatte Verleger Stefan Lübbe im vergangenen Dezember seiner Bestsellerautorin Rebecca Gablé („Das Lächeln der Fortuna“, „Das Spiel der Könige“) ein handgeschmiedetes, maßangefertigtes Schwert versprochen.
    So traf es sich gut, dass einer der letzten Blankwaffenschmiede Europas im Bergischen Land beheimatet ist: Der Spanier Juan Manuel Herrera Luzon residiert in der Silvia Schmiede in Wermelskirchen. Mittelalterfans aus der ganzen Welt lassen sich bei ihm ihre Waffen anfertigen. Aber auch das Militär wendet sich mitunter an den Kunsthandwerker. So hat er Anfang des Jahres einen Großaufrag über 800 Zierdegenaus Südamerika entgegengenomen.
    Stefan Lübbe, Rebecca Gablé und einige Gäste bekamen bei ihrem Besuch der Schmiede am 29. Juni exklusive Einblicke in die faszinierende Welt der Schwertschmiedekunst.
    Herrera beriet die Autorin bei der Auswahl ihrer Waffe. Dabei hatte die bei Mönchengladbach lebende Autorin schon konkrete Vorstellungen mitgebracht, wie der Verlag mitteilt. Ein einhändiges Ritterschwert sollte es sein, wie es die Helden ihrer im Mittelalter angesiedelten Romane in der Hand führen. „Manuel“, wie der sympathische Schmied sich von allen unkompliziert ansprechen ließ, begann sofort mit der Arbeit:
    Im September erscheint Rebecca Gablés neuester Roman „Der dunkle Thron“.
    http://www.boersenblatt.net/448750/

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