Tausendundein Engel in Engelskirchen

Engel-Museum FEngel haben in den letzten Jahren Konjunktur. Nicht nur in den Kirchen haben die himmlischen Heerscharen ihren Platz gefunden, sondern in vielen privaten Haushalten gehören sie zum dekorativen Personal, ob als religiös motiviertes Schutz-Symbol oder als reine Deko-Idee. Was aber bisher fehlte, war ein eigenes Museum zu dem Thema. Das gibt es aber jetzt, und zwar – in Engelskirchen. Wo denn auch sonst?

'Engel'-Kissen aus den 1920er Jahren
‚Engel‘-Kissen aus den 1920er Jahren

Engelskirchen ist ein Städtchen im Oberbergischen Kreis zwischen Köln und dem Sauerland. Bisher gab es dort eine Filiale des Rheinischen Industriemuseums (RIM), nämlich die ehemalige Spinnerei Ermen & Engels, aus deren Unternehmerfamilie der berühmte Friedrich Engels hervorging, der zusammen mit Karl Marx unter anderem das ‚Kommunistische Manifest‘ schrieb.

Und nun ist hier ein wahrhaftiges Wunder geschehen: Allein mit ehrenamtlichen Engagement konnte das Erste Deutsche Engel-Museum eröffnet werden. 69 Mitglieder zählt der Engelverein. Untergebracht ist das Museum in der Alten Schlosserei am Engels-Platz, die zum Komplex der benachbarten alten Fabrik Ermen & Engels gehört. Sie hatte schon 1885 ihr Firmen-Logo mit dem Raffael-Engel als Markenzeichen geschützt, was bis heute gilt. Insgesamt 50.000 Euro waren bis zur himmlischen Übernahme notwendig; öffentliche Gelder gab es nicht, nur Unterstützung von Sponsoren.

Ein himmelblauer Wolkenhimmel empfängt die Besucher des Engel-Museums. Und schon ist der Blick gefangen von den überall schwebenden Himmelswesen. Groß und klein, von Daumennagelgröße bis zweieinhalb Meter schweben, stehen, liegen und sitzen Engel in allen Farben, Formen und Materialien und bevölkern jeden Winkel des Raumes, der uns ein wenig an die kleine Kirche in Kloster auf Hiddensee erinnert.

Johann Fischer
Johann Fischer

Der größte Teil der Exponate stammt aus dem Vermächtnis eines Sammlers: Johann Fischer, der aus dem nicht weit entfernten Örtchen Engeldorf stammte. Thematisch ist die Ausstellung in sieben Abteilungen gegliedert, von der Volksfrömmigkeit über die Raffael-Engel bis hin zu Engeln in der Werbung. Kein Engel-Gebiet, das nicht gestreift wird. Schutzengel blicken von Lithographien und Drucken herab.
Engel-MuseumEin außergewöhnlicher Hingucker ist ein Motorrad-Oldtimer, eine 250er BMW, dekoriert mit Schutzengeln. Zu den besonders kostbaren Ausstellungstücken gehören eine bronzene Engel-Plastik aus Mesopotamien um rund 1000 vor Christus und eine Statuette des  Erzengels Michael mit einer Seelenwaage** aus dem 17. Jahrhundert.
Für kurze Zeit wird auch ein 130 Zentimeter großer Barockengel gezeigt, der von Daniel C. Nagel in Bad Honnef restauriert wurde. Der Engel ist vermutlich aus dem 16. Jahrhundert und wird voraussichtlich für einen Startpreis von 25.000 Euro demnächst bei Sotheby’s versteigert.

Demnächst bei Sotheby's
Demnächst bei Sotheby’s
© Lukas Schlichtebrede

Für Publikum geöffnet ist das Museum ab dem 20. November 2015. “Wir hoffen, dass der Christkindmarkt uns eine erste Besucherwelle beschert”, sagt Ralf Rother, 1. Vorsitzender des Vereins. Wenn alles gut anläuft, plant das Team schon die Erweiterung in den ‘Engel-Garten’, der sich hinter der ‘Alten Schlosserei’ anschließt.

Vorstandsmitglied Eva Folz, ehemalige Lehrerin, engagiert sich besonders für den Verkauf des Maskottchens, der einen wesentlichen Bestandteil der Vereins-Einnahmen sichert. Engelskichener Schüler haben den ‚Original Engelskirchener Engel‘ entworfen, den es im Museum in diversen Größen, Materialien und Kombinationen zu kaufen gibt, zum Beispiel als Lichterengel, als Garten-Deko, als Windlicht, Weihnachtsglöckchen, auf Postkarten, einer Fahrradklingel und vielem mehr.

Text: Ruth Hoffmann

Photos: © repor-tal

Informationen: www.engel-museum.de, www.engelskirchener-engel.de

Adresse: Erstes Deutsches Engel-Museum, Alte Schlosserei, Engel-Platz 7, 51766 Engelskirchen

Telefon: 02263 / 95 25 885

Öffnungszeiten: dienstags und mittwochs 10 bis 13 Uhr, donnerstags 14 bis 17 Uhr, samstags und sonntags 11 bis 16 Uhr

Eintritt: 4 Euro

*Der Ortsname Engelskirchen stammt übrigens wohl nicht von den himmlischen Wesen ab und ist auch nicht auf das Unternehmen Ermen & Engels zurückzuführen. Im ursprünglichen Namen ‘Engellerskerken’ könnte der Name ‘Engither’ enthalten sein. Es könnten aber auch die Flurnamen ‘Anger’ oder ‘Angel’ darin stecken, die soviel bedeuten wie Talschleife oder Talkrümmung.

**In der Ikonographie gehört die Seelenwaage zu den Attributen des Erzengels Michael, der die himmlischen Heerscharen anführt. Auf einer Balkenwaage wägt er Gut gegen Böse ab.

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