Ein Pieks ist besser als der Tod

Jedes Jahr gibt die STIKO, die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut, neue Impfempfehlungen heraus. 2012 hat sie sich besonders mit dem vollständigen Impfschutz für die Patienten beschäftigt. fifty2go fragte den Internisten Dr. med. Johannes Vesper, was zu beachten ist.

fifty2go: Welche Impfung sollte jeder Erwachsene haben?

Dr. Vesper: Jeder Erwachsene sollte gegen Tetanus, Diphtherie, Kinderlähmung, sowie gegen Masern und Mumps geimpft sein.

fifty2go: Dr. Vesper, was ist neu an den Impfempfehlungen der STIKO in diesem Jahr?

Dr. Vesper: In den Empfehlungen 2012  finden sich vor allem Hinweise, wie bei unvollständiger und unbekannter Impfanamnese zu verfahren ist.  Daten zu Wirksamkeit und Verträglichkeit von Impfungen sind schwer zu erhalten. Daher sind die Empfehlungen der STIKO zu begrüßen.
Im Einzelnen: Die Indikation zur Mumpsimpfung wurde erweitert, da nicht mehr nur Kinder, sondern junge Erwachsene erkranken. Die meisten Neuerkrankungen bei Mumps sind inzwischen in der Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen. Eine fehlende Impfung gegen Windpocken sollte vor dem 18. Lebensjahr nachgeholt werden.
Beim niedergelassenen Arzt  sollte die Impfanamnese jedenfalls zur Routine des Arzt-Patienten-Gesprächs gehören.

fifty2go: Was sollte man machen, falls man nicht weiß, ob man geimpft ist oder nicht, und wenn das Impfbuch verloren ist?

Dr. Johannes Vesper

Dr. Johannes Vesper

Dr. Vesper: Nicht dokumentiert ist für uns wie nicht geimpft. Wenn nicht geklärt werden kann, welche Impfungen erfolgt sind, sollte die Grundimmunisierung gegen die genannten Krankheiten durchgeführt und dokumentiert werden.

fifty2go: Die STIKO weist insbesondere auf die Meningokokken-Impfung hin. Was sind Meningokokken, und wer hat eventuell ein erhöhtes Erkrankungs-Risiko?

Dr. Vesper: Meningokokken sind Bakterien, die weltweit vorkommen. Die Bakterien werden durch Tröpfcheninfektion übertragen und führen meist zur Hirnhautentzündung. In circa 25 Prozent der Fälle kommt es auch zu Blutvergiftungen und seltener auch zu einem besonders schweren Verlauf mit möglicher Todesfolge.
Die Krankheit beginnt nach einer Inkubationszeit von wenigen Tagen mit Fieber, Meningismus – das ist eine schmerzhafte Nackensteifheit -, Eintrübungen des Bewusstseins bis hin zum Koma, Gerinnungsstörungen und Organversagen. Gefährdet sind vor allem Jugendliche in Institutionen, wo viele zusammen leben, wie zum Beispiel in Schulen, Colleges und Universitäten. Das Problem ist nicht zu vernachlässigen. Wer als Jugendlicher etwa nach England geht, sollte unbedingt geimpft sein. Dort gibt es immer wieder Meningokokken-Infektionen. In Deutschland nimmt infolge einer konsequenten Impfpraxis die Häufigkeit ab. Aktuell kommen 0.45 Erkrankungen auf 100.000 Einwohner.

fifty2go: Sind Infektionskrankheiten wie zum Beispiel Masern oder Mumps wieder auf dem Vormarsch?

Ein kleiner Pieks kann Leben retten.

Dr. Vesper: Immer wieder kommt es infolge unzureichenden Impfschutzes zu Masern-Epidemien. 2006 bei der Fußballweltmeisterschaft warnten US-amerikanische Webseiten vor dem Besuch der Stadien im Ruhrgebiet, weil damals eine Häufung von Masernerkrankungen registriert wurde. Die Schweiz hatte im Zusammenhang mit der Fußball-Europameisterschaft vor einigen Jahren auch ein Masern-Impfproblem. Außerdem hat die Schweiz ein Problem mit der FSME-Erkrankung, weil die Schweizer in ihren Tälern nicht glauben wollen, dass in einer so gesunden Umgebung tatsächlich durch Zecken gefährliche Erkrankungen übertragen werden können.

fifty2go: Warum sind die Masern auf dem Vormarsch?

Dr. Vesper: Impfgegner sind nicht zu unterschätzen im Hinblick auf ihre Wirkung. So absurd es klingt, tatsächlich wird zu Masern-Parties eingeladen, um die Erkrankung einzufangen und ‚natürlich’ durchzumachen. Impfgegner schüren Ängste, die tatsächlich nicht zu rechtfertigen sind.
Inzwischen gilt für Ärzte, die von der Masernimpfung abraten, dass diese berufsrechtlich verfolgt werden. In Coburg sind vor einigen Jahren zwei Kinderärzte strafrechtlich verurteilt worden, weil sie durch ihrer Beratung eine Masern-Epidemie begünstigt hatten.

fifty2go: Wem empfehlen Sie die Grippeschutzimpfung?

Dr. Vesper: Die Grippeschutzimpfung wird jedem über 60-Jährigen empfohlen. Außerdem sollten sich chronisch Kranke unabhängig vom Alter impfen lassen.

fifty2go: Ab wann kann man zur Grippeschutzimpfung, und gibt es in diesem Jahr wieder ein besonders gefährliches Grippe-Virus?

Dr. Vesper: In der Regel steht der aktuelle Grippeimpfstoff ab Oktober zur Verfügung. Aber ein besonders aggressives Virus ist in diesem Jahr nicht bekannt.

Ruth Hoffmann (Interview)

repor-tal (Photos)

Informationen: www.dr-vesper.de

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