Nie schneiden, nur zupfen!

Der Garten von Dorothea und Gerhard Giesen hat noch jeden Besucher auf den ersten Blick beeindruckt. Der makellose Rasen, die zierlich geformten Bäumchen und Bonsais, Wasserläufe zwischen Findlingen – jeder Besucher erfasst auf den ersten Blick: dies ist etwas ganz Besonderes. Doch nur wer sich Zeit nimmt, bemerkt die Reize, die sich im Detail verbergen.

Dorothea und Gerhard Giesen mit ihrem Garten-Gästebuch

Schon vor mehr als dreißig Jahren begannen die Giesens, ihren Garten neu zu gestalten. Die Kinder waren aus dem Toll-Alter heraus, jetzt konnte sich das Ehepaar auf sich selbst bei der Pflanzen-Anordnung besinnen. Gerhard Giesen hatte sich schon vorher über Bonsais informiert. „Damals gab es so etwas noch gar nicht in Deutschland zu kaufen“, erinnert er sich. „Ich habe mir die Informationen angelesen und Gärtner befragt.“

Steine sind so wichtig wie Pflanzen

In der Eifel sammelte er Tuffsteine, die sich für eine Bepflanzung eigneten. Da hinein setzte er seine ersten Baumschösslinge. Mit unendlicher Geduld und einer glücklichen Hand entstanden so im Lauf der Jahre kleine Miniaturwelten, die einerseits die Natur spiegeln, aber auch skurrile Bonsaikunst präsentieren. Mit Steinen und Bonsais hat Gerhard Giesen auf einem Bord an einer Außenmauer eine chinesische Flusslandschaft gestaltet, ein Motiv, das viele von Bildern in chinesischen Restaurants kennen. Daneben schlängelt sich ein Cotoneaster, eine Zwergmispel, in Kaskadenform nach unten. Gerhard Giesen arbeitet viele Jahre an einer Pflanze. Mit unauffälligen Drähten werden die Zweige in die gewünschte Form ‚erzogen‘. Eine kleine Weißbuche ist schon älter als dreißig Jahre.

Ganz wichtig für den Hobby-Gärtner ist: niemals schneiden, sondern immer nur zupfen. So gehen die Giesens nie durch den Garten, ohne hier und da ein Blättchen abzuzupfen. Auch die großen Sträucher und Bäume sind kunstvoll gestaltet, so dass insgesamt das Bild eines asiatischen Gartens entstanden ist. „Einige Besucher wollten uns belehren, dass ein japanischer Garten keine bunten Blühpflanzen enthält“, lächelt das Ehepaar. „Deshalb sagen wir, im Frühjahr haben wir einen japanischen Garten und im Sommer ist es ein asiatischer Garten. Denn die Chinesen haben durchaus Blumen in ihren Gärten.“ „Und ich möchte keinesfalls auf meine Blumen verzichten“, strahlt Dorothea Giesen. Das versteht jeder, der die Pracht ihrer Dahlien, Tagetes und Begonien sieht.

Bonsais wie Blumen, Steine wie Skulpturen

Die Kompetenzen sind bei den Giesens klar verteilt: Dorothea kümmert sich um Rasen und Blumen, Gerhard um Bonsai- und Baumpflege. ‚Garten der Harmonie’ haben die Giesens ihr Natur-Idyll getauft.

Geht man auf Entdeckungsreise durch diesen ‚nur’ 300 Quadratmeter großen Mini-Park – durch seine geschickte, perspektivische Gestaltung wirkt er viel größer – entdeckt man viele unterschiedliche Anlagen. m Zentrum der saftig-grünen Rasenfläche prangt eine Blumenschale als kleines Biotop. Von einer künstlich aufgeschütteten Böschung rieselt Wasser durch ein kleines Becken in einen winzigen Bachlauf, der unter einer Mini-Brücke versickert. Von der anderen Seite kommt ein weiterer Zufluss aus einem außergewöhnlichen Steinteich. Hier schwimmen Kois, die japanischen Zierkarpfen, im klaren Wasser, das von einer Natursteinschale herabplätschert. Damit die wertvollen Fische nicht dem Reiher zum Opfer fallen, hat Dorothea Giesen eine Reiher-Scheuche aus Ballonseide gebastelt. Durch einen Bewegungsmelder wird ein Gebläse in Gang gesetzt, das den lustigen Clown aufstehen lässt. Ist der Reiher fort, fällt die Attrappe wieder in sich zusammen.

Ein Teich mit Koi-Karpfen ist selbstverständlich

Am Rand des Beckens am anschließenden Steingarten seht eine Räucherlampe, die einen exotischen Duft verströmt. Gleich daneben sitzt eine Schildkröte aus Metall, auf der ein kleiner Frosch hockt. „Das Gefäß stammt aus Südost-Asien“, erklärt Dorothea Giesen. „Eigentlich ist es ein Tintenfass. Die Schildkröte steht für langes Leben und der Frosch für die Wiedergeburt.“

Immer sind die Hobby-Gärtner auf der Jagd nach Besonderheiten für ihren Garten. Original sind eine Pagode aus Thailand, ein Grenzstein und eine Reliefstele aus China. Klangkörper runden da Bild mit ihrem Ton-Modulationen ab. Dezent stehen hier und da Buddha-Figuren in dem Garten-Arrangement verteilt.

Und überall sind kunstvoll Steine drapiert, die Giesens auf ihren Reisen in ganz Europa gesammelt haben, einen haben sie sogar aus China mitgebracht. „Steine müssen immer in ungeraden Gruppen kombiniert werden“, erklären die beiden. Dasselbe gilt übrigens auch für Baumgruppen.

Am besten genießt man den Garten, indem man sich in eine ruhige Ecke setzt und ihn auf sich wirken lässt. Giesens aber können das nicht immer, denn sie arbeiten täglich mehrere Stunden im Garten, um seine Schönheit zu erhalten und ihn weiter zu formen. „Der Garten ist immer im Fluss“, erklärt Gerhard Giesen. In Japan heißt es ‚ein fertiger Garten ist ein toter Garten’. Deshalb nehmen wir immer wieder neue Ideen auf.“ Und mit strahlendem Blick versichert er: „Wir werden niemals fertig.“

Ruth Hoffmann (Text)

repor-tal (Photos & Video)

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