Will und die wilden Weiber

Die Bremer sprühen vor Ideen: Schattenspiel der Superlative
Die Bremer sprühen vor Ideen: Schattenspiel der Superlative

Das 24. Shakespeare-Festival in Neuss ist mit einem furiosen Spektakel eröffnet! Der donnernde Schlussapplaus ließ die Leichtbauwände des kleinen ‚Globe‘-Theaters an der Pferderennbahn erzittern. Die ‚bremer shakespeare company‚, die schon von der Idee an am Neusser Festival beteiligt war, gab ihre Eigen-Produktion ‚Wie es Will gefällt‘ – eine Revue aus schauspielerischer Meisterschaft und persönlicher Reflexion Shakespeares als Autor, als Mensch und als Mythos.

Schultz und Lüchinger als Ophelia und Parish
Schultz und Lüchinger als Ophelia und Parish

‚Anchorman‘ der Show ist Peter Lüchinger als ‚Lewis Parish‘, ein vertrottelter Bücherwurm, der sich im eigenen Vortrag über ‚Shakespeare, sein Leben und Werk‘ verheddert. Als wäre er nicht für sich allein schon konfus genug, mischen sich die fünf anderen Protagonisten (Petra-Janina Schultz, Ulrike Knospe, Erik Roßbander, Tobias Dürr, Tim D. Lee) von allen Seiten und in 26 verschiedenen Rollen ein, mischen die Bühne auf mit allem, was die Kunst zu bieten hat, vom Slapstick mit akrobatischer Clownerie über den geschliffenen Dialog bis zum subtilen Schattenspiel mit Scherenschnitt-Figuren.

'Aufstand' der Schauspieler
‚Aufstand‘ der Schauspieler

Der Vortragende versucht, sich über die Frage zu verbreiten, welches Shakespeares ‚größtes Werk‘ sei: „Doch wie entscheidet man das? Ist es eine Frage des Geistes? Oder der Lacher? Muss es die verzweifeltste Leidenschaft haben, das atemberaubendste Drama, die überraschendste Wendung?“ Mit seinem Plädoyer für ‚Hamlet‘ bleibt er aber schon im Ansatz stecken. Erst fährt ihm Titania in die Parade, die natürlich den ‚Sommernachtstraum‚ als Gipfelpunkt heraushebt, schließlich fegt eine Phalanx von Frauenrollen, darunter Julia, Isabella, Katharina und natürlich Hamlets Ophelia, den drögen Theoretiker fast von der Bühne, und Hamlet wird in die Pfanne gehauen.

Alt und jung William
Alt und jung William

Denn die Frauen fordern Gleichberechtigung! Sie nehmen es Shakespeare übel, dass sie im Vergleich mit ihren männlichen Antagonisten kaum zu Wort kommen – was sie statistisch eindrucksvoll belegen. Und das, obwohl sie in vielen Stücken viel entscheidender agieren als die Männer! In einer Art choreographierter Rap-Attacke erinnern sie an Kleopatra, Lady Macbeth, die ‚Widerspenstige‘ Kate und viele andere Frauen und fordern: „Wir können mehr, wir sind voll fit, wir halten mit, doch es liegt nah, dass Shakespeare uns kaum Futter gab, weil er uns gespielt von Männern sah…“

Muss Parish vor den Frauen kapitulieren?
Muss Parish vor den Frauen kapitulieren?

Wenn das Publikum schon meint, die temporeiche Revue sei zu Ende, drehen die Bremer nochmal voll auf und steigern sich zu einem fulminanten Finale, bei dem es nur so knallt. Doch hier soll der Schluss nicht verraten werden!

Das Stück entstand anlässlich Shakespeares 450. Geburtstag in Zusammenarbeit mit dem britischen Regisseur Raz Shaw und der Autorin Jessica Swale. Es hat am 23. April in Bremen eine furiose Premiere gefeiert. Der Auftakt des diesjährigen Neusser Festivals war der zweite große Erfolg. Eine weitere Aufführung ist am 27. Juli im Bremer Bürgerpark.

Das Neusser Festival bietet bis zum 19. Juli noch jede Menge von und über Shakespeare und seine Zeitgenossen.

Text: Jan-Peder Lödorfer

Photos: © Marianne Menke, mit freundlicher Genehmigung von Pro Classics

bremer shakespeare company:
Wie es Will gefällt (All’s Will that ends Will)
Von Jessica Swale / deutsch von Patricia Benecke
Regie: Raz Shaw
Informationen zu weiteren Aufführungen:
www.shakespeare-company.com

Informationen und Vorverkauf zum Neusser Festival:
shakespeare-festival.de

 

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