Die ‚heilige Puppenstube‘ (4)

Innenraum der Geburtskirche in Bethlehem; im Hintergrund die überbaute 'Geburtsgrotte'
Innenraum der Geburtskirche in Bethlehem; im Hintergrund die überbaute ‚Geburtsgrotte‘ © repor-tal

Jeder kennt sie, die weihnachtlichen Stellagen mit Baby, Eltern, Ochs‘ und Esel – mal mit, mal ohne Dach überm Kopf. Manchmal fast abstrakt, oft aber bis ins Detail liebevoll ausgestaltet samt Beleuchtung wie ein Modellbahn-Diorama: die Krippen. Doch woher kommt dieses plastische Bild, was steckt dahinter, und was bedeutet sie heute? fifty2go hat Professor Manfred Becker-Huberti* gefragt. Seine Antworten bringt fifty2go in vier Folgen jeweils an einem Adventssonntag. Heute, am 4. Advent, geht es darum, was gilt und was bleibt.

“Das Krippenspiel wurde außerordentlich populär und ist es bis heute geblieben. Es kommen nicht nur die neugierigen Kinder, die sehen wollen, was die anderen Kinder aus ihrer Rolle machen. Mutter, Vater, Omas und Opas, Tanten und Onkel, Patinnen und Paten und die Nachbarschaft sind stets interessiert. Es geht den Menschen zu Herzen, wenn das frühere Geschehen in die Gegenwart geholt, vergegenwärtigt wird. Unausgesprochen steht immer die Frage dahinter: Wenn das damalige Geschehen heute stattfände, wie würden wir damit umgehen?

Krippen - 9
Bei orthodoxen Christen ist es Brauch, die Stelle der Geburt mit den Lippen zu berühren. © repor-tal

In Verbindung mit der Krippe steht die Verehrung Jesu Christi als Kind. Das ‘Bambino Gesù’, also Christus in Gestalt eines Kindes, spielte in der Volksfrömmigkeit immer eine Rolle, war aber, theologisch gesehen, durch Quellen wenig fundiert.

Krippen 6
Die Stelle der Geburt Christi ist mit einem vergoldeten Stern markiert.
bilder-erzbistum-koeln.de, Photograph: Christopher Jelen
Krippen 5
Jesu Beschneidung in einer mittelalterlichen Darstellung
© bilder-erzbistum-koeln.de, Photograph: Bernhard Riedl

Beeindruckt hat die Menschen, dass niemand bereit gewesen war, die schwangere Maria aufzunehmen. Die Herbergssuche ist deshalb zu einem eigenen Motiv geworden – im Spiel und im Lied.
Daraus wieder hat sich das Frautragen entwickelt: Eine Ikone der schwangeren Maria wird am Abend des 1. Advent aus der Kirche feierliche in die Wohnung einer Familie gebracht. Sie verbleibt dort, mit Kerzen geschmückt und betreut von Betenden, bis zum nächsten Abend, an dem sie zur nächsten Familie gebracht wird. So geht es jeden Tag weiter. Am 24. Dezember kehrt die Ikone wieder zurück in die Kirche. Demonstriert wird: Wir, die wir wissen, welche Bedeutung Jesus Christus für uns hat, würden mit Maria und ihrem Ungeborenen mit größter Sorgfalt umgehen, ihm Schutz und Unterkunft bieten.
Nach den Worten muss ein solches Verhalten auf meinen Nächsten übertragen werden, das ist der, der Hilfe braucht. In der aktuellen Flüchtlingssituation sehen viele Christen dies gegeben und handeln nach den Worten: ‘Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan’ (Mt 25,40). Betlehem ist nicht nur Geschichte. Betlehem ist überall.”

Professor Dr. Becker-Huberti erklärt die Herkunft der Krippen
Professor Dr. Becker-Huberti erklärt die Herkunft der Krippen
© Manfred Becker-Huberti

*Prof. Dr. Manfred Becker-Huberti (Jg. 1945) hat Katholische Theologie, Philosophie, Publizistik und Kunstgeschichte studiert. Promoviert wurde er 1975. Für das Erzbistum Köln arbeitete er im Schulbereich und in den Medien. Er hat an verschiedenen Hochschulen und Universitäten, dem Kölner Priesterseminar und Diakoneninstitut gelehrt. Seit 2006 ist Becker-Huberti Freiberufler, Autor und Honorarprofessor (2007) an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Vallendar.

Informationen: www.becker-huberti.de

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