Aupair mit 50?
Doch, das geht!

Michaela Hansen in Hamburg vermittelt Auslands-Aufenthalte für Frauen ab 50 als Aupair. Das Angebot unter dem Motto ‚Granny Aupair’ gilt nur für Frauen. Eine feste obere Altergrenze gibt es nicht. Es kommt darauf an, ob man sich fit genug fühlt, sagt die Vermittlerin. Voraussetzung seien zumindest elementare Kenntnisse der Sprache des Gastlandes. Perfekt muss man sie aber nicht sprechen; schließlich sei es auch ein Zweck der Übung, die eigenen Sprachkenntnisse zu verbessern.

Michaela Hansen

Wer sich bei Michaela Hansen anmeldet, zahlt eine Gebühr von 35 Euro und füllt zunächst einen langen Fragebogen aus. Das gilt übrigens auch für die Familien im Ausland, die eine ‚Granny Aupair’ suchen. Bisher arbeitet die Agentur nur in dieser Richtung, also mit deutschen Aupairs und Familien im Ausland, nicht umgekehrt. Im weiteren Verlauf des Verfahrens kann eine Bearbeitungs- und eine Vermittlungsgebühr anfallen, über deren Höhe die Agentur auf Anfrage Auskunft gibt.

Der Kontakt und der Austausch im Vorfeld sei sehr wichtig, bestätigen auch Teilnehmerinnen. So kann man rechtzeitig viele Fragen klären, die andernfalls später zu Konflikten führen können.

Außer Aufenthalten bei Gastfamilien organisiert die Agentur auch solche bei gemeinnützigen Projekten in aller Welt. Zur Zeit werden zum Beispiel Lehrerinnen für Mathematik und Englisch sowie Handarbeiten gesucht für ein Frauen-Projekt in Rajasthan/Indien. Gebraucht werden dort auch Handwerkerinnen und Bürokräfte.

Man kann aber auch zum Beispiel in einem vietnamesischen Waisenhaus mithelfen, unter anderem – aber nicht nur – als Ärztin, Krankenschwester oder Fachkraft für Ernährung oder Physiotherapie. Weitere Projekte sind eine Schneiderwerkstatt in Mali (Westafrika), wo man Französisch spricht, oder ein Waisenhaus in Peru (Spanisch erforderlich).

Frauen und Kinder in aller Welt brauchen Helferinnen mit Lebenserfahrung und guten Nerven

Michaela Hansen bietet aber nicht nur die Vermittlung solcher Auslands-Aufenthalte als Aupair an. Sie organisiert auch Kurse, in denen man sich darauf vorbereiten oder auch zunächst mal systematisch prüfen und überlegen kann, ob und wie das im eigenen Lebenszusammenhang funktionieren könnte.

Schließlich ist Frau mit 50 kein Mädchen ohne Anhang und Verpflichtungen, das mit leichtem Gepäck mal eben für ein paar Monate nach Übersee gehen kann. Viele Frauen seien anfangs begeistert von der Idee, geradezu euphorisch, sagt Michaela Hansen. Doch dann kämen die Skrupel: Was sagen meine Freunde, meine Angehörigen dazu? In welche fremde Familie kann ich geraten? Soll ich mich wirklich verpflichten, praktisch ohne Lohn zu arbeiten?

Um solche Fragen im Vorfeld zu klären, bietet sie in Hamburg sogenannte ‚Powerworkshops’ an. Die eintägigen Seminare kosten jeweils 200 Euro inklusive Imbiss und Getränke. Auf dem Tagesprogramm steht unter anderem, wie man seine Erwartungen und Wünsche formuliert und der eigenen Familie vermittelt, und zwar nicht nur vor dem-, sondern auch während des Aufenthaltes im Ausland. Letztlich geht es auch darum, wie man mit möglichen Enttäuschungen umgeht.

Es gibt durchaus Frauen, die mit einem Aupair-Aufenthalt schlechte Erfahrungen gemacht haben, gibt Hansen freimütig zu. Die positiven Erfahrungen seien aber bei weitem zahlreicher. „Bei diesem Projekt begegnen sich – trotz vorherigem Austausch – erst einmal fremde Menschen, die unter Umständen nach ein paar Wochen feststellen müssen, dass sie doch nicht zusammen passen – wie es halt in menschlichen Beziehungen jeden Tag vorkommen kann“, so Hansen wörtlich. „Oder Frau muss sich eingestehen, dass sie sich mit diesem kleinen Abenteuer doch überfordert hat. Probleme müssen die Beteiligten, ohne unsere Mitwirkung, selber klären. Wenn es gar nicht funktioniert, steht es der Granny frei abzureisen.“

Eine ihrer Teilnehmerinnen ist Christa G., heute 72. Sie hatte in der Schule kein Englisch und bedauerte Jahrzehnte lang, dass sie nie die Chance hatte, als Aupair ins Ausland zu gehen. Bis ihre Tochter eines Tages einen Bericht über Michaela Hansen mitbrachte.

Kinder hüten in Kanada - keine Angst vor weiten Strecken

Christa G. fuhr für drei Monate nach Rossburn in der Kanadischen Provinz Manitoba. Eine deutsche Auswandererfamilie suchte dort Unterstützung und Betreuung für ihre drei Kinder: zwei Jungen im Alter von sieben und neun Jahren und ein kleines Mädchen von fünf.

„Die Kleine sprach ausschließlich Englisch“, erinnert sich Christa G. „Ich verbrachte eine wunderbare Zeit in Kanada. Ich ging mit den Kindern oft an den nahen See zum Baden“, erzählt sie sich fröhlich. „Das Leben ist dort ganz anders als hier. Dort gibt keinen Kiosk am Strand, um Eis zu kaufen. Wir mussten unser Picknick also immer selbst mitbringen. Die Entfernungen sind alle viel größer. Es ist dort selbstverständlich, dass die Fahrt zum nächsten großen Supermarkt oder Facharzt rund anderthalb Stunden dauert.“

Christas vier eigene Kinder unterstützen ihre Mutter sehr bei ihren Unternehmungen und finden es toll, dass sie die Welt erobert. „Ich möchte anderen zeigen, dass man nicht zuhause hinter dem Ofen sitzen muss, sondern sich was trauen sollte“, sagt die unternehmungslustige Frau. Im kommenden Jahr will sie ihre Aupair-Familie in Kanada wieder besuchen. „Auch in meinem Alter kann man sich noch etwas trauen. Und mit 50 sollte man sich wirklich auf in die Welt machen. Einen Versuch ist das immer wert.“

repor-tal (Text)

Granny Aupair (Photos)

Informationen: www.granny-aupair.com

 

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