Als Rauchen noch Stil hatte

Das Tabakmuseum ist Teil des Lorscher Klostermuseums

Das Tabakmuseum (rechtes Gebäude) ist Teil des Lorscher Kloster-Areals mit der berühmten Königshalle.

Es gab eine Zeit, da hatte der Staat noch nicht das Bestreben, alles zu verbieten, was möglicherweise nicht dem Ideal einer gesundheitsfördernden Lebensweise entspricht. Von halsbrecherischen und gefährlichen Sportarten abgesehen. An diese Zeit erinnert sich mit Rührung, wer das Tabakmuseum in Lorsch besucht.

Die größte Pfeife der Welt

Die größte Pfeife der Welt

Auch hier ist, wie in allen öffentlichen Räumen, das Rauchen verboten. Dafür darf man Utensilien aus mehreren Jahrhunderten und verschiedenen Kulturen der Welt bewundern. Darunter sind Kuriositäten wie die angeblich größte funktionierende Pfeife der Welt – wobei man sich fragt, welcher Riese die wohl schmöken könnte. Sie ist immerhin 120 Kilo schwer.

Lorsch war einmal ein Zentrum der Zigarren-Produktion in Deutschland. Die erste Fabrik wurde schon 1859 gegründet. Höhepunkt ihrer Konjunktur war die Zeit zwischen den Weltkriegen. Bis zu 2.000 Menschen gab der Tabak hier Arbeit. Im 2. Weltkrieg ging es mit der kultivierten Zigarre langsam bergab. Der Siegeszug der Zigarette begann. 1983 war es mit der Lorscher Zigarren-Produktion zu Ende. 

Was bleibt, ist Museum. Es ist heute ein Teil des Museumszentrums Lorsch, in dessen Mittelpunkt die historische Klosteranlage mit der Königshalle steht. Die Sammlung zeigt nicht nur die Herstellung der Zigarren, sondern auch viele Produkte der Volkskunst und Kultur, wie zum Beispiel Gebrauchsgegenstände wie zum Beispiel Glasschalen, die mit den knallbunten Bauchbinden der Zigarren verziert sind.

Etiketten aus aller Welt

Etiketten aus aller Welt

Das Lorscher Museum dokumentiert eine verlorene Welt. Der Tabak – insbesondere in Form der Zigarre – stand einmal für den Luxus aus exotischen Ländern. Die bunten Bauchbinden und die phantasievoll illustrierten Zigarrenkistchen waren Werbeträger für Länder und Erdteile, die später nur noch mit Korruption, Katastrophen und Terror von sich reden machten. Die einheimische Tabakproduktion – wie etwa die in Losch und überhaupt in Baden – lieh sich ein bisschen vom Glanz der exotischen Provenienzen aus. Denn es gab einmal eine Zeit, in der Lateinamerika und Indonesien ein besseres Image hatten, Und das war nicht zuletzt der Kultur des Tabaks zu verdanken. In Lorsch kann man die Ikonen dieser Kultur noch bewundern, ohne dabei ständig mit Warnhinweisen oder abschreckenden Bilden belästigt zu werden.

Nur – wie gesagt – das Rauchen ist natürlich auch hier verboten…  

Text: Jan-Peder Lödorfer

Photos © repor-tal, mit freundlicher Genehmigung der hessischen Kulturverwaltung

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