Alles mit meinem ganzen Selbst!

Senta Berger, Erika Pluhar, Erika Holm und sieben weitere prominente Bühnenstars aus Oper und Theater haben sich den Fragen der Journalistin Christine Dobretsberger gestellt. Spannend und zeitnah ist das Buch, das aus diesen Interviews entstanden ist. Die berühmten Künstlerinnen erzählen aus ihren Leben und ihrer Karriere.

Liebe - KraftDie meisten Gespräche hat Christine Dobretsberger in den letzten anderthalb Jahren geführt. Allein fünf Interviews stammen aus 2015. Aktueller geht es kaum bei einem Buch. Zehn berühmte Persönlichkeiten aus Schauspiel und Oper kommen zu Wort. Jeden Beitrag hat die Autorin mit einem für ihre jeweilige Interview-Partnerin treffenden Satz getitelt. Es geht um die Karriere und das Älterwerden.

“Ich muss Stimmungen selbst durchwandern”
Genau genommen ist sie auch noch Schriftstellerin: Erika Pluhar.
Das Schreiben im knappen Ausdruck bezeichnet die Künstlerin als “eine Art Lebensübung”, denn “Inmitten dieser Reizüberflutung das Substanzielle im Leben zu entdecken wird immer schwieriger.” Sie hat gelernt mit aufdringlichen Menschen und Presseleuten umzugehen: “Voyeurismus gibt es ja nur, wenn man zusperrt.” Ergo öffnet sich die Pluhar der Öffentlichkeit, aber nur in dem Maß, wie sie es bestimmt. Sie erzählt offen über ihre Magersucht in jungen Jahren. Erika Pluhar sagt heute: “Jugend ist keine Frage des Alters – wenn schon, dann ein geistiges Prinzip”.

“Singen ist ein Ausdruck von Lust”
Hilde Zadek war eine gefeierte Sopranistin und Gesangspädagogin. Ihr Anspruch an Künstler ist es, “allroundgebildete Menschen” zu sein. Noch während ihrer aktiven Sänger-Karriere begann sie am Konservatorium der Stadt Wien zu unterrichten. Hilde Zadek ist Jahrgang 1917, aber immer noch kommen versierte Sänger zu ihr, um von ihr zu lernen. Trotz ihrer wahrhaft harten Erlebnisse – sie wanderte 1935 nach Palästina aus, weil sie Jüdin war – sagt sie: “Aber ich wusste, dass ich eine Sängerin werden muss.”

“Ich wollte es immer besser als gut machen”
Mit diesem Satz überschreibt Christine Dobretsberger das Kapitel über Renate Holm. Sie war eine wirkliche Ausnahme-Sopranistin, sang die ‘Blondchen’-Arie aus Mozarts ‘Entführung aus dem Serail’ im Original bis zum ‘hohen e’.
Renate Holm präsentiert sich als überaus empathischer Mensch, Sensibilität ist für sie gleich mit der Seele.
Sie sang Schlager, drehte Filme, sang Operetten und Opern und stand auf der Bühne. Um all das zu schaffen, war eine ungeheure Disziplin notwendig. Ihre eiserne Disziplin habe sie wohl von ihrem Urgroßvater, dem Feldmarschall Karl von Bülow geerbt. Ihr Motto: “Höre nie auf anzufangen, fange nie an aufzuhören!”

“Was man liebt, gibt Kraft”
Christine Ostermayer hält sich mit ihrem Privatleben strikt zurück. Interviews gibt die Schauspielerin nur sehr selten. Sie sieht sich selbst als scheu und zurückhaltend. Schon mit sieben Jahren wirkte die sie beim Wiener Kindertheater mit, somit steht sie seit sechs Jahrzehnten auf der Bühne und vor der Kamera.

“Wir werden nie mehr so glücklich sein…”
Vielen deutschen Fernsehzuschauern ist Elfriede Ott als Resi Huber in Erinnerung. Resi Huber, die Schwester von Oswald Huber, verlobt mit dem unaussprechlichen Siegfried Hrdlicka. Klingelt’s? Richtig, das Telefon: ‘Hallo – Hotel Sacher…Portier!’ hieß eine Serie in den siebziger Jahren.
Oft wird die Ott als Komödiantin eingeordnet, aber Humor ist eine ernste Angelegenheit, bestätigt die Schauspielerin. Sie sieht es als Tatsche, “Dass die meisten Komiker keine lustigen Leute sind.” Das bezieht sie nicht nur auf sich, sondern auch auf Hans Moser oder auch Heinz Rühmann. Als Komödiant muss man Voll-Profi sein. Pointen verlangen Disziplin, berechnet bis zum Schluss. Eine enge Freundschaft hat Elfriede Ott immer mit Fritz Muliar verbunden.

“Das Singen frisst das Leben auf”
Für die Mezzo-Sopranistin Christa Ludwig war immer der Text entscheidend. Werke ohne guten Text interessierten sie einfach nicht. Und “Mezzosoprane stehen mit beiden Füßen am Boden. manchmal habe ich den Eindruck, je höher die Stimme, desto verrückter werden die Leute!” Zusammengearbeitet hat die Ludwig auch mit der Callas. Gefördert wurde sie vom Dirigenten Karl Böhm, der sie an die Wiener Staatsoper holte. gemeinsam mit seinem Sohn Karlheinz hatte sie Geburtstag. Von ihr stammt der Spruch: “Karajan macht Musik, Bernstein ist Musik.”

“Einsam fühle ich mich nie”…
sagt die Schauspielerin Leni Mangold. Ihre Autobiographie titelte sie ‘Lassen Sie mich in Ruhe’. Ruhe ist für die Mangold Lebens-Elixier, um Kraft zu schöpfen. Eine Lieblingsrolle für sie heute wäre der ‘Puck’ aus Shakespeares ‘Sommernachtstraum’. 20 Jahre war sie mit dem Schauspieler Heinz Reincke verheiratet.

“Älter werden ist etwas wunderbares”
Spätestens seit dem Fernsehfilm ‘Life is Life – Die Spätzünder’ ist den Fernsehzuschauern Bibiana Zeller ein Begriff. Aber die meisten kennen sie schon aus der österreichischen Krimi-Serie ‘Kottan ermittelt‘. Hier spielt sie 18 Folgen lang Ilse, die Ehefrau des Kommissars. Bibiana Zeller ist nicht der Typ, der sich an der Bühne oder im harten Filmgeschäft nach vorne kämpft. “Ich lasse die Aufgaben lieber auf mich zukommen.” Eine dieser Aufgaben brachte sie dann an die Seite von Joachim Fuchsberger. “Er war ein unglaublich gescheiter und liebesfähiger Mensch…” Älter werden ist für Bibiana Zeller keine Schande, sie liebt das “Hier und Jetzt”, ist “im Augenblick verankert”.

“Krieg ist nie eine Lösung”
Elisabeth Orth liebte immer die direkte Sprache, der österreichische Charme unterlag. Die Tochter von Pauly Wessely und Attila Hörbiger ist nicht nur Doyenne des Wiener Burgtheaters sondern auch Präsidentin der ‘Aktion gegen Antisemitismus in Österreich’. Da ihr Mann Hanns Obonya früh gestorben ist, zog sie ihren Sohn Cornelius Obonya so gut wie alleine auf. Weil sie nicht sofort mit ihren berühmten Eltern gleichgesetzt werden wollte, wählte sie den Geburtsnamen ihrer Mutter als Künstlernamen.

“Hollywood war meine mutigste Entscheidung”
Senta Berger darf im Reigen der Bühnen-Berühmtheiten selbstverständlich nicht fehlen. Mit der ihr eigenen Liebenswürdigkeit berichtet die Schauspielerin aus ihrem Leben und von ihrer Arbeit. Ein Rezept für ihr ausgesprochen gutes Familienleben hat sie nicht, doch wer ihr begegnet ist, erahnt es.

Das Buch erweist sich als ein spannender Exkurs in die letzten sechzig Jahre Bühnen- und Filmgeschichte in Österreich und Deutschland, voll bisher unbekannter Details.

Text: Ruth Hoffmann

Cover mit freundlicher Genehmigung der Styria Verlagsgruppe.

Informationen: www.styria.at

Christine Dobretsberger: “Was ich liebe, gibt mir Kraft” – Bühnenstars aus Oper und Theater erzählen
styria premium, Hardcover mit SU , 176 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
26,90 Euro
ISBN: 978-3-222-13517-0

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