Barockmusik auf schlichten Brettern

Zum Programm des Shakespeare Festivals im Neusser ‚Globe‘ gehört traditionell ein Konzert im thematischen Zusammenhang mit dem Werk des Dichters. In diesem Jahr gastierte das Brüsseler Ensemble ‚Scherzi Musicali‘ mit zwei sogenannten Semi-Opern des englischen Barock-Komponisten Henry Purcell.

‚Die Feen-Königin‘ und ‚Der Sturm‘ sind die beiden Purcell-Opern betitelt, die auf Motiven Shakespeares aufsetzen und am Ende seines Jahrhunderts entstanden. Allerdings steht die minutiös konstruierte und gleichförmig getaktete Präzision der für ein adliges Publikum gedachten Kunstmusik in einem deutlichen Kontrast zu Shakespeares Bühnenstücken, die sich an ein breiteres Publikum wenden.

Dem Leiter des Ensembles, Nicolas Achten, bescheinigen Experten, dass er die Kunst des sich selbst begleitenden Sängers als einer der ersten wieder in der Kunstmusik etabliert hat. er selbst ist Jahrgang 1985, und auch die übrigen Mitglieder der ‚Scherzi Musicali‘ sind recht jung.

Mit großer Spielfreude bringen sie während ihres Konzertes die lebensfrohen Aromen der Musik heraus, die sich aufgrund ihrer beschränkten Rhythmik und Dynamik für heutige Hörgewohnheiten nicht leicht vermitteln. Ob ein tosender Sturm oder ein Feentanz – barocke Violinen und Generalbass malen es in den gleichen zarten Klangfarben.

Das kleine Theater mit seiner schlichten Ausstattung bringt Musiker und Publikum nahe zusammen. Auf großen Bühnen verliert barocke Kammermusik sich leicht im Raum. Vielleicht wäre das Verständnis noch größer gewesen, wenn es zu den musikalischen ‚Sets‘ jeweils ein paar erläuternde Worte gegeben hätte – zumal die Texte der Purcell’schen Arien beim Hören kaum verständlich sind.

Das Publikum im Neusser ‚Globe‘ hat das Konzert mit begeistertem Applaus quittiert.

Text: Jan-Peder Lödorfer

Photo mit freundlicher Genehmigung von Pro Classics, © Christoph Krey

Informationen: www.shakespeare-festival.de

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