Krisen als Motor
der Kulturen

Tourismus-Veranstalter geben sich meist große Mühe, unsere Vorurteile über bestimmte Länder und Völker zu verstärken, soweit sie positiv sind. Frankreich ist für Gourmets, Italien für Chic, Skandinavien für Naturerlebnis. In Thailand wird weise gelächelt, Afrika ist heiß und wild, in Südamerika tanzen die Alligatoren im Karneval.

Doch der Nahe Osten ist mit Klischees nicht so richtig zu fassen. Denn dass es sich bei den Krisengebieten Osttürkei, Syrien, Irak und Iran um das selbe Stück Erde handelt, wo auch die Märchen aus Tausendundeiner Nacht spielen, und wiederum drittens um die Orte, an denen die erste Kultur der Welt entstand, von der uns schriftliche Zeugnisse erhalten sind, ein Kulturkreis, auf den viertens auch unsere religiösen Mythen und Heiligen Schriften zurückgehen – das alles zusammen ergibt ein so schillerndes und gegensätzliches Bild, dass es jede Verallgemeinerung sprengt.

Im Kernland, das seit der Zeit Alexanders des Großen ‚Mesopotamien‘ heißt – ‚Land zwischen den Flüssen‘ (Euphrat und Tigris) haben die Menschen vor rund 10.000 Jahren erstmals angefangen, Nahrungspflanzen anzubauen, statt die Früchte nur einzusammeln, und Tiere zu züchten und zu hüten, statt sie nur als Wild zu erjagen.

Vor 5.000 Jahren dann entstanden dort auch die ersten Gemeinwesen, die mit Hilfe der Schrift ein verbindliches System von Gesetzen fixierten und so die Voraussetzung für organisierte Arbeitsteilung und weitreichenden Handel schufen.

Es gibt viele Bücher, die sich mit der Kulturgeschichte und Archäologie Mesopotamiens beschäftigen. Es gibt auch eine Menge Literatur zum Thema Naher Osten und zu den komplexen Verhältnissen dieser Region. Den schwierigen Spagat, beides gleichzeitig zu beschreiben, haben wenige unternommen. Der Journalist Wolfgang Korn (Jg. 1958) hat es mit seinem neuen Bildband versucht: ‚Mesopotamien‘ trägt den Untertitel: ‚Wiege der Zivilisation und aktueller Krisenherd‘.

Auch in diesem Buch erfährt man das Wichtigste über die Ergebnisse der  vorderasiatischen Archäologie, wer die Sumerer, Hethiter, Assyrer und Babylonier waren, die weltgeschichtlichen Ereignisse unter der Herrschaft der Griechen, Römer und Perser. Er geht aber auch weiter uns kommt zu Fragen wie der nach der besonderen Virulenz von Hass und Gewalt mit religiöser Motivation.

Es endet mit einem spekulativen Ausblick auf die Entwicklunin den Jahren bis 2017, eine Phase, die mit dem Abzug der US-Truppen aus Irak Ende 2011 begonnen hat. Der Autor zeichnet zwei verschiedene Szenarien: ein eher düsteres und ein positives.

Text: Jan-Peder Lödorfer

Cover© Theiss Verlag

Informationen: www.theiss.de

Wolfgang Korn: Mesopotamien; Wiege der Zivilisation und aktueller Krisenherd
Konrad Theiss Verlag, Berlin
176 Seiten mit 120 meist farbigen Bildern und 3 Karten
Format ca. 22 x 29cm
39,95 Euro
ISBN 9783806225358

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