Aristoteles lässt grüßen

Auf die Geburtsstadt des wohl berühmtesten Philosophen, Aristoteles, sind wir eher zufällig gestoßen. Das antike Stagira liegt nicht gerade auf den Strecken, die von Griechenland-Touristen besonders häufig befahren werden. Die Halbinsel Halkidiki im Nordosten Griechenlands, auf der Landkarte sofort erkennbar, weil sie wie eine dreifingrige Hand oder Bärentatze aussieht, ist touristisch sehr unterschiedlich erschlossen: auf dem westlichen Finger gibt es viele Hotels und Badestrände. Der östliche Finger ist tabu: er gehört den orthodoxen Mönchen der Athos-Klöster.

Der Ort Olympiada liegt nur rund 500 Meter unterhalb der antiken Stadt Stagira.

Die Ruinen von Stagira findet man an der östlichen Küste der ‚Handfläche‘ dicht bei dem Ort Olympiada, der auch einige kleine Hotels und Restaurants anzubieten hat. Olympiada liegt an einer flachen Badebucht; die antike Stadt war auf den Hügeln einer kleinen Halbinsel errichtet.

Es gibt auch einen heutigen Ort Namens Stagira, der etwa acht Kilometer weiter südlich liegt und einige ‚Aristoteles-Kultstätten‘ aufweist, darunter auch einen Park mit Installationen, die Ideen des großen Philosophen illustrieren. Doch dieses Bergdorf, so sehr es sich auch auf Aristoteles beruft, ist nicht der echte Geburtsort.

Antike Säulenhalle an der Stirnseite des Marktplatzes*

Der liegt weiter nördlich. Die Ausgrabungen dort begannen 1990 und haben bemerkenswerte Überreste zutage gefördert. Zum Beispiel finden sich Teile eines Systems von Wasserleitungen! Wenn man bedenkt, dass fließendes Wasser im Haus selbst bei uns vor hundert Jahren noch keine Selbstverständlichkeit war, dann begreift man erst, welche Kultur sich hier vor fast zweieinhalb Jahrtausenden entwickelt hatte.

Aristoteles blickt auf seine Heimatstadt.

Mehrere archäologische Schnitte durch das Gelände brachten spannende Befunde. Es gibt Grundmauern etlicher Häuser, dazwischen gepflasterte Straßen, außen herum weitläufige Verteidigungsanlagen mit Türmen und Bastionen, von denen man weit auf die See hinausblickt. Auf dem höchsten Punkt liegt die befestigte Zitadelle (Akropolis). Beeindruckend ist die teilweise wieder aufgebaute Stoa, die Markthalle des Städtchens.

Vom Marktplatz in Richtung Süden führt die antike Ladenstraße. In halb unterirdischen ehemaligen Vorratsräumen erkennt man ein großes, kreisrundes, schüsselförmiges Becken und große Tonkrüge, die heute in den Boden eingesunken sind. Man kann sich lebhaft vorstellen, wie hier mit Lebensmitteln wie Getreide, Früchten und Öl gehandelt wurde.

Von der Stadtmauer blickt man weit aufs Meer.

Stagira wurde im Jahr 349 vom Makedonen-König Philipp belagert und zerstört. Sechs Jahre später engagierte der König Aristoteles als Erzieher für seinen Kronprinzen Alexander, der später ‚der Große‘ genannt werden sollte. Dann ließ er Stagira wieder aufbauen; wie es hieß, Aristoteles zuliebe. Außer antiken Strukturen findet man auf der Ausgrabung auch Reste aus der byzantinischen Zeit.

Jan-Peder Lödorfer (Text)

Griechische Tourismusagentur (Photos)
repor-tal (*Pinhole-Photo)

 

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