Freiheit für
Feiertage!

Das Problem ist im Grunde fast so alt wie die Welt. Der Schöpfer ruhte am 7. Tag, und das halten nur die Juden bis heute so. Denn ein christliches Konzil beschloss schon in der Antike, stattdessen den ersten Tag der Woche zu feiern, offiziell anlässlich der Auferstehung Christi. Bei den Muslimen ist der Freitag dem Gebet geweiht. Es folgten einige Kalender-Reformen, die mancher Herren Länder zu unterschiedlichen Zeiten mitmachten oder auch nicht.

Im 20. Jahrhundert beschloss dann noch irgendein Gremium, dass die Woche in der EU mit dem Montag anfangen soll. (Eigentlich müsste man dann ja auch den Donnerstag als ‚Mittwoch‘ bezeichnen, aber so weit wollten die Reformer dann doch nicht gehen.) Bei alledem grenzt es an ein Wunder, dass wir uns weltweit immer noch darüber einig sind, welchen Wochentag wir haben.

Anzahl und Datum gesetzlicher Feiertage sind allein schon zwischen den Bundesländern verschieden, ganz zu schweigen von der EU. Und jetzt hat der Zentralrat der Muslime zwei weitere gefordert, deren Datum sich nach dem islamischen Kalender richten soll. Die Forderung ist im Prinzip berechtigt; denn der Staat soll Religionen nicht diskriminieren. Ebenso berechtigt wären dann allerdings auch alle anderen Religionen, für ihre Feiertage den Segen des Gesetzgebers zu fordern, etwa Juden, Hindus oder Buddhisten. Und da gesetzliche Feiertage ja nicht nur religiös, sondern auch politisch oder rein kalendarisch begründet sein können, wie etwa der 1. Mai als Feiertag der Arbeiterbewegung oder der 1. Januar als Neujahrstag, könnten die Feministinnen, die Umweltschützer, die Vegetarier jeweils ihre eigenen gesetzlichen Feiertage fordern.

„Na, das kommt ja wohl auch auf die Anzahl derjenigen an, die dahinterstehen“, höre ich da von allen Seiten. Die Freiheit der Religion oder politischen Überzeugung ist aber keine Frage der Mehr- oder Minderheit.

Ich schlage deshalb vor, dass sich jeder Bundesbürger – und möglichst jeder EU-Bürger – seine gesetzlichen Feiertage selbst aussuchen soll. Jeder sollte das Recht haben, die gleiche Zahl von Feiertagen übers Jahr zu verteilen, sagen wir ein Dutzend. Arbeitnehmer reichen die Liste vor dem Jahreswechsel bei ihrem Arbeitgeber ein, Selbständige teilen sie ihren Geschäftspartnern mit.

So könnte jeder selbst entscheiden, ob er Ostern und Weihnachten feiern will, nach gregorianischem oder julianischem Datum, oder statt dessen das Opferfest und das Ende des Ramadan, oder Pessach und Chanuka, den Weltfrauentag am 8. März, Buddhas Geburtstag am 8. April oder Goethes am 28. August, den Christopher Street Day oder John Lennons Tod am 8. Dezember – fröhliche und besinnliche Tage ganz nach eigenem Gusto.

Auch rein pragmatische Entscheidungen wären möglich: Fußballfans könnten sich für wichtige Entscheidungsspiele frei machen, Wagner-Verehrer für die Bayreuther Festspiele.

Sogar Werwölfe könnten sich einfach jeden Vollmond zu hause einschließen und müssten sich nicht mehr unter irgendeinem Vorwand krank schreiben lassen. Wahrhaftig – jeder sollte endlich das Recht haben, sich seine gesetzlichen Feiertage selbst auszusuchen!

Schorsch Bonks 

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