Ende mit Paukenschlag

Am 17. März endeten die Internationalen Tanzwochen mit einem großartigen Beispiel für die Lebendigkeit der ostasiatischen Tanzkultur: Aus New York brachte das Hong Kong Ballet sein Programm erstmals in Neuss auf die Bühne und und überzeugte mit Perfektion und Phantasie des Ausdrucks.

Hongkong Ballet / Shenren Chang, Photo Conrad Dy-Liacco

Schon das erste Stück bezauberte das Publikum in der Neusser Stadthalle, Shenren Chang oder Harmony Between God and Men. Zart und zurückhaltend untermalt die gleichnamige alte Musik von Wen Zi den Tanz, gespielt auf dem Ginqin, einer chinesischen Zither.
Shenren Chang beschwört die Welt der asiatischen Gottheiten, die sich der arbeitenden Menschheit präsentieren und eine Harmonie in das triste eintönige Leben der Menschen bringen. Durch die Verbindung von Gottheit und Mensch wird letzterer sozusagen erhöht, auf eine andere Ebene transformiert und schafft somit ein anderes Bewusstsein.

Der Geheiligte Faden, Sacred Thread, hingegen bringt ganz andere Assoziationen, besonders hervorgehoben durch die Musik von John Adams. Seine zeitgenössischen Kompositionen zusammen mit der Choreographie von Edward Liang erinnert stellenweise an Szenen aus amerikanischen Filmen der 50er Jahre. Rosetten-artige Choreographien vor blau illuminierter Wand erinnern an das legendäre Wasserballett von Esther Williams (1921 – 2013). Spannungsgeladene Auseinandersetzungen zwischen den Tänzern gehen in Harmonie über und driften wieder auseinander. Ein Bild wie die Jets gegen die Sharks, Tony und Maria aus der West Side Story, Romeo und Julia auf amerikanisch. Immer wieder schön und herzergreifend – und so auch der Tanz des Hong Kong Ballet.

Zum Abschluss zeigt die Choreographie des Finnen Jorma Elo Shape of Glow (Gestalt der Glut) die ganze emotionale Entfaltung der Kompositionen von Mozart und Beethoven. Sechzehn Tänzer zeigen, was Perfektion, Harmonie und freie Interpretation der westlich-klassischen Musik alles enthalten können. Was nicht bedeutet, dass sie im Tutu und in Schwanentanz-Manier über die Bühne gleiten, sondern durchaus eigenwillige moderne Ballett-Elemente einbauen und somit Wolfgang Amadeus und Ludwig neu interpretieren. Den beiden eigenwilligen Komponisten hätte es gewiss gefallen!

Ein berauschender Abschluss der Internationalen Tanzwochen dieser Saison, der mit Spannung die nächste Spielzeit erwarten läßt.

Text: Ruth Hoffmann

Photos mit freundlicher Genehmigung von Pro Classics

Informationen: www.tanzwochen.de

 

Print Friendly, PDF & Email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sind Sie ein Mensch? *