Happy Birthday, Will!

Die Budapester Truppe HOPPart avanciert eine  moderne Interpretation des 'Coriolanus'.  © Daniel Borovi
Die Budapester Truppe HOPPart avanciert eine moderne Interpretation des ‚Coriolanus‘.
© Daniel Borovi

Die Stadt Neuss veranstaltet 2014 nicht nur ihr 24. Shakespeare Festival, sondert feiert mit einem besonders hochkarätigen Programm den 450. Geburtstag des ebenso genialen wie geheimnisvollen Dichters und Dramatikers. Vom 19. Juni bis zum 19. Juli präsentieren sich europäische Größen der Shakespeare-Szene. Gleich mit drei Stücken wartet die ‚bremer shakespeare company‘ auf.

Für ihre Interpretation des Stückes Richard III. erhielten die Bremer 2013 den Monica Bleibtreu Preis.
Für ihre Interpretation des Stückes Richard III. erhielten die Bremer 2013
den Monica Bleibtreu Preis. © Marianne Menke

Die Bremer geben auch gleich den Auftakt. Extra für Shakespeares Geburtstag haben sie ein eigenes Stück schreiben lassen: ‚All’s Will that ends Will‘, eine Show, in der die prototypischen Charaktere Shakespeares alle zusammen auftauchen – eine Revue mit hohem Unterhaltungswert. Außerdem stehen die Bremer mit dem selten gespielten Spätwerk ‚Pericles, Fürst von Tyrus‘ und mit ‚Richard III.‘ auf den Brettern des Neusser Globe, letzteres als Drei-Stunden-Drama.

​Markus Seuß (l.) und Erik Roßbander von der 'bremer shakespeare company' agieren souverän - auch als 'Puppenspieler'.
​Markus Seuß (l.) und Erik Roßbander von der ‚bremer shakespeare company‘ agieren souverän –
auch als ‚Puppenspieler‘. © Marianne Menke

Der Neusser Kulturreferent Dr. Rainer Wiertz, der auch der künstlerische Leiter des Festivals ist, nennt den ‚Pericles‘ einen der vielen Glücksfälle des diesjährigen Festivals: Der Stoff dreht sich um ein Märchen, in dem die Einheit von Raum und Zeit aufgehoben ist. Die Bremer haben sich deshalb einfallen lassen, neben den vier Schauspielern auch drei nahezu lebensgroße Puppen agieren zu lassen, ähnlich dem traditionellen japanischen Bunraku.

Wie immer steuern auch die Gastgeber ein Stück zum Programm des Festivals bei: Das Rheinische Landestheater gibt diesmal den ‚Sturm‘, auch dies eines der biographisch letzten Stücke Shakespeares.

Katharina Thalbach liest 'über' Shakespeare.
Katharina Thalbach liest ‚über‘ Shakespeare.

Zu den Highlights des Geburtstags-Festivals gehört bestimmt die Lesung ‚Wie Er uns gefällt‘. Katharina Thalbach liest Gedichte an und auf Shakespeare: vier Jahrhunderten spiegeln den Klassiker in Versen seiner Kollegen. Katharina Thalbach hat selbst als Regisseurin mehrfach Shakespeare inszeniert und bereitet sich eigens für diese einzige Lesung vor.

Stefan Temmingh und Dorothee Mields © Harald Hoffmann
Stefan Temmingh und Dorothee Mields © Harald Hoffmann

Auch die musikalischen Darbietungen sind in diesem Jahr außergewöhnlich. Einen Abend gestaltet der Blockflötenstar Stefan Temmingh zusammen mit der Sopranistin Dorothee Mields und ‚The Gentleman’s Band‘ mit „wunderbarer alter Musik“, wie Wiertz schwärmt.

Caroll Vanwelden präsentiert mit ihrer Band ‚Shakespeare in Jazz‘. Es ist schon die zweite – neue – Vertonung von zwölf Shakespeare-Sonetten, die Vanwelden im Globe aufführt.

Witz gepaart mit ausgezeichneter Schauspielkunst: die Propeller Company © Dominic Clemence
Witz gepaart mit ausgezeichneter Schauspielkunst: die Propeller Company © Dominic Clemence

Auch die Inszenierungen der ausländischen Companys sind vielversprechend. Da wäre zunächst die Propeller Company aus dem britischen Canterbury. Hier spielen ausschließlich Männer mit und übernehmen sämtlich Parts – auch die weiblichen! Die Produktionen der Briten versprechen immer viel Witz. Sie kommen 2014 nach Neuss mit ‚A Midsummer Night’s Dream‘ und der ‚Comedy of Errors‘. „Ein Puck im Sommernachtstraum, so agil und präsent wie nie zuvor“, sagt Rainer Wiertz. „Und Die ‚Comedy of Errors‘ ist aus Großbritannien zurzeit das Beste und Avancierteste, was zu bekommen ist.“

Der ungarische 'Coriolanus' spielt in der heutigen Zeit. © Daniel Borovi
Der ungarische ‚Coriolanus‘ spielt in der heutigen Zeit. © Daniel Borovi

Zu den sehr selten gespielten Stücken Shakespeares gehört (neben dem ‚Pericles‘) auch ‚Coriolanus‘, auf ungarisch ‚Korijolánusz‘, denn gespielt wird es von der Budapester HOPPart. „Dem Regisseur ist etwas gelungen, was eigentlich nicht geht. Das Stück wurde zur Vorlage für die aktuelle Situation in Ungarn“, erklärt Kulturreferent Wiertz. Keine Angst vor dem Text: Handlungsablauf und Untertitel auf Deutsch werden während der Aufführung eingeblendet.

Die Madrilenen treten in klassischen Kostümen auf. © Juan Carlos Mora
Die Madrilenen treten in klassischen Kostümen auf.
© Juan Carlos Mora

Wer es aber lieber konventioneller mag, ist richtig bei den Spaniern: Die Fundación Siglo de Oro aus Madrid führt vor allem Werke von Lope de Vega auf, einem Shakespeare-Zeitgenossen, der unglaubliche 1.500 Stücke hinterlassen hat. Auf dem Programm stehen zwei, die Wiertz charakterisiert als „zwischen Boulevard und Vaudeville um 1600“. Am 13. Juli geben die Madrilenen die spanische Version von Henry VIII – schließlich war der ja mit einer Spanierin verheiratet: Katharina von Aragon. Die Vorstellung beginnt um 15 Uhr, damit niemand das Endspiel der Fußball-WM verpasst. zu jeder Aufführung in spanischer Sprache gibt es ein deutsches Handout; die Untertitel sind in Englisch.

Gustav Peter Wöhler liest aus den Tagebüchern Samuel Pepys. © Ida Zenna
Gustav Peter Wöhler liest aus den Tagebüchern Samuel Pepys. © Ida Zenna

Ein weiterer Zeitgenosse Shakespeare ist der englischen Tagebuch-Autor Samuel Pepys (1633 bis 1703). Von ihm stammt das berühmte Zitat „Das Theater unserer Zeit ist mies. Selten aber ist es so mies, wie wenn sie diesen elenden Shakespeare spielen.“ Die musikalische Lesung des Schauspielers Gustav Peter Wöhler mit der Berliner ‚Lautten Compagney‘ und der Sopranistin Melanie Hirsch verspricht ein vergnügliches Sittenbild der Shakespeare-Zeit.

Shakespeare-Spezialist Patrick Spottiswoode entführt auch dieses Jahr wieder in die Welt des Meisters.
Patrick Spottiswoode entführt in die Welt des Meisters. © Manuel Harlan

Wie immer ist auch Patrick Spottiswoode wieder dabei. Der Direktor des Educational Department beim Londoner Globe versteht es ganz besonders, Jugendliche für Shakespeare zu begeistern, sogar solche, die sich das selbst vorher gar nicht zugetraut hätten.

Den diesjährigen Abschluss bildet vom 17 bis 19. Juli die Shakespeare Company Berlin mit einer brandneuen Produktion von ‚Wie es euch gefällt‘.

Shakespeare-Festival 012
Brandneue Produktion der Shakespeare Company Berlin: Wie es euch gefällt © www.axellauer.de

Insgesamt bietet das Programm 17 verschiedene Veranstaltungen in 32 Aufführungen. Das wäre ohne die Freunde des Globe und ihre Spenden nicht möglich, denn es gibt kaum Subventionen für die Veranstaltungsreihe.

Die Karten für das Festival sind heiß begehrt und schnell ausverkauft. Das Neusser Event wird immer beliebter, nicht zuletzt auch wegen des reizenden, improvisierten Umfelds am Rand der Neusser Pferderennbahn. Im vergangen Jahr waren die Vorstellungen zu 96 Prozent ausgelastet. Mehr als 15.000 Festival-Begeisterte kamen nach Neuss aus der gesamten Republik. Der Startschuss für den Vorverkauf fällt am 5. April 2014.

Text: Ruth Hoffmann

Informationen und Vorverkauf: www.shakespeare-festival.de

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