Die alte Schlacht in neuer Sicht

'Feldzeichen zu Friedenszeichen' - der Schauplatz hat auch eine politische Dimension
‚Feldzeichen zu Friedenszeichen‘ – der Schauplatz hat auch eine politische Dimension

„Varus-Schlacht? Kennen wir: Als die Römer frech geworden…“ Kaum eine militärische Entscheidung der Antike ist in Deutschland so bekannt wie die Schlacht, die laut dem römischen Historiker Tacitus am ‚Salus Teutoburgensis‘ stattfand. Der Anführer der siegreichen Germanen, der römische Ex-Offizier Arminius, wurde zum deutschen Nationalhelden stilisiert. Und damit sein monumentales Standbild an der ‚richtigen‘ Stelle stand, hat man sogar einen kompletten Gebirgszug in ‚Teutoburger Wald‘ umgetauft. Gegen diesen massiven Schwindel anzukämpfen, hat es die Ausstellung in Kalkriese nicht leicht. Aber sie ist dafür um so spannender.

Es lohnt sich, genau hinzuschauen
Es lohnt sich, genau hinzuschauen

Natürlich ist es eine reizvolle Spekulation: Was wäre, wenn … im Jahr 9 n.Chr. der Coup des Verräters Arminius, die Legionen des römischen Befehlshabers Varus in eine Falle zu locken, gescheitert wäre? Würden wir heute eine romanische Sprache sprechen? Vielleicht. Bestimmt aber hätte uns rechts des Rheins die Zivilisation ein paar Jahrzehnte früher erreicht. Wie dem auch sei:

Knochenfunde zeugen von einem brutalen Gemetzel
Knochenfunde zeugen von einem brutalen Gemetzel

Arminius alias Hermann der Cherusker war kein ‚Deutscher‘ und erst recht kein Nationalheld, und der ‚Salus Teutoburgensis‘ war nicht der Höhenzug, der heute ‚Teutoburger Wald‘ heißt. Denn der archäologische Befund ist eindeutig: Im Örtchen Kalkriese bei Bramsche im Osnabrücker Land liegt das im Boden, was vom Heerwurm der römischen Legionäre übrig geblieben ist. Und das ist nicht wenig.

Es kommt aber nicht auf die Menge der Bodenfunde an, auch wenn die eiserne Gesichtsmaske eines römischen Offiziers sicher ein eindrucksvolles Stück ist. Kalkriese ist denn auch kein reines Vitrinen- und Schautafel-Museum – obwohl es auch davon genug interessante Beispiele bietet. Entscheidend ist, was die Forscher durch akribische Untersuchungen und Geländeschnitte klar herausgefunden haben: Wie ist die Schlacht abgelaufen?

Nachbau der germanischen Wall-Konstruktion
Nachbau der germanischen Wall-Konstruktion

Architektur und Gestaltung des Museums erlauben es, diese Erkenntnisse anschaulich nachzuvollziehen. Ein hoher Aussichtsturm bietet einen Überblick über das Gelände. Auf einem Rundweg kann man die Anlage dann mit allen Sinnen erfahren. So bleibt im Gedächtnis mehr haften als nur abstrakte Worte und Bilder.

Im Gegensatz zu früheren Darstellungen des historischen Ereignisses Varus-Schlacht versucht das Museum in Kalkriese, den Besuchern kein vorgefasstes Bild, keine ideologische Wertung zu vermitteln. Sein Konzept lautet: die Arbeit der Spurensucher verstehen, die eigene Phantasie anzuregen, sich selbst ein Bild machen.

Der großformatige, rund 250 Seiten starke und reich illustrierte Katalog eignet sich ausgezeichnet, um die Eindrücke zu vertiefen und die Spuren weiter zu verfolgen.

Text: Jan-Peder Lödorfer

Photos & Video: © repor-tal

Informationen: www.kalkriese-varusschlacht.de

Adresse: Museum und Park Kalkriese, Venner Str. 69, 49565 Bramsche-Kalkriese

Telefon: 05486 / 9204-0

Öffnungszeiten: April bis Oktober täglich 10-18 Uhr / November bis März Dienstag bis Sonntag 10-17 Uhr (mo. geschlossen); Heiligabend und Silvester geschlossen, Weihnachten und Neujahr geöffnet

Eintritt: 7,50 Euro, Familienkarte (2 Erw. 2 Ki.) 16,- Euro

Im Angebot sind regelmäßige Führungen zu unterschiedlichen Schwerpunkten und viele Sonderveranstaltungen.

Katalog: ‚Varus-Schlacht Im Osnabrücker Land‘
Verlag Philipp von Zabern, 12,95 Euro, ISBN 978-3-8053-3949-0

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