Schorsch im Schilderwald

Wer auf unseren Stadt- und Landstraßen oder Autobahnen auf alle Schilder achten will, hat kaum noch Augen für etwas anderes. Wer ständig nachhalten will, ob gerade ein Tempolimit gilt, und wenn ja welches, je nach Uhrzeit und Witterung, darf während der Fahrt über nichts anderes nachdenken. (Auf niederländischen Landstraßen genügt übrigens ein kurzer Blick auf die weißen Pfosten, die den rechten Fahrbahnrand markieren. Da steht das Tempolimit drauf. Aber solche sinnfälligen Ideen sind bei uns anscheinend nicht realisierbar.)

Als Nachbar Schmitz unlängst seine Hausfassade anstreichen wollte, beantragte er die amtliche Erlaubnis, am Straßenrand ein Gerüst aufzustellen. Die Verwaltung beschied ihn, dann müsse er zu beiden Seiten seines Hauses auf dem Gehweg je ein Schild aufstellen: ‚Fußgänger bitte andere Straßenseite benutzen‘, des weiteren auf der Straße für beide Fahrtrichtungen jeweils ein Schild ‚Achtung Baustelle‘, ‚Tempo 30‘ sowie entsprechend ‚Ende der Geschwindigkeitsbeschränkung‘, ‚Fahrbahnverengung von rechts‘ beziehungsweise ‚-links‘ nebst den beiden Schildern, die regeln, welche Fahrtrichtung zuerst durch den Engpass darf  und schließlich ‚Haltverbot Anfang‘ und ‚-Ende‘ für die gegenüberliegende Straßenseite. Das sind insgesamt 14 Schilder, wenn ich keins vergessen habe.

Ach doch, ja: Vermutlich gehörte auch noch für jede Fahrtrichtung das Schild ‚Schleudergefahr‘ dazu; denn es könnte ja sein, dass Farbe auf die Straße kleckert.

Nachbar Schmitz hat, glaube ich, auf die Fassadenrenovierung bis auf weiteres verzichtet. Er muss wohl zunächst überlegen, wie er den Schilderwald finanziert.

Schorsch Bonks

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