Shakespeare Light aus Berlin

Roslinde (Kim Pfeiffer) fürchtet sich vor dem bissigen Hund (Nico Selbach) an der Kette von Herzog Frederick (Vera Kreyer), während der zweite Hund (Daniel Schröder) brav auf Celia (Yvonne Johna) hört. (v.l.n.r.) © Christoph Krey

Shakespeare-Stücke stecken voller Liebe, Leidenschaft, Tod und Kampf. Für den Zuschauer heute ist nicht immer einfach zu entschlüsseln, wer gerade mit wem oder gegen wen ist. Die Shakespeare Company Berlin erleichtert den Einstieg in die Welt des Klassikers mit der Komödie ‚Wie es euch gefällt!‘, indem sie spielt ‚Wie es uns gefällt!‘.

Während Herzog Frederick (Vera Kreyer, 2.v.r.) seine Hofstaat tyrannisiert,....
Während Herzog Frederick (Vera Kreyer, 2.v.r.) seine Hofstaat tyrannisiert,….
© Christoph Krey

Eingangs rappt der aufmüpfige Held Orlando seinen Protest gegen die Unterdrückung durch seinen älteren Bruder zu selbstgezupften E-Bass-Riffs. Die Handlung folgt in groben Zügen dem Original. Der Text hat nicht mehr viel damit zu tun. Die Berliner lassen nicht viel Fleisch an Shakespeares Knochen, auch wenn Daniel Schröder als ‚Ringer Charles‘ eine Passage sogar im O-Ton Englisch rezitiert. Doch Nico Selbach führt sie als ‚Oliver‘ ad absurdum, indem er in einem deutsch verballhornten ‚Denglisch‘ antwortet.

...lebt der verbannte Herzog (Nico Selbach, 3.v.l.) mit seinen treuen Anhängern im Wald.
…lebt der verbannte Herzog (Nico Selbach, 3.v.l.) mit seinen
treuen Anhängern im Wald. © Christoph Krey

Geschickt nutzen die Kostümbildnerin Gabriele Kortmann und die Maske von Tamara Zenn Nico Selbachs Typ-Ähnlichkeit mit der Komiker-Ikone Otto Waalkes, sowohl in der Rolle des Narren ‚Taffstein‘ – im Original ‚Touchstone‘ – und als ‚Herzog in Verbannung‘. Und Selbach versteht es auch, die Mimik des Ostfriesen zu zitieren. Schröder und Selbach geben überhaupt alles, sogar als Hunde des Thronräubers ‚Herzog Frederick‘.

Die Inszenierung der Berliner hat Witz. Irritierend wird es nur, wenn der Text auch noch durch Original-Zitate anderer Shakespeare-Stücke durchbrochen wird. Vera Kreyer in der Rolle des Jaques schließt ihren Monolog mit dem Hamlet-Zitat „Der Rest ist Schweigen“ – eine Plattitüde. 

Doch am Schluss bekommen sie sich alle: Phoebe (Vera Kreyer) und Silvius (Daniel Schröder), Rosalinde (Kim Pfeiffer) und Orlando (Laurens Walter) und Oliver (Nico Selbach) und Celia (Yvonne Johna). (v.l.n.r.) © Christoph Krey
Doch am Schluss bekommen sie sich alle: Phoebe (Vera Kreyer) und Silvius (Daniel Schröder), Rosalinde (Kim Pfeiffer) und Orlando (Laurens Walter) und Oliver (Nico Selbach) und Celia (Yvonne Johna). (v.l.n.r.) © Christoph Krey

Gekonnt dagegen die musikalischen Elemente (Toni P. Schmitt), die das Spiel einerseits brechen, aber auch vorwärts treiben. Gitarre, Bass und Ukulele kommen zwischendurch zum Einsatz. Daniel Schröder, Nico Selbach und Laurens Walter sind musikalisch versiert; das Ensemble glänzt auch als Vokal-Sextett.
Aber auch die Frauen machen jeweils gleich mehrere gute Figuren: Kim Pfeiffer spielt Rosalinde als sich selbst korrigierenden Ganymed, der immer wieder charmant über seine eigene Verstelung stolpert. Yvonne Johna changiert geschickt zwischen Celia und Audrey. Vera Kreyer schlüpft überzeugend in die Rollen des Herzogs Frederick und des Jaques, dann wieder die kokette Phoebe.

Dem Publikum gefällt es, wenn die Schauspieler durch Parkett und Ränge fegen, hier und da Zettel oder Äpfel verteilen. Wie im Kasperle-Theater machen die Zuschauer dann auch im Chor mit, wenn sie aufgefordert werden. Die Inszenierung der Berliner Shakespeare Company unter Leitung von Christian Leonard macht einfach Spaß. Sie ist ‚Shakespeare für Einsteiger‘, oder ‚Shakespraere Light‘.

Christian Leonhard © repor-tal
Christian Leonard © repor-tal

Übrigens ist die Berliner Shakespeare Company ein echtes Kind des Neusser Shakespeare-Festivals. Regisseur Leonard verriet es am Rand: „Genau vor 15 Jahren, nach einem Besuch des Festivals in Neuss, habe ich die Berliner Company ins Leben gerufen.“

‚Wie es euch gefällt‘ ist in Neuss noch am 18. und 19 Juli jeweils um 20 Uhr im Globe an der Rennbahn zu sehen. Im September läuft das Stück dann wieder im Naturpark Berlin-Schöneberg.

Text: Ruth Hoffmann

Photos mit freundlicher Genehmigung von Pro Classics

Informationen: www.shakespearefsetival.de, www.shakespeare-company.de

 

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