Perlen aus Klang,
inspirierter Gesang

Die Solisten und das Barock-Ensemble: Axel Wolf, Dorothee Mields, Stefan Temmingh, Margret Köll und Domen Marinčič (v.l.n.r.) © Christine Schneider
Die Solisten und das Barock-Ensemble: Axel Wolf, Dorothee Mields, Stefan Temmingh, Rolf Lislevand, Margret Köll und Domen Marinčič (v.l.n.r.) © Christine Schneider

Würden Sie Ihr Kinderzimmer mit barocken Stilmöbeln ausstatten? Wohl eher nicht. Ebenso fein gedrechselt und kostbar ist das beliebteste Blasinstrument jener Epoche, die Blockflöte. Dennoch gibt man sie seit zwei, drei Generationen den Kindern in die Hand, und das hat der Blockflöte landläufig den Ruf eines Spielzeug-Instrumentes eingebracht. Das Gegenteil beweist Stefan Temmingh. Er schafft es mit der Blockflöte ein ganzes Konzert von Singvögeln erklingen zu lassen oder einen munteren Bach klanglich ins Bild zu rücken.

Stefan Temmingh
Stefan Temmingh
© Harald Hoffmann

Der Südafrikaner Stefan Temmingh gehört zu der Handvoll Spitzenmusikern, die beweisen, welches Potential die Blockflöte hat. Mit seinem Barock-Ensemble ‚The Gentleman’s Band‘ und der auf Barock spezialisierten deutschen Sopranistin Dorothee Mields hat Temmingh einen Strauß Lieder und Tänze des 17. Jahrhunderts aufgenommen.

Darunter sind so bekannte Klassiker wie ‚Greensleeves‘ und John Dowlands ‚Flow My Tears‘, aber auch weniger bekannte Stücke englischer und niederländischer Komponisten. Es handelt sich durchweg um kunstvolle, barocke Bearbeitungen traditioneller Volkslieder und Tänze – daher der Titel ‚Inspired by Song‘ – von denen die meisten auf dieser CD weltweit erstmals aufgenommen wurden.

Dorothee Mields
Dorothee Mields
© Annelies van der Vegt

Prägend für die Lieder dieser Sammlung ist die außerordentlich klare, präzise und dabei weiche Stimme von Dorothee Mields. Zu ihren Glanzstücken auf dieser CD gehört das berühmte Klagelied aus Henry Purcells Oper ‚Dido and Aeneas‘. Neben den neun verschiedenen Flöten Temminghs erklingen unter anderem ein barockes Cembalo (Wiebke Weidanz), eine dreizeilige Harfe (Margret Köll), Gambe und Cello (Domen Marinčič) und diverse Lauten und Gitarren (Rolf Lislevand und Axel Wolf).

Temmingh hat sich zur Aufgabe gemacht, die virtuelle Schranke zwischen sogenannter Hochkultur und dem breiten Publikum aufzuweichen. „Ähnlich wie im Barock besteht auch heute das Risiko, dass sich die Hochkultur von der Gesellschaft abkapselt“, schreibt er zu dieser CD. „Die Hochkultur ist nämlich kein musealer Besuch im Schloss, sondern eine Feier, bei der es um die Freude am Leben geht und zu der jeder eingeladen ist.“

Temmingh  009Der Flötenstar erinnert sich gern an den Tag, als ihm seine Lehrerin erstmals erlaubte, das virtuose Solostück ‚Engels Nachtegaeltje‘ von Jacob van Eyck (ca. 1590 – 1657) zu spielen. Es verzaubert ihn noch immer, und wer die Aufnahme hört, wird in den Zauber einbezogen.

Tipp: Temmingh, Mields und ‚The Gentleman’s Band‘ sind am 9. Juli um 20 Uhr beim Shakespeare-Festival in Neuss zu hören. Das sollte man sich nicht entgehen lassen.

Text: Jan-Peder Lödorfer

Cover mit freundlicher Genehmigung der Sony Music Entertainment Germany GmbH
Photos mit freundlicher Genehmigung von Pro Classics

Dorothee Mields / Stefan Temmingh / The Gentleman’s Band: Inspired by Song
dhm (Sony) CD 88843044582 Länge 58’01

Informationen: www.inspiredbysong.de, shakespeare-festival.de

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