Flötentöne aus der Eiszeit

© repor-tal 2019
Der Hohle Fels in der Schwäbischen Alb – vermutlich einer der ältesten Konzertsäle der Welt

Der Klimawandel ist das Konflikt-Thema der Saison. Im Zusammenhang damit ist es interessant zu wissen, dass Menschen schon in der frühesten Zeit gezwungen waren, sich wandelnden Klima-Bedingungen anzupassen. Ist es nicht faszinierend, dass sie selbst bei den extremen Temperaturen der Eiszeit noch Gelegenheit fanden, Musik zu machen?

Vor rund 40.000 Jahren lag fast ganz Europa unter einer Eisdecke. Die Menschen schafften es dennoch, ihr Überleben zu sichern. Die klirrend kalten Winder verbachten sie in Höhlen, in denen meist eine gleichbleibende Temperatur oberhalb des Gefrierpunktes herrschte oder zu erreichen war. 

Solche Höhlen sind recht zahlreich in der Schwäbischen Alb. In zweien von ihnen, genannt ‚Hohle Fels‘ und ‚Geissenklösterle‘, beide in der Nähe des Städtchens Blaubeuren, haben Archäologen sensationelle Funde gemacht: unter anderem drei Flöten, davon zwei aus hohlen Vogelknochen und eine aus Mammut-Elfenbein.

Diese drei Flöten sind zwar beeindruckend gut erhalten für ihr Alter, aber dennoch beschädigt. Die Flötenbauer Wulf Hein und Friedrich Seeberger griffen für ihre Rekonstruktion auf eine besser erhaltene prähistorische Flöte zurück, die in Isturitz in den französischen Pyrenäen gefunden wurde. Sie ist etwa 30.000 Jahre alt.

Die Rekonstruktionen machen es möglich, die Flöten wieder zum Klingen zu bringen. Die Virtuosin Anna Friederike Potengowski hat zusammen mit dem Percussionisten Georg Wieland Wagner eine CD aufgenommen, die einen Eindruck davon vermitteln kann, über welche musikalischen Möglichkeiten die Menschen schon vor 40.000 Jahren verfügten.

Die Produktion wurde gefördert vom European Musical Archaeology Projekt (EMAP) – ein Beispiel gemeinsamer europäischer Forschung zur Kulturgeschichte, das vermutlich den Brexit nicht überleben wird.

Die gleichen Flöten sowie diverse klangerzeugende Mittel – angefangen von Kieselsteinen – benutzen die beiden Musiker Christoph Haas und Gabriele Dalferth mit dem Ensemble Banda Maracatú auf ihrer CD ‚Vision‘. Sie orientieren sich an diversen Musiktraditionen vor allem aus Afrika und Asien.

Text: Jan-Peder Lödorfer
Photos: repor-tal
CD-Cover mit freundlicher Genehmigung der Verlage

Informationen: 
www.emaproject.eu
delphianrecords.co.uk
www.bandamaracatu.de
www.e.tuneup-folk.de

Print Friendly, PDF & Email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sind Sie ein Mensch? *

Diese Seite kann Cookies verwenden, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Mit der weiteren Verwendung stimmen Sie dem zu. Datenschutzerklärung