Rhein-Romantik an der Maas

2014-07-03 um 11-29-27Steile Felsen, von einer Burgruine gekrönt – das ist Rhein-Romantik. Dass auch die Niederlande so etwas zu bieten haben, klingt erstaunlich, ist aber wahr: Ganz weit im Süden, zwischen den Großstädten Maastricht und Aachen, liegt das malerische Städtchen Valkenburg am Fuß eines Felsens, der von einer  einer gleichnamigen Burgruine gekrönt ist.

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Der ehemalige Rittersaal lässt vergangene Größe ahnen.

Der Süden der niederländischen Provinz Limburg ist nahezu ganz umschlossen von Belgien und Deutschland. Im Gegensatz zum übrigen Gebiet der Niederlande ist diese Gegend hügelig, im Fall von Valkenburg sogar ausgesprochen steil. Kein Wunder also, dass Adligen der Gegend seit dem Jahr 1050 immer dabei waren, diesen Platz zu bebauen, auszubauen und zu befestigen, und zwar genau bis zum 10. September 1672.

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Das Modell gibt einen Eindruck von der intakten Burg

An diesem Tag nämlich ließ der Statthalter des (spanischen) Königs, Wilhelm III, die Burg in die Luft sprengen – und das, obwohl sie ihm selbst gehörte! Er befürchtete nämlich, sie könnte von den Franzosen unter Ludwig XIV eingenommen und als strategische Basis genutzt werden.

Was danach von der Burg übrig war, wurde viele Jahre lang von den Valkenburgern als Baumaterial für Häuser und Kirchen benutzt. Die Stiftung, der die Burg seit 1924 gehört, beziffert den Ersatzbeschaffungswert des Baumaterials Mergel auf rund 700 Euro pro Kubikmeter. Und so ist erklärt, warum sie sich eine Restaurierung nicht leisten kann.

Der heilige Georg aus Blech dreht sich auf der Spitze der Ruine
Der heilige Georg aus Blech dreht sich auf der Spitze der Ruine

Was ein Glück ist; denn als Besucher hat man so eine echte, romantische Ruine mit schönem Blick über das Städtchen, also etwas erfreulich Spannenderes als die typischen, Ende des 19. Jahrhunderts mit mehr oder weniger Phantasie nachempfundenen Rekonstruktionen, die sich hierzulande oft als mittelalterlich ausgeben und mit allerhand Antiquitäten und Kitsch als ‚Heimatmuseum‘ ausstaffiert sind.

Nur die Kapelle, die bei der Sprengung nicht restlos in Trümmer gegangen war,  wurde im Jahr 1923 teilweise restauriert. Wie die Burg ursprünglich aussah, kann man einem kleinen Modell entnehmen, das an einer erhaltenen Wand des Hauptraums (‚Rittersaal‘) aufgebaut ist.

Eine der Attraktionen der Ruine ist der ‚Königinblick‘, die Stelle, von der aus ihre Majestät, Königin Wilhelmina im Jahr 1998 die Ruine und den für niederländische Verhältnisse beeindruckenden Blick in die Schlucht des Flüsschens Geul bewundert hatte.

Steile Felsen - ein ungewohnter Blick in den Niederlanden
Steile Felsen – ein ungewohnter Blick in den Niederlanden

Am Eingang des Geländes gibt es ein Restaurant mit einer geräumigen Terrasse. Der nächste Parkplatz ist am Daalhemerweg zu Füßen des Burghügels. Das Stadtzentrum selbst ist nur einen halben Kilometer entfernt und wimmelt von Restaurants, die an Wochenenden und bei schönem Wetter auch gut besucht sind.

Viele Attraktionen Valkenburgs liegen unterirdisch
Viele Attraktionen Valkenburgs liegen unterirdisch

Eine Reihe weiterer Attraktionen lockt touristische Gäste, viele davon im Untergrund des Städtchens. Darunter eine ‚Samtgrotte‘ (‚Fluwelengrot‘) in der Nähe der Burg und ein ‚Römisches Katakomben-Museum‘. Allerlei Events stehen im Lauf des Jahres auf dem Programm. An Halloween zum Beispiel macht sich die örtliche ‚Hexengilde‘ bemerkbar. Um die Weihnachtszeit platzt Valkenburg aan de Geul aus allen Nähten.

Text: Jan-Peder Lödorfer

Photos: © repor-tal

Informationen: www.valkenburg.nl/de

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