Uhlen, Apen, Brunnen, Löwen

Braunschweiger Dom: Ostchor mit Deckengemälden und Bronzeleuchter

Die Stadt Braunschweig, so erfährt man überall, verdankt ihre Karriere dem hochadeligen Geschlecht der Welfen, allen voran einem Heinrich, dessen Beiname ‚der Löwe‘ seinerzeit noch als Ehrentitel galt; denn der Löwe stand damals noch nicht auf der ‚Roten Liste‘ der bedrohten Arten.

Heute erinnert an Herzog Heinrich ein gewaltiger Bronzelöwe auf dem Braunschweiger Burgplatz. Von Zeit zu Zeit wird er zum Zirkuslöwen, nämlich dann, wenn rund um ihn herum eine Tribüne für das jährliche ‚Open Air‘ aufgebaut wird. 2018 wird dort Georges Bizets bekannte Oper ‚Carmen‘ zu Füßen des Löwen aufgeführt. Premiere ist am 18. August.

Im Wechsel gedrehte Säulen

Der Löwe auf dem Burgplatz ist streng genommen nur ein Platzhalter. Sein echtes Vorbild ist inzwischen Wetter- und Graffiti-geschützt in der benachbarten Burg Dankwarderode untergekommen, die mit dem gegenüber liegenden Braunschweigischen Landesmuseum und dem Dom zum dreieckigen Ensemble der historischen Bildungsstätten des Platzes gehört.

Der Dom Sankt Blasii ist auch Mausoleum der Familie Welf und beherbergt unter anderem einen imposanten siebenarmigen Leuchter von dem baumförmigen Typ, der traditionell auf den Tempel in Jerusalem zurück geht. Architektonisch reizvoll ist eine Reihe spiralförmig gedrehter Säulen zwischen Mittel- und nördlichem Seitenschiff.

Heinrich hat seine Gattin seltsamerweise zu seiner Linken, dazwischen das Schwert, wie bei Tristan in der Sage.

Der Platz mit Burg, Dom, Rathaus etc. ist aber verblüffender Weise nicht das Herz der Braunschweiger Altstadt aus der Hansezeit: Deren Rathaus, Gewandhaus und weitere gotische Gebäude säumen den Kohlmarkt und den Marienbrunnen, etwa zehn Minuten Fußweg vom Löwen entfernt.

Wer es nicht so eilig hat, sollte ein paar Umwege in Kauf nehmen, um weitere Attraktionen Braunschweigs zu bewundern, darunter alte und neue Brunnenfiguren, etwa den berühmten Eulenspiegel, der einige seiner Streiche der Sage nach in Braunschweig verübt hat. Daran erinnert auch ein traditionelles Gebäck, das man heute noch bekommt, wenn man die richtige Bäckerei aufsucht: Die ‚Uhlen un Apen‘, hochdeutsch meist mit ‚Eulen und Meerkatzen‘ übersetzt. Frisch halten sie sich am besten im Kühlschrank.

Die Braunschweiger Innenstadt wird umflossen von dem Flüsschen Oker im Osten und von einem Wassergraben auf der Westseite, der auch noch erhalten ist. Außerhalb dieser historischen Annäherungshindernisse liegen heute ein paar Parkanlagen: Löbbeckes Insel und der Botanische Garten im Norden und der Bürgerpark im Süden, um nur einige zu nennen.

Frischgebackene Eule und Meerkatze (oben)

Ein guter Startpunkt für Erkundungen in Braunschweig ist übrigens die Tourist-Information an der Straße ‚Kleine Burg‘. Leider ist es ein bisschen schwierig, sie zu finden, weil es kaum Hinweise gibt. Doch die Braunschweiger sind freundlich und weisen Fremden gern den Weg, wie auch wir erleben durften.

Text: Jan-Peder Lödorfer

Photos © repor-tal

Informationen: www.braunschweig.de 

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