Von Drachen und Eidechsen

Als der englische Romantiker Lord Byron im 19. Jahrhundert den Ort ‚entdeckte‘, gab es hier nur eine Burgruine und wilde Natur. Seitdem der Gipfel nicht nur zu Fuß oder auf dem Rücken eines Esels, sondern mit einer Zahnradbahn erreichbar war, geriet die Natur allerdings ins Hintertreffen – obwohl die Umgebung zum Naturschutzgebiet erklärt wurde.

Knabbern auf der Kuppe

2011 bis 2013 fand dann der Umbau des Drachenfels-Plateaus statt. An einem Ort auf dem Gipfel eines Berges, für den es praktisch nur eine einzige Zuwegung gibt, müssen alle Abläufe minutiös in eine zeitliche Logik eingepasst werden. Hier war von Vorteil, dass Architekten und Landschaftsplaner bereits ein eingespieltes Team waren und auch bei diesem Projekt nur ein gemeinsam erarbeiteter Entwurf reibungslos umgesetzt werden konnte. Die Probleme: Die Anfahrt auf das Plateau verlief durch ein Naturschutzgebiet und war nur mit Lkw bis zu 24 Tonnen möglich, die Verhältnisse vor Ort waren äußerst beengt.

Die Abbrucharbeiten fanden in der Winterzeit 2010 statt, um Störungen der Tierwelt zu minimieren. Stück für Stück knabberten die Bagger vorsichtig die Gebäudeteile ab, um so wenig Staub wie möglich aufzuwirbeln, der sich dann auf die Flora und Fauna der Bergkuppe abgesetzt hätte. 20.000 Tonnen Material wurden bewegt, immer wieder wurde mit Wasser benetzt, um den Staub zu binden. Teile des Abbruchmaterials dienten als Fundament für den Neubau.

Ammern können nicht schlafen

Zaun-Ammer © Paco Gómez CC

Der BUND hatte übrigens erfolgreich gegen einen Glaskubus geklagt, ein zentrales Element des neuen Gebäudes: Er stelle eine Gefahr für die Vögel der Region dar. Zipp-Ammer und Zaun-Ammer, seltene Vögel in NRW, brüten in dem FFH-Gebiet um den Drachenfels. Sie würden nachts von der Helligkeit gestört und tagsüber durch die die Landschaft reflektierenden Scheiben in den sicheren Tod getrieben. Es wurde zwar ein vom Max-Planck-Institut für Ornithologie zertifiziertes Glas verwandt, das Vogelschlag durch eine UV-Signatur in der Scheibe verhindern soll.

Zipp-Ammer © Martien Brand CC

Als zusätzliche Nachbesserung sind auf die Scheiben jetzt dünne anthrazitfarbene Querstreifen aufgebracht worden, die Vögeln eine Barriere signalisieren, die Aussicht der Restaurantgäste aber nicht behindern. Nachts gibt es auf der Anlage kein direktes Licht, das in die Umgebung leuchtet und Tiere stören könnte. Alle Leuchten sind mit Lamellen abgedeckt bzw. leuchten nach unten wie zum Beispiel auf der Unterkante der Geländer-Handläufe.

Mauer-Eidechse © H.Krisp CC

Noch weitere Maßnahmen zum Wohl der Tierwelt wurden im Zuge der Umbauarbeiten umgesetzt: Zum Schutz der Mauereidechse sind durch Abholzung einige Areale – unter anderem unterhalb der Brüstung des Plateaus – freigelegt und durch Schotter abgedeckt worden. Er vermeidet das Auswaschen und bietet ideale Aufenthaltsflächen für die Reptilien und Lebensraum für wärmeliebende Trockenflure. Der landschaftspflegerische Begleitplan, der erstellt wurde, sieht zudem die Erhaltung standorttypischer Gewächse vor und die Aufforstung einer Fläche im Siebengebirge mit standorttypischem Buchenwald. Auch ein Beitrag zum Umweltschutz: Auf dem Dach des Glaskubus ist eine Photovoltaik-Anlage installiert.

Text: AK

Photo ‚Drachenfels‘ © AK

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