Das kleine Arkadien am Niederrhein

Verwunschenes Idyll: Park der Stiftung Insel Hombroich

Verwunschenes Idyll: Park der Stiftung Insel Hombroich

Ein Millionär, verliebt in die Kunst und die Landschaft seiner niederrheinischen Heimat war Karl-Heinz Müller aus Düsseldorf (1936 bis 2007). Von 1982 an erwarb er allmählich ein weitläufiges Gelände am Unterlauf des Flüsschens Erft, das bei Neuss in den Rhein fließt. Auf 25 Hektar entstand ein Gesamtkunstwerk aus Natur, Architektur und Skulptur unter dem Motto ‚Kunst parallel zur Natur‘.

Schlicht und versteckt ruht Karl-Heinz Müller in seinem Arkadien.

Schlicht und versteckt ruht Karl-Heinz Müller in seinem Arkadien.

‚Insel Hombroich‘ – gesprochen mit langem O in der zweiten Silbe – heißt das Areal, weil es früher von Seitenarmen der Erft umflossen wurde. Karl-Heinz Müller hatte sein Geld nach dem Krieg als Grundstücksmakler gemacht. Das Gelände übereignete er im Jahr 1996 einer Stiftung. In seinem selbst geschaffenen Arkadien fand Müller auch seine Grabstätte.

Man betritt die Parklandschaft nur durch die Eingangshalle, wo man sein nicht gerade geringes Eintrittsgeld entrichtet. Eine lange Treppe führt hinunter, und dann erreicht man einen Ort der Ruhe und Besinnung, der Selbstfindung und Reflexion.

Immer neue Perspektiven bieten sich dem Betrachter.

Immer neue Perspektiven bieten sich dem Betrachter.

Die Welt der Insel Hombroich bietet einen raffinierten Wechsel von Perspektiven. Alle paar Schritte erschließen sich neue Ideenwelten: ein Steinkreis, ein architektonisch außergewöhnlicher Ausstellungsbau, Künstlerwerkstätten, ‚Eisenmenschen‘-Skulpturen, und dann wieder eine liebliche Blütenpracht, in Teiche eintauchende Zweige oder ein weiter Blick über das Gelände, dazwischen Insekten und Vögel und auch die Nutria, die Biberratte fühlt sich in dem gesicherten und ruhigen Umfeld sichtlich wohl.

Immer wieder wechselt der Besucher von der Umgebung der Flora und Fauna in die Welt der Kunst oder der Mythologie. Denn auch Artefakte aus dem fernen Osten und archäologische Funde spannen einen Bogen zwischen Natur und Kunst. Dazwischen lauschige Plätzchen zum Verweilen ein.

Die frühere Insel wird noch heute markiert durch eine rosa Villa, die wie eine kleine Wasserburg umgeben von Bäumen, verwunschen und märchenhaft anzusehen ist. Sie wurde 1816 erbaut; auch der Garten dazu angelegt. Der Landschaftsarchitekt Bernhard Korte gestaltete den verwilderten Park und die angrenzenden Ackerflächen neu. Aus Agrarflächen und Wildwuchs wurde eine Auenlandschaft, naturnah und dennoch wirkungsvoll inszeniert.

Der Bildhauer Erwin Heerich (1922 – 2004) entwarf zehn Gebäude, eigentlich eher begehbare Skulpturen, in denen die Sammlungen des Kunstfreundes Müller zu sehen sind. Die Präsentation wurde gestaltet von dem Maler Gotthard Graubner (1930 – 2013) in einer Wechselspannung von Artefakten aus zwei Jahrtausenden. Die Wirkung der gesamten Anlage entsteht also aus dem Zusammenklang von Natur, Architektur und Bildender Kunst.

Neben Werken von Heerich und Graubner sind Bilder und Kunstgegenstände von Anatol Herzfeld, Hans Arp, Alexander Calder, Lovis Corinth, Jean Fautrier, Yves Klein und Kurt Schwitters zu sehen. Die Sammlung Schwitters des Museums Insel Hombroich gehört zu den bedeutendsten neben der im Sprengel-Museum Hannover.

An manchen Sommer-Wochenenden finden in den einzigartigen architektonischen Strukturen musikalische Aufführungen, künstlerische Performances oder Klang-Ereignisse statt, die nur durch die optischen und akustischen Bedingungen in dieser weise realisierbar sind.

Absperrungen und Aufsicht gibt es kaum, weder auf den Außenflächen noch in den Ausstellungsräumen. Um dieses Idyll zu bewahren, werden die Besucher gebeten, sich an den Insel-Kodex zu halten, einige, eigentlich selbstverständliche Auflagen: Der Park ‚Insel Hombroich‘ ist ein beschaulicher Ort für Erwachsene; es gibt weder einen Spielplatz für Kinder noch einen Ort zum Frisbee- oder Federballspielen, Grillen oder Picknicken. Auch ein Besuch mit Hunden ist nicht empfehlenswert.

Text: Ruth Hoffmann

Photos mit freundlicher Genehmigung Stiftung Insel Hombroich, © repor-tal

Informationen: www.inselhombroich.de

Adresse: Minkel 2, 41472 Neuss

museum@inselhombroich.de

Telefon: 02182 / 887-40 00

Öffnungszeiten: April bis Oktober 10 bis 19 Uhr, November bis März 10 bis 17 Uhr (Die Cafeteria schließt jeweils eine Stunde früher.)

Eintritt: 15 Euro

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