Gesang und Tanz
zusammen entwickeln

Stellt euch vor, ihr seid ein großes Glas Rotwein. Und nun lasst ihr den Wein schön im Glas kreisen.“ Mit diesem Bild lässt Hilde Kuhlmann die Teilnehmer ihre Körper in Schwung bringen. „Jetzt lasst den Ton erklingen, der aus dem Wein aufsteigt.“ Dreißig Damen und Herren ab 50 lassen ihre Hüften in großen Kreisen schwingen und singen oder summen dabei in lauten, leisen, tiefen und hohen Tönen. Es ist Probe beim ‚TanzCHor‘.

TanzCHor, Milton Camilo, Hilde Kuhlmann, © repor-tal
Ein kreatives Team: Milton Camilo und Hilde Kuhlmann

Der TanzCHor ist ein einmaliges Projekt in Nordrhein-Westfalen. Die beiden Großbuchstaben in der Mitte stehen für Camilo und Hilde: Chorleiterin Hilde Kuhlmann (Jg. 1964) und Choreograph Milton Camilo da Silva (Jg. 1970) haben das Konzept entwickelt und leiten die Gruppe an. Camilo stammt aus Rio de Janeiro. Er arbeitet nicht nur als Choreograph, sondern auch als Maler, Tänzer und als Tanz- und Kunstpädagoge. Hilde ist Musikpädagogin und arbeitet unter anderem an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln.

TanzCHor, © repor-tal
Auf einmal bitte: tanzen und singen, aber harmonisch, beides!

Beim TanzCHor stehen Gesang und Tanz gleichberechtigt nebeneinander. Die Teilnehmer sind mit Begeisterung dabei. Doch was macht der TanzCHor anders als andere? „Bewegung zu Chormusik ist von Gospelchören und zunehmend auch von Popchören her bekannt“, erklärt Hilde. „Uns kommt es aber darauf an, von Anfang an Bewegung und Musik gemeinsam zu entwickeln, nicht die Choreographie nachträglich der Musik anzupassen.“ So kann einmal ein Lied am Anfang stehen, und das nächste Mal die Bewegung, zu der dann die passende Musik gesucht wird. Oder es wird ein Thema vorgegeben, und Musik und Bewegung werden zu diesem Begriff entwickelt. Ein kreativer, spannender Prozess, der alle auf immer neue Art herausfordert.

Genauso flexibel ist auch die Präsentation des TanzCHores. Mal singt der ganze Chor, mal nur einige Mitglieder. Mal tanzen die einen, und die anderen singen. Und dann wieder tanzen und singen alle zusammen. Den Variationen sind hier keine Grenzen gesetzt.

TanzCHor, © repor-tal
Wie fühlt es sich an, wenn man in anderer Position singt? Experimente

„Es ist auch spannend zu erleben, wie es sich zum Beispiel anfühlt, wenn ich ein Lied auf dem Boden sitzend oder liegend singe“, ergänzt Hilde Kuhlmann. „Oder wie verändert sich mein Gesang oder meine Bewegung, wenn ich mich anders kleide, also ein Kleid oder eine Hose trage oder auch einfach nur einen Hut aufsetze.“ Das sind Erfahrungen, die dem gesamten TanzCHor viel Spaß machen. Kaum einer verpasst eine Probe.

TanzCHor, © repor-tal
Wie tanzt man die Farbe Blau?

Momentan arbeitet der TanzCHor zum Thema ‚Farben‘. Sie tanzen und singen die Farbe Blau oder das tiefe dunkle Rot des Weins. „Aus vielen kleinen Arbeiten entsteht dann ein großes Ganzes“, erklärt der Brasilianer Camilo. „Unser TanzCHor ist viel freier in Bewegung und Tanz geworden als am Anfang.“ Man kennt sich und kennt keine Scheu untereinander. Das wäre etwas, was hier auf keinen Fall geht.

Doch für Hilde und Camilo gibt es eigentlich nur eine Voraussetzung: Neugier. Vortanzen oder Vorsingen muss niemand. Doch hat sich der TanzCHor inzwischen schon zu einem festen Gefüge entwickelt. Deshalb können in eine laufende Produktion keine neuen Mitglieder aufgenommen werden. „Aber die Neugier auf Unbekanntes ist das Wichtigste“, sagt Hilde, und Camilo ergänzt: „Und Mut, denn die Teilnehmer müssen oft auch Dinge ausprobieren, die sie vorher noch nie gemacht haben.“

TanzCHor, Milton Camilo, © repor-tal
Spaß haben sie viel miteinander.

Allen merkt man den Spaß an der Freude an, den TanzCHor-Leitern, aber auch den Beteiligten. Dabei wird aber auch ernsthaft geprobt, Konzentration ist gefragt und wird auch eingehalten. Es werden nicht nur einfach irgendwelche Bewegungen zur Musik ausgeübt oder frei Töne assoziiert, sondern auch konkrete Tanzschritte und Bewegungsabläufe eingeübt; Stimmbildung und Intonationsübungen stehen auf dem Programm. Ziel ist immer, eine sehenswerte Performance auf die Beine zu stellen.

Hilde zitiert Pina Bausch: „’Ich weiß nicht genau, warum der Gesang, die menschliche Stimme, so wichtig für mich ist. Sie trifft etwas Ähnliches wie der Tanz, ist so fragil, so verletzlich, so berührend oder so beruhigend. Ich liebe es, beide Zusammen zu bringen.’* Im TanzCHor kommen Menschen zusammen, die genau das Zusammenbringen von Gesang und Tanz wollen. Und lieben.“ – Kein Wunder, dass der TanzCHor sich in Wuppertal gefunden hat.

Text: Ruth Hoffmann

Photos: © repor-tal

Informationen: www.miltoncamilo.de

Ein Vortrag von Hilde Kuhlmann

Für Interessierte aus dem Bergischen Land: Die neue Performance ist zu sehen am 6. Juli, 16 Uhr, in der Volks­hochschule, Auer Schulstraße 20, und am 7. Juli , 18 Uhr in der Citykirche, Kirchplatz 2, beides in Wuppertal. Eintritt:12 Euro, ermäßigt 6 Euro. Interessenten für die Aufführung in der VHS sollten unbedingt Plätze reservieren unter 0202 / 563-26 07.

*Pina Bausch anlässlich der Verleihung des Musikpreises der Stadt Duisburg 2008.

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Kommentare 1

  • Wir werden Hundert und haben den halben Weg noch vor uns !!!!!

    Hallo,
    mir gefällt die elektronische Zeitung ‚fifty2go‘ ausserordentlich gut, sie spricht mich sehr an !!! Weiter so !!!
    Die Beiträge und Informationen sind in der Tat auf die Woodstock-Generation zugeschnitten. DANKE dafür …. und einen ganz besonderen Dank für den Bericht über unseren TanzCHor. Allein das Lesen und das Anschauen der Fotos zaubert mir schon ein Lächeln ins Gesicht.lles ist beeindruckend ge- und beschrieben !!
    Aber das Allergrößte ist: Ich bin sozusagen live dabei !! :-))
    Vielen lieben Dank Frau Hoffmann !!!! Ihre Meggie Klaßen

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