Auch die Scheunendisko
ist Kulturgeschichte

Cloppenburg 018 (1)
Fachwerk vom Feinsten

Niedersächsisches Freilichtmuseum – das klingt zunächst mal nicht so spannend. Doch im Museumsdorf Cloppenburg wird Geschichte lebendig, einschließlich unserer eigenen; denn eine Sonderschau unter dem Titel ‚Popmusik und Pillenknick‘ dreht sich um den Alltag der 1960er und 70er Jahre, also der Zeit als wir Fuffies jung waren.

Feine Giebelmalerei
Feine Giebelmalerei

Romantiker kommen hier ebenso auf ihre Kosten wie historisch und technisch Interessierte: Im Freilichtmuseum im niedersächsischen Cloppenburg kann man nachempfinden, wie unsere Vorfahren im norddeutschen Tiefland gelebt und gearbeitet haben. In der ‚Münchhausenscheune‘ ist noch bis Ende September 2012 die Ausstellung ‚Popmusik und Pillenknick zu sehen. Sie dreht sich um die Umbruchszeit auf dem Land in den 1960er und 1970er Jahren, als die sexuelle Aufklärung sich durchsetzte, Mofa, Ente und Ford Capri die Jugend mobil machte, Friedensbewegung und RAF-Terror, Drogen und Popmusik die Themen des Alltags beherrschten.

Bockmühle aus dem 17. Jahrhundert
Bockmühle aus dem 17. Jahrhundert

Es gibt eine Kirche, eine Schule, verschiedene Gehöfte und Katen, Werkstätten diverser Handwerker und – besonders eindrucksvoll – mehrere Windmühlen unterschiedlicher Bauart, an denen man die technische Entwicklung dieser Errungenschaft des hohen Mittelalters nachvollziehen kann.
Das Windrad funktioniert nur dann effektiv, wenn es genau im Wind steht. Also muss die Mühle drehbar sein. Folglich bauten man anfangs die Mühle auf ein massives Balkengerüst, den sogenannten Bock. Mittels eines riesigen, außen liegenden Hebels ließ sich die komplette Mühle samt dem Getriebe, der baumstammdicken Welle und dem Mahlwerk mit den schweren Mahlsteinen drehen.

Kokermühle
Kokermühle

Man kann sich vorstellen, dass ein windgetriebener Mechanismus aus Holz und Steinen, der in einem drehbaren Gehäuse steckt, mit seinem Gelärme und Gerumpel den Menschen zur damaligen Zeit nicht geheuer vorgekommen sein muss. Kein Wunder, dass es in vielen Märchen in der Mühle spukt.
Später dann kam man auf die Idee, das schwere Mahlwerk in ein festes Haus zu stellen, das in der Mitte einen Schacht hatte, in dem sich die Antriebswelle drehen konnte: den sogenannten Koker (Hochdeutsch: Köcher). Obenauf saß eine verkleinerte, drehbare Mühle, die nur noch das Getriebe enthielt. Da gab es also schon deutlich weniger Masse zu drehen.

Kappenmühle
Kappenmühle

Perfektioniert wurde das Prinzip dann in der Konstruktion der Kappenmühle; das ist der Typ, der noch heute am häufigsten zu sehen ist. Das stattliche, meist achteckige Mühlenhaus wird von einer drehbaren Kappe gekrönt. Meist kann man die Kappe mit einem Hebel an der Rückseite drehen. Der Müller geht dabei über einen umlaufenden Balkon.
Im Freilichtmuseum Cloppenburg sind alle Mühlentypen nicht nur von außen zu bewundern, sondern man kann die historische Technik auch von innen arbeiten sehen. Überhaupt sehen viele der Häuser so aus, als wären die Bewohner nur mal eben vor der Tür. Es gibt unter anderem eine Töpferei und eine Schmiede, in denen die Besucher ihre Fertigkeit auch selbst ausprobieren können.
Für Gruppen haben die Museumspädagogen eine Reihe von Erlebnis-Angeboten. Man kann zum Beispiel backen, blaufärben, Zinnlöffel gießen, Butter stampfen oder auf Platt die Dorfschulreife erwerben. Mehrmals im Jahr lädt das Freilichtmuseum zu besonderen Erlebnistagen ein, an denen viele alte Arbeitstechniken demonstriert werden, unter anderem auch die ernte auf den Feldern und Äckern. Außer den Baudenkmälern beherbergt das Freilichtmuseum auch einige alte Haustierrassen, die ansonsten vom Aussterben bedroht wären, zum Beispiel das bunte Bentheimer Schwein.


Auch Forschung gehört zu den Aufgaben des Freilichtmuseums. Ergebnisse werden immer wieder in Sonderausstellungen präsentiert, etwa zur Geschichte des norddeutschen Landadels oder auch zur Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts.

Jan-Peder Lödorfer (Text)
repor-tal (Photos)

Museumsdorf Cloppenburg – Niedersächsisches Freilichtmuseum, 49643 Cloppenburg
Telefon 04471 / 94 840
Geöffnet von März bis Oktober täglich 9 bis 18 Uhr,
November bis Februar 9 bis 16.30 Uhr
Information: www.museumsdorf.de

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