Drei Köpfe der Avantgarde

Den Namen Heinrich Campendonk haben manche Kunst-Interessierten schon mal gehört. Johan Thorn Prikker und Heinrich Nauen kennen wohl die wenigsten. Doch diese drei Künstler bilden eine Einheit, die in ihrem Schaffen durchaus zusammengehört. Das Clemens Sels Museum Neuss zeigt aktuell die Werke der Drei in einer großen Schau.

Johan Thorn Prikker, Lautenspielerin, 1914, Mosaik, Osthaus Museum Hagen, Foto: Nicolas Schönherr, Herscheid

Johan Thorn Prikker (1868-1932) war ursprünglich Niederländer. Seine Kunst brachte ihn aber an den Niederrhein nach Krefeld und nach Hagen in Westfalen. In Deutschland findet er Förderer, die seine Kunst hoch schätzen, während seine Werke in den Niederlanden als untypisch angesehen werden. Als revolutionär gelten seine Glasfenster in der Neusser Dreikönigskirche. Doch bevor die Fenster ihren Platz in der Kirche fanden, gab es zahlreiche Diskussionen darüber. Damals zählte Neuss zu den führenden Städten der Kunstszene an Rhein und Ruhr.

1905 wird der gebürtige Krefelder Heinrich Campendonk (1889-1957) Schüler Thorn Prikkers. In Krefeld lernten die beiden auch den ebenfalls von dort stammenden Heinrich Nauen (1880-1940) kennen und freundeten sich mit ihm an. Ihre Verbundenheit übertrug sich auch auf die Vermittlung von Kontakten zu bedeutenden Kollegen und Mäzenen. Dr. Uta Husmeier-Schirlitz, die Direktorin des Clemens Sels Museums: „Ihre Werke stehen exemplarisch für eine höchst umstrittene Moderne, die zwischen Symbolismus, Expressionismus und Abstraktion oszilliert.“.

Heinrich Nauen, Die Musik, 1914, Tempera auf Leinwand, Privatbesitz, Foto: Carsten Gliese, Köln

So fühlt sich der Betachter immer wieder an Werke von van Gogh, Chagall, Franz Marc oder Picasso erinnert. Ihrer Zeit entsprechend experimentieren die Künstler voll Kreativität mit allen Stilanregungen, die ihren begegnen, und entwickeln da heraus ihren eigenen Stil. Gleich im Foyer des Clemens Sels Museums empfangen die Besucher einen umfassenden Eindruck des Schaffens der drei Künstler mit charakteristischen Werken, die ihre Ambitionen widerspiegeln: zum Beispiel der Christuskopf von Johann Thorn Prikker aus dem Jahr 1913, der erstmals in dem Jahr auf der Weltausstellung in Gent gezeigt wurde.

Beeindruckend auch der Kirchenfenster-Saal im Museum, in dem die Glasfenster in dämmriger Atmosphäre mit Hintergrundbeleuchtung gezeigt werden.

Heinrich Campendonk, Zwei Akte, 1913, Gouache, Aquarell auf Papier, Clemens Sels Museum Neuss, Foto: Carsten Gliese, Köln © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Die Nähe der Werke von Johan Thorn Prikker und Heinrich Campendonk zu einander ist herausgearbeitet und dargestellt, in dem die streckenweise nicht zu unterscheidende Arbeitstechnik der Künstler nebeneinander steht.

Auch Heinrich Campendonks ‚Ausflug‘ zum Blauen Reiter nach Süddeutschland findet in der Schau eine exponierte Beleuchtung: eben die Nähe zu Franz Marc und August Macke.

Zu sehen ist die Ausstellung Ihrer Zeit Voraus. Heinrich Campendonk, Heinrich Nauen, Johann Thorn Prikker ab dem 18. November 2018 bis zum 10. März 2019. Sie umfasst rund 150 Werke der drei Künstler. Zwei Drittel stammen aus dem Bestand des Clemens Sels Museums.

Text: Ruth Hoffmann

Photos mit freundlicher Genehmigung von Pro Classics

Informationen: www.clemens-sels-museum-neuss.de

Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen:
Uta Husmeier-Schirlitz (Hrsg.): Ihrer Zeit Voraus. Heinrich Campendonk, Heinrich Nauen, Johann Thorn Prikker
Sandstein Verlag, 332 Seiten, broschiert, über 200 Abbildungen
29,95 Euro
ISBN 978-3-95498-433-6

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