Mauren für Manager

die-mauren-1-von-1Nach umfangreichen Arbeiten zu den Maya in Südamerika und den nordeuropäischen Völkern des frühen Mittelalters – Wikinger, Waräger und Franken – hat der Schweizer Albert Stähli jetzt ein schmales Büchlein über die Mauren vorgelegt. Das Thema ist brandaktuell. 

Der Autor, Albert Stähli, ist eigentlich kein Historiker, sondern er trainiert Manager. Es geht ihm denn auch nicht primär darum, eine (zu Unrecht ausgeblendete) Epoche der europäischen Geschichte zu vergegenwärtigen (was er trotzdem ausgezeichnet hinkriegt) sondern er zielt auf einen Lerneffekt ab.

Aber mal von Anfang an: Thema des Buches ist die Epoche der Mauren auf der Iberischen Halbinsel. Um zu begreifen, worum es geht, muss man sich zunächst mal klar machen, dass es sich überhaupt um eine Epoche handelt und nicht bloß um eine Episode der Geschichte. Wir reden über die Zeit zwischen den Jahren 711 und 1492 nach Christus – also grob gerechnet 28 Generationen.

Zum Vergleich: Die USA haben unlängst ihre 200-Jahr-Feier begangen. Seit Columbus sind gut 500 Jahre vergangen – dies nur um deutlich zu machen, dass die Frage, ob der Islam ein Teil der europäischen Kultur ist, gar nicht anders als mit ’na klar!‘ beantwortet werden kann. Oder will jemand behaupten, die europäische Kulturtradition sei kein Teil des amerikanischen Erbes?

Tatsache ist: Die gemeinsame jüdisch-christlich-muslimische Kultur, die sich im frühen Mittelalter auf dem Gebiet des heutigen Spanien und Portugal entfaltete, war die Brücke zwischen der Antike und der Renaissance. Ohne diese Brücke hätte Nordeuropa den Schlüssel zur abendländischen Kultur wohl kaum wiedergefunden. Unter der Herrschaft der muslimischen Araber und ihrer Nachkommen ist das Licht der antiken Philosophie durch das finstere Mittelalter getragen worden. Auch die Väter der christlichen Scholastik haben zunächst in Toledo gelernt.

Das war nur möglich, weil die Herrschenden – wenigstens überwiegend – die Prinzipien der Toleranz, Bildung und kulturellen Vielfalt hoch achteten. Das sei, so Stähli, auch die Voraussetzung für den wirtschaftlichen Erfolg der damaligen Staaten gewesen. Und daraus sollten heutige Manager seiner Ansicht nach die richtigen Konsequenzen ziehen.

Angesichts der aktuellen politischen Trends – nennen wir bloß die US-Wahl, den Aufstieg der EU-Gegner, die Bewegung der sogenannten ‚Identitären‘ – ist Stählis kleines FAZ-Buch ein Signal aus einer Richtung, die nicht im Verdacht steht, zum abgehobenen Establishment der bloßen ‚Political Correctness‘ zu gehören.

Text: Jan-Peder Lödorfer
Cover mit freundlicher Genehmigung des Verlages

Informationen: www.fazbuch.de

Albert Stähli: Die Mauren. Meister der Toleranz, Vielfalt und Bildung.
Frankfurter Allgemeine Buch, 2016Verlag, 198 Seiten
19,90 Euro
ISBN 978-3-95601-153-5

Einkaufen bei Amazon.de

Print Friendly, PDF & Email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.