Die Schau über Ideenklau

Der Design-Professor Rido Busse hat den Kampf gegen den geistigen Diebstahl seit 1977 mit den Mitteln seiner Zunft aufgenommen: Wo juristische Maßnahmen nicht mehr hinreichen (zum Beispiel weil deutsches oder EU-Recht in den Staaten der Nachahmer nicht gelten) da soll der Ideenklau öffentlich bloßgestellt werden.

Christine Lacroix vom Museum Plagiarius in Solingen mit der Trophäe

Dazu wurde der Negativpreis ‚Plagiarius‘ gestiftet, der seitdem jährlich verliehen wird. Die originelle ‚Trophäe‘ ist ein schwarzer Gartenzwerg mit einer goldenen Nase.

Zahlreiche Beispiele für Originale und Fälschungen sind in der ständigen Ausstellung des Museums Plagiarius in Solingen zu sehen. Die Ausstellung ist nicht nur spannend für Design-Interessierte, sondern aufschlussreich für alle Konsumenten, auch für Kinder. Denn es gibt fast nichts, was nicht nachgemacht oder sogar gefälscht wird. Fälscher und Nachahmer klauen ja nicht nur die Ideen und sparen dadurch die Investitionen für die Entwicklung, sondern sie sparen auch an Material, Verarbeitung und Qualitätskontrolle. Gefälschte Spielsachen, Kosmetika, Lebensmittel und sogar Medikamente sind nach den Erfahrungen der Behörden und Verbraucherschützer oft mit Schadstoffen verunreinigt.

1. Preis Plagiarius 2011: Original (oben) und Nachahmung, beide aus Schwaben*

Viele der Täter-Unternehmen sind in Südostasien, China, Lateinamerika oder Osteuropa ansässig, doch auch deutsche und EU-Firmen sind immer wieder unter den Plagiatoren. So ging der diesjährige 1.Preis des Plagiarius an eine Firma für eine Werkbank, die bis ins Detail vom Original abgekupfert war. Beide Hersteller, Original und Imitat, sind im Schwäbischen ansässig.

Das Solinger Museum zeigt mehr als dreihundert Beispiele, jeweils Original und Nachahmung, vom Schlüsselanhänger bis zum Motorrad, vom Kinderroller bis zur Designertasche. Bei einem Gang durch die Ausstellung wird einem aber auch klar: Nicht nur der Fälscher oder Ideenklauer macht sich schuldig – auch der Kunde ist häufig in den schrägen Deal verwickelt. Denn wer im Internet oder im Urlaub spottbillige Designer-Klamotten, Parfums oder Markenuhren kauft, weiß durchaus, dass er nicht die echte Qualität erwirbt, sondern nur auf billige Weise den Neid seiner Mitmenschen erregt.

Jan-Peder Lödorfer (Text)

repor-tal (Fotos)

Aktion Plagiarius e.V. (Foto*)

Adresse: Museum Plagiarius, Bahnhofstraße 11, 42651 Solingen
Telefon: 02 12 / 2 21 07 31
Information: www.plagiarius.com
Öffnungszeiten: Di – So. 10 – 17 Uhr
Eintrittspreise: Erwachsene € 3,00, Kinder bis 10 Jahre frei
Ermäßigungen gibt es u.a. für Gruppen.

 

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