Die verborgene Sprache der Seele

Martha Graham / Dark Meadow, Foto Brigid Pierce

Martha Graham hat das klassische Ballett revolutioniert und mehr als eine Generation moderner Choreographen beeinflußt. Die Martha Graham Dance Company, die aus ihrer Schule für zeitgenössischen Tanz hervorging, wurde weltberühmt und ist jetzt zum zweiten Mal bei den Internationalen Tanzwochen in Neuss zu Gast.

„Tanz ist die verborgene Sprache der Seele,“ sagte Martha Graham. Als sie 1991 im Alter von 97 starb, war sie längst eine Ikone des Modern Dance, die Kenner zu den führenden Künstlergrößen des 20. Jahrhunderts rechnen, gleichauf mit Persönlichkeiten wie Pablo Picasso, Igor Strawinsky und James Joyce. 

„Ich möchte nicht verstanden, sondern gefühlt werden“, lautete ihr künstlerischer Anspruch, den sie spätestens seit 1926 – als sie in Manhattan die Martha Graham School of Contemporary Dance gründete – mit aller Konsequenz in die Tat umsetzte. 

Dank einer gelungen Kooperation mit dem Holland Dance Festival und der Oper Bonn bringt die legendäre New Yorker Compagnie Geschichte und Gegenwart auf die Bühne der Stadthalle Neuss. Unter dem Motto Martha Graham begegnet Sidi Larbi Cherkaoui beginnt der Abend am Samstag, den 17. Februar, um 20 Uhr mit der Dark Meadow Suite, den Highlights aus einer umfangreicheren Arbeit von Martha Graham. Rituale aus Mexiko und den südwestlichen US-Staaten haben sie zu diesem Werk inspiriert, dessen Originalmusik der bekannte mexikanische Komponist Carlos Chávez (1899-1978) geschrieben hat. 

„In Dark Meadow wiederholen sich die Mysterien, die am Abenteuer der ewigen Suche teilnehmen.“ so Martha Graham. Eine abstrakte Reise durch das Leben, die Suche nach einer Beziehung zum eigenen Selbst und zur Gemeinschaft – das ist der Inhalt dieser Tanzsuite, der sich das kurze Ekstasis, aus dem Jahr 1933 anschließt, das die künstlerische Leiterin der Martha Graham School rekonstruiert hat, Virginie Mécène. 

Ein Zeitsprung führt zu einem brandneuen Stück des Choreographen: Mosaic ist von den Energien und der Sinnlichkeit des Nahen Ostens angeregt: „Seit meiner Kindheit bin ich der Ästhetik des Orients ausgesetzt, von der Kalligraphie bis zur Architektur, und vor allem das Mosaik hat mir immer eine Faszination gegeben. Ein kleines, mathematisch sich wiederholendes Muster führt zwangsläufig zu einem fertigen Werk, das ganz anders ist als die Einzelteile und viel größer als die Summe derselben“, erklärt der Künstler. 

Der Abend endet mit dem sensationellen Chronicle, Martha Grahams Antwort auf die damals äußerst aktuelle Bedrohung durch den europäischen Faschismus. Sie weigerte sich, an den Olympischen Spielen von 1936 teilzunehmen, „weil ich mich nicht mit dem Regime, das solche Dinge möglich gemacht hat, identifizieren möchte. Darüber hinaus wären einige Mitglieder meiner Compagnie in Deutschland nicht willkommen“. Statt dessen schuf Martha Graham ihr Chronicle …  

Text: repor-tal / Pro Classics

Photos mit freundlicher Genehmigung von Pro Classics, © Martha Graham Dance Company / Brigid Pierce (Photo)

Informationen: www.tanzwochen.de

Termin: 17. Februar 2018, 20 Uhr

Ort: Stadthalle Neuss, Selikumer Str. 25, 41460 Neuss

Karten-Hotline: 02131 / 52 69 99 99

Eintritt: ab 27,40 Euro

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