Ein wachsames Auge
auf die Landschaft

Das Modell ‚Landschaftswächter‘ als Ehrenamt kann als Prototyp für eine Reihe von Aufgaben stehen, die von bezahlten Mitarbeitern des öffentlichen Dienstes nicht mehr ausgeübt werden können, nicht zuletzt, weil der Staat kein Geld hat. Beate Petersen und Christoph Klementa sind Landschaftswächter in Wuppertal. Sie haben ihre eigenen Bezirke, die kaum unterschiedlicher sein könnten: Beate Petersens Bezirk ist stark mit Industrie und Gewerbe belastet. Der Bezirk von Christoph Klementa umfasst einen Großteil Naturschutzgebiet und gehört zum Naherholungsareal der umliegenden Städte. Doch mit Umweltsünden haben  beide zu kämpfen.

Dienstausweis und -Marke

Landschaftswächter sind ordentlich von der Behörde bestellt und können sich Bürgern gegenüber mit Dienstausweis und -Marke legitimieren. Ihre Aufgaben und Kompetenzen regelt das nordrhein-westfälische Landschaftsgesetz. Sie sollen bei ihren Streifzügen vor allem ein Auge auf Veränderungen haben. Steht zum Beispiel ein Schuppen an einer Stelle, wo vorher nichts stand, werden sie aufmerksam. Sie geben die Info an die Behörden, die dann prüfen, ob dies alles rechtens ist.

Christoph Klementa

Christoph Klementa ist ausgebildeter Gartenbauwirt und betreibt außerdem eine kleine Landswirtschaft. „Von daher habe ich schon immer einen sehr engen Bezug zur Natur gehabt“, sagt der 43-Jährige. Vorgeschlagen hatten ihn die anderen Landwirte des seines Bezirks. Seit rund sechs Jahren durchstreift Klementa sein Revier regelmäßig. „Allerdings habe ich schon immer besonders auf die Natur geachtet“, sagt er. „das liegt schon in meinem Beruf begründet.“ Seinen Schwerpunkt sieht er im Erhalt des Erholungswertes der Natur. Umweltverstöße und Sachbeschädigungen werden dokumentiert und in Berichten an die Verwaltung weitergegeben.

Beate Petersen

Etwas anders sieht das bei Beate Petersen aus. Sie durchstreift mit ihrem Hund Tejo den Nord-Osten Wuppertals. „In den 1960er Jahren wurden hier mit dem Bau der A46 viele Umweltsünden begangen“, erzählt sie. „Damals wohnten hier nur wenige, und die Umwelt war bei Entscheidungen noch nicht bewusst ein Thema.“ Ihr Stadtteil liegt umgeben vom Autobahnkreuz Wuppertal-Nord aus A1, A43 und A46. Die günstige Verkehrslage hat viele Firmen angelockt, was zu unterschiedlichen Belastungen für die Natur und der Naherholung der Bevölkerung geführt hat. Die engagierte 50-Jährige übt das Amt seit 2011 aus und engagiert sich für den Erhalt sozialer Strukturen und einen lebenswerten Wohnraum. Seit drei Generationen ist ihre Familie in dem Stadtteil verwurzelt. Als Landschaftswächterin durchstreift Beate Petersen ihr Revier mit offenen Augen. Abfälle von achtlos weggeworfenen Bonbon- oder Fast-Food-Verpackungen über Waldecken als Notdurftanstalt bis hin zu wilden Bauschuttkippen dokumentiert sie mit Kamera und Notizen. Um ihre Aufgabe zu erfüllen, sind die Landschaftswächter mit Fernglas, Dienstblock, Digitalkamera und Adressenverzeichnis ausgerüstet. Die Meldungen liefern sie an die städtische Untere Landschaftsbehörde. „Wir sind aber keine Denunzianten, die mit dem Finger auf jemanden zeigen“, betont Christoph Klementa. „Wir sind Vermittler. Wir wünschen uns eine gutes Miteinander zwischen allen Erholungssuchenden wie Spaziergängern, Hundebesitzern, Reitern und in den letzten Jahren auch verstärkt Mountainbikern.“

Unachtsamkeit: die weggeworfene Milchtüte…

Deshalb ist eine Voraussetzung, die Landschaftswächter mitbringen sollen, die Kommunikationsbereitschaft und -fähigkeit. Kontaktfreudig sollen sie sein. „In einer Unterhaltung kommt meist die Einsicht. Dabei kommt es aber auch immer darauf an, wie man auf die Leute zugeht“, das weiß Beate Petersen aus Erfahrung. „Von völlig unbelehrbaren Zeitgenossen könnte ich zwar die Personalien aufnehmen, um dann die zuständige Behörde zu informieren. Aber dies blieb mir bisher glücklicherweise erspart.“

Hübsch, aber nicht heimisch: Drüsiges Springkraut

Ruth Hoffmann (Text) repor-tal (Fotos)

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Kommentare 1

  • Die Natur kann nicht für sich selbst sprechen. Aber sie kann sich nachträglich wehren. Besser, wir schützen, was uns wichtig ist.
    Kaum ein Teil Wuppertals erfuhr in kurzer Zeit so einschneidende Veränderungen wie der Nord-Osten.
    Es begann mit dem Ausbau des Autobahnkreuzes W-Nord auf einem seltenen Hochmoor, das dadurch trocken fiel. Heute noch zeugen zahlreiche Siefen, Siepen und Bäche sowie eine von Naturschützern gepflegte wilde Orchideenwiese davon.
    In den 1960er/1970er Jahren wurden mit dem Umbau der B326 zur A46 zusätzlich die Quellen der Meine abgegraben. Sie ist zwar auch heute noch in den örtlichen Flußkarten verzeichnet, bietet aber ein trauriges Bild: Woraus sie gespeist wird, ist kaum auszumachen. Teils sucht sie ihren Weg unterirdisch, teils im begradigten Betonbett, bevor sie über die Schwelme in die Wupper mündet.
    Zusätzlich erfolgte die Ausweisung des überregional bekannten wichtigen Biotopverbundes „Uhlenbruch“ als Industriegebiet. Heute befinden sich dort ein Sondermülllager und seit kurzem ein Asphaltmischwerk mit Betriebsgenehmigung für 24 Stunden an 7 Tagen.

    Seit Ende der 1990er Jahre entstanden im Bereich der oberen Wittener / Schmiedestraße drei große Reihenhaus-Neubausiedlungen für familienfreundliches Wohnen am Stadtrand.

    Das Phämomen:
    Trotz massiver Lärm- und Luftbelastungen herrscht am Verkehrsknotenpunkt „Schmiedestraße“ noch ein „sensibles Gleichgewicht“ zwischen Leben, Arbeiten und Verkehrsaufkommen. Dies erkannte auch die Politik und widmete 2001 einen großen Teil vom Gewerbe-/ Industriegebiet zum Allgemeinen Siedlungsbereich um.

    Heute werden die damaligen Hauptargumente dafür (übermäßige Verkehrsbelastung, natürliches Wasserregime) schlicht ignoriert. Ein Einkaufszentrum soll die seit fast vier Jahrzehnten ansässige Musterhausausstellung ersetzen, die hier als guter Nachbar und zudem als wichtiger „Grünpuffer“ und „Bürgerpark“ wahrgenommen wird.

    Fatal:
    Die Hausausstellung möchte gar nicht weichen sondern dort neue Geschäftsfelder erschließen, die Energiewende begleiten und sich zum „Baukompetenzzentrum“ entwickeln. Dies unterstützen auch die Nachbarn. Das dort kommunalpolitisch beabsichtigte Center am Stadtrand halten sie für keine gute Idee.

    Umso wichtiger, dass die Bürger/innnen in W-Nord weiterhin
     für den Erhalt ihrer Rest-Lebensqualität aktiv laut sind, um rechtzeitig zu überzeugen,
     und zeigen, wie bedeutsam Ihnen die (Rest-)Natur hier ist:
    Nach „Frühjahrsputz und Herbstkehraus“, den die „Sauberkeitspaten“ aus der Nachbarschaft ehrenamtlich bewerkstelligen, sind die Abfälle von achtlos weggeworfenen Zigarettenkippen, Flaschen, Bonbon- oder Fast-Food-Verpackungen etc. im Umfeld der Autobahnabfahrten kurzzeitig beseitigt.
    Der Herbstkehraus 2011 ist in W-Nord –abgestimmt mit den Naturfreunden aus dem benachbarten EN-Kreis- für Sa, den 22.Oktober 2011 ab 10.00h geplant.

    Nach besser – nicht nur – für W-Nord wäre allerdings,
     (Verpackungs)Müll würde gar nicht erst unachtsam in der Landschaft entsorgt,
     die Politik würde die Bürger frühzeitig in die aktuellen Überlegungen einbinden,
     damit neue Einkaufsmöglichkeiten in integrierter Lage angesiedelt würden, die öffentlich erreichbar sind und nicht im Außenbereich weitere Flächen verbrauchen
     damit Energie durch energetische Gebäudesanierung und Optimierung der Maschinen effizient eingespart wird und dazu der regionale Ausbau der Erneuerbaren Energien und die Vernetzung der Informations- und Transportwege erfolgen.

    Dies erfordert beidseitiges Umdenken: in der Gesellschaft aber auch in der Politik. Nur damit unterstützen wir aktiv den dringend erforderlichen „WerteWandel“, der unsere (Rest-) Lebensqualität in W-Nord bewahren aber auch weit darüber hinaus wirken würde.

    Beate Petersen

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