Bohemien bei Sir Tony

Am 28. April öffnete im Wuppertaler Skulpturenpark Waldfrieden die Schau Der Tod, der bleiche Freier, Gipse des Künstlers Markus Lüpertz. Die Skulpturen des international anerkannten Bildhausers und Malers fordern den Betrachter heraus, ganz im Sinne ihres Schöpfers.

Wer Markus Lüpertz begegnet, kann sich seiner Ausstrahlung kaum entziehen. Ein Bohemien wie er im Buche steht. Elegant und selbstbewusst sein Auftreten. Wenn er vom Genie spricht, spricht er von sich. Aber nichts an ihm wirkt arrogant. Höflich, nonchalant, charmant sind eher Charakteristika, die auf ihn zuzutreffen scheinen. Und als Künstler? Immer wieder seine Grenzen auslotend: „Wenn man ein Kunstwerk schafft, muss man an seine Grenzen gehen und diese immer wieder überwinden. Dann wird aus Dilettantismus ein Meisterwerk.”

Lüpertz ist ein Mensch, der niemals Angst davor hatte anzuecken. Das zeigt sich eindeutig in seinem Lebensweg. 1941 geboren in der Tschechoslowakei, kommt er 1948 ins Rheinland, wird aus einer Lehre als Maler für Weinflaschen-Etiketten entlassen, „aus Mangel an Talent“, wie er selbst erzählt, studiert an der Werkkunstschule Krefeld und fliegt nach einem Semester von der Kunstakademie Düsseldorf. 

Das hindert ihn aber nicht daran, Jahre später Rektor derselben zu werden. Hier lernt er auch Sir Tony kennen. „Er ist als Maler mit viel Farbgefühl auf der ganzen Welt bekannt”, sagt der Engländer. „Wir sind grundverschieden, dennoch haben wir eine gemeinsame Linie. Und er ist der großzügigste Künstler, den ich kenne.”

Markus Lüpertz hat rund um den Globus Ausstellungen gezeigt. Nach wie vor gibt er sich als Weltbürger: Er lebt und arbeitet in Berlin, Karlsruhe, Düsseldorf und Florenz. In seinem Herzen, sagt er, sei er überzeugter Europäer: „Die Amerikaner haben für alle sofort eine Lösung. Wir Europäer antworten dagegen auf Fragen immer zunächst mit weiteren Fragen. Die Europäer sind in meinen Augen sensibler. Sie denken mehr nach bevor sie zu einem Schluss kommen.” Seine Devise: „Wir haben nur eine Zeit, in der wir arbeiten können: das Hier und Jetzt. Es geht um die Einstellung zur Sehnsucht nach Vollendung. Jedes Werk von mir beginne ich als Dilettant und beende es als Meister. Ich glaube daran. – Alle meine Äußerungen beziehen sich auf Nachdenklichkeit.” 

Er sieht sich auch als ständig in Arbeit gefangen. Die künstlerische Arbeit ist seine Leidenschaft: „Ich kann meine Arbeitswut nicht trennen von Freizeit.” Disziplin steht für Lüpertz bei der Arbeit an oberster Stelle. Als Perfektionist möchte er auch immer alles selbst machen.

Zum Verhältnis von Geld und Kunst, sagt er klar und deutlich: „Wo Geld ist, ist Kunst. Wir Künstler leben schließlich vom Kapitalismus.” Markus Lüpertz sieht sich als Maler-Skulpteur, weil er von der Malerei kommt; sie ist für ihn „die Königsdisziplin der Künste”.

Text: Ruth Hoffmann

Photos mit freundlicher Genehmigung des Skulpturenpark Waldfrieden

Informationen: www.skulpturenpark-waldfrieden.de

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