Tintenfisch und Liebe

 

Love, Love, Love: Markus Seuß, Petra-Janina Schultz, Simon Elias (v.l.n.r.)

Die bremer shakespeare company ist immer gut für ein nachhaltiges Theater-Erlebnis. Aber die Truppe lässt ab und zu auch mal bei der Probenarbeit Publikum ins Parkett – ein Extra, das man als Zuschauer kaum irgendwo anders geboten bekommt.

Bei einem Besuch in Bremen haben wir die Chance genutzt und sind in eine öffentliche Probe der bremer shakespeare company gegangen. Love Love Love stand auf dem Programm. Die Premiere ist am 18. November 2018. Kurz davor laufen die Proben auf Hochtouren. Die Nervosität steigt, wie Petra-Janina Schultz glaubhaft versichert. Das Ensemble-Mitglied spricht für die Truppe: „Sie sind hier auf einer echten Arbeitsprobe. Es ist vollkommen normal, dass wir Schauspieler vielleicht an einer Stelle noch hakeln. Dies ist eine ganz normale Probe und doch wieder ganz anders, weil wir zum ersten Mal die Kostüme tragen. Also aufregend.“

Freiheit: Petra-Janina Schultz und Markus Seuß

Und aufregend ist, was das Ensemble in drei Szenen aus dem Stück präsentiert. Love Love Love von Mike Bartlett ist eine deutsche Erstaufführung. Zwei Generationen durchleben drei Epochen und ein ganz persönliches Familiendrama, das typisch ist für die verschiedenen Epochen, in denen die Generationen geprägt wurden.

Die Eltern (Petra-Janina Schultz und Markus Seuß) lernen sich im Summer of Love 1967 kennen und lieben. Schon damals weiß Sandra (Petra-Janina Schultz) genau, was sie will. Doch was wird aus den Träumen der jungen Leute von Liebe und Freiheit?

Das Leben hat sich verändert: Petra-Janina Schutz mit ‚Tochter‘ Svea Meiken Auerbach

Zeitsprung 1: Sie wohnen in einem verschlafenen Vorort, führen ein (klein-) bürgerliches Leben und versuchen, zwei Teenager (Svea Meiken Auerbach und Simon Elias) zu erziehen. Ihre Träume sind auf der Strecke geblieben. Sandra tröstet sich mit Alkohol, Kenneth (Markus Seuß) mit seiner Arbeit. Aber plötzlich weiß Sandra wieder, was sie will: Die Scheidung!

Zeitsprung 2: 30 Jahre nach dem Summer of Love. Sandra und Kenneth haben ihr Leben nach ihren Vorstellungen getrennt weiter gelebt. Ihre Kinder sind inzwischen erwachsen. Da bittet Tochter Rosy (Svea Meiken Auerbach) zu einem Gespräch. Sie möchte ihren Eltern etwas eröffnen… Was, das bleibt der Premiere vorbehalten.

Das war’s: Scheidung!

Die Probe verlief natürlich nicht so heikel, wie Petra-Janina Schultz befürchtete. Auch Regisseurin Patricia Bennecke war nicht unzufrieden. An den Gesangsnummern ist noch zu feilen; den Schauspielern verlangt sie hier und da noch ein wenig mehr ab, noch mehr Esprit, Charme, Witz. Aber schon die Arbeitsprobe verlockt viele Zuschauer zum Lachen.

Obwohl hinter dem Stück von Mike Bartlett viel Tiefgründiges steckt: Familiendrama, Generationenkonflikt und dass die Kinder immer das Gegenteil wollen, was die Eltern für sie erträumen. Die bremer shakespeare company wird auch dieses Stück mit dem ihr eigenen Humor präsentieren. Der Premiere steht eigentlich nichts mehr im Weg. Nichts wie hin!

Und es lohnt sich immer, einen Besuch bei der bsc mit einem Essen im hauseigenen Theater-Restaurant zu verbinden. Wir könnte es anders heißen als Falstaff, nach Shakespeares Genussmenschen, trinkfest und wohlbeleibt, wie man ihn unter anderem kennt aus den Lustigen Weibern von Windsor.

Der Koch hat wunderbar kreative Ideen. Diesmal gibt’s gefüllten Tintenfisch in Rotweinsauce. Der Koch sagt, er hat die Tuben mit einem Ragout aus Grütze, Schweinefleisch und Rotwein gefüllt. Uns Rheinländer erinnert die würzige Fülle an Flönz (kölsch für Blutwurst). Wahnsinn – aber lecker!
Übrigens: Jeden zweiten Sonntag im Monat wird im Falstaff auch Tango getanzt!

Text: Ruth Hoffmann

Photo mit freundlicher Genehmigung der bremer shakespeare company, © Marianne Menke

Informationen: www.shakespeare-company.com

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