Viel Raum für Bewegung

'Maladain Ballet Biarritz' © Olivier Houeix
‚Maladain Ballet Biarritz‘ © Olivier Houeix

Die kleine Stadt Neuss am Rhein glänzt kulturell ganz groß: Nicht nur das jährliche Shakespeare-Festival lockt Publikum weit über die Region hinaus an, sondern auch die Internationalen Tanzwochen, die Compagnien aus der ganzen Welt nach Deutschland holen.

„Wir haben eine sehr großen Halle zu füllen, da muss man das Publikum mit einem sehr guten Programm locken.“ Mit Stolz kann Kulturreferent Dr. Rainer Wiertz auf den Erfolg der Internationalen Tanzwochen in Neuss blicken. Sie starten im Oktober in die 34. Saison. Die Stadthalle in Neuss bietet mehr als tausend Gästen Platz und ist zu den Tanzwochen fast immer ausverkauft.

Allein 600 Plätze sind schon durch Abonnements gebucht, und der Einzelkarten-Verkauf ist im Aufwind. Die Auslastung der Aufführungen liegt bei über 90 Prozent. „Wir haben ja kein richtiges Theater mit Bühnenhaus, und auch die Bühne selbst ist etwas unterdimensioniert. Da muss man dann mit den Compagnien verhandeln, weil eben nicht alles geht, was sie wünschen.“

'Compagnia Aterballetto' © Nadir Bonazzi
‚Compagnia Aterballetto‘ © Nadir Bonazzi

Auch in dieser Saison ist es dem Kulturreferenten gelungen, außergewöhnliche Tanz-Ensembles nach Neuss zu holen. Den Start macht die ‚Compagnia Aterballetto‘ aus Reggio Emilia. „Das ist die einzige freie Compagnie Italiens, die es geschafft hat, neben den staatlichen Opern-Balletten, sich fest zu etablieren, eine eigene Schule zu gründen und dafür auch staatliche Subventionen zu bekommen“, erklärt Wiertz. Die Direktorin Christina Bozzolini präsentiert zwei ganz unterschiedliche Stücke: ‚Lego‘ von Guiseppe Spota und ‚Rain Dogs‘ von Johan Inger, das bisher in Europa nicht gezeigt wurde, weil die Aufführungsrechte nur für die USA galten.

'Grupo Corpo' © José Luiz Pederneiras
‚Grupo Corpo‘ © José Luiz Pederneiras

Im November kommen brasilianische Töne nach Neuss, die ‚Grupo Corpo‘ aus Belo Horizonte. Sie wollen ihre brasilianische Herkunft und Temperament nicht verleugnen und bringen diese in der ‚Suite Branca‘ von Choreographin Cassi Abranches und ‚Parabelo‘ von ihrem Kollegen Rodrigo Pederneiras auf die Bühne.

'Maladain Ballet Biarritz' © Olivier Houeix
‚Maladain Ballet Biarritz‘ © Olivier Houeix

Das ‚Maladain Ballet Biarritz‘ ist schon eine bekannte Größe bei den internationalen Tanzwochen. Thierry Maladain ist einer der führenden Choreographen Frankreichs mit seinen neoklassichen Ausführungen. „Für das Tanztheater hat er nicht so viel Interesse wie für den klassischen Tanz“, erläutert Rainer Wiertz.
Seine Choreographie ‚Une Dernière Chanson‘ orientiert sich an alt-französischen Liedern, dem ‚Poème harmonique‘ von Vincent Dumestre. „Es unterstreicht ein zutiefst menschliches Vor- und Zurückgehen in Zeiten“, so Wiertz. „Durch die unterschiedliche Musikauswahl für seine drei Tanz-Konzeptionen zeigt Maladain eine dritte Dimension auf.“ ‚Silhouette‘ ist choreographiert auf Musik von Ludwig van Beethoven und ‚Estro‘ wird untermalt von Kompositionen von Antonio Vivaldi.

Alley II, 'The Next Generation of Dance' © Eduardo Patino
Alley II, ‚The Next Generation of Dance‘ © Eduardo Patino

Im neuen Jahr werden die Tanzwochen von dem Ensemble ‚Alley II‘ fortsetzt. Das ist die Junior-Company des ältesten New Yorker Tanzensembles. „Zu ‚Alley II‘ gehören die besten farbigenTänzer“, weiß Rainer Wiertz. „Es sind blutjunge Tänzer, die eine harte Auswahl durchlaufen mussten.“

'Les Ballets Jazz de Montrail' © Alan Khol
‚Les Ballets Jazz de Montrail‘ © Alan Khol

Zehn Jahre ist es her, dass das kanadische Ensemble ‚Les Ballets Jazz de Montreal‘ in Neuss war. „Diese Kanadier haben eine ganz andere Tanzsprache mit ungewöhnlichen Armbewegungen“, so der Kulturreferent. Sie eröffnen mit der Choreographie ‚Mono Lisa‘ des Israelis Itzik Galili, einem neuen Pas de deux. Außerdem zeigt die ursprünglich vom Jazz Dance kommende Truppe eine Choreographie des griechischen Tanzmeisters Adonis Foniadakis und das witzige Stück ‚Harry‘ von Barak Marshall, einem israelisch-stämmigen US-Amerikaner.

'Richard Alston Dance Company' © Tony Nandi
‚Richard Alston Dance Company‘ © Tony Nandi

Den Abschluss der Tanzwochen-Saison im März bildet die ‚Richard Alston Dance Company‘ aus London. Richard Alston orientiert sich ein wenig an Martha Graham. Inzwischen öffnet er seine Compagnie aber auch jüngeren Choreographen. Die Eröffnungs-Choreographie ‚An Italian in Madrid‘ glänzt außerdem durch sehr schöne Kostüme. Interessant auch das Solo ‚Dutiful Ducks‘ aus dem Jahr 1982. Es braucht einen jungen Tänzer, der über ausreichend Kraft verfügt, um dieses fünf Minuten dauernde Stück durchzuhalten. „Spannend“, wie Wiertz sagt. „Es wird den Saal zum Kochen bringen.“

Der Einzelkartenvorverkauf beginnt am 26. September.

Text: Ruth Hoffmann

Photos mit freundlicher Genehmigung von Pro Classics

Informationen: www.tanzwochen.de

Bestell-Hotline: 02131 / 526-999 99

Internet: www.tanzwochen.de, www.westticket.de

Eintritt: 18 bis 61,70 Euro

 

 

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