International ein Top-Künstler
In Deutschland fast vergessen

Jankel Adler, Komposition, 1946, Öl auf Leinwand, 88 x 142 cm, Goldmark Gallery / Aukin Collection © VG Bild-Kunst Bonn, 2018

Jankel Adler und die Avantgarde titelt das Von der Heydt-Museum Wuppertal seine neue große Ausstellung. Sie soll den in Deutschland fast vergessenen Künstler den Stellenwert geben, der ihm gebührt: gleichbedeutend wie seine Kollegen, Freunde und Mitstreiter Chagall, Dix, Klee, Picasso und andere.

Paul Klee, Mit dem violetten Fünfeck, 1919,83 Aquarell und Bleistift, Wattmannpapier, 28 x 22,5 cm, Kunst- und Museumsverein im Von der Heydt- Museum

„Jankel Adler ist ein Künstler, den heute kaum noch jemand kennt”, erklärt Dr. Gerhard Finckh, Direktor des Von der Heydt-Museums Wuppertal. „Dennoch gehört er zu den wichtigsten Künstlern in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Adler hat nicht nur von den Größen seiner Zeit gelernt, sondern er hat ebenso auf sie Einfluss genommen. Er hat sozusagen auf Augenhöhe mit Leuten wie Dix und Klee kommuniziert.”

Doch Jankel Adler hatte das Pech, als Avantgardist der Zeit und polnischer Jude zum Hassobjekt der Nazis zu werden. „Verfemt unter den Nazis, verweigerten die Deutschen auch nach dem Krieg jüdischen Künstlern die Aufmerksamkeit”, so Finckh weiter. „So wurde Adler nach seinem Tod noch einmal geächtet.” Trotz einer Ausstellung 1955 in Wuppertal und einer weiteren 1985 in Düsseldorf konnte der Künstler in Deutschland nicht aus seiner Versenkung befreit werden. “Dieses Vergessen wollen wir mit unserer Ausstellung durchbrechen und Adler in den ihm gebührenden internationalen Kontext stellen”, fordert Gerhard Finckh.

Arthur Kaufmann, Betty Kohlhaas und Jankel Adler, 1923 Öl auf Leinwand, 147,5 x 58 cm, Stadtmuseum Landeshauptstadt Düsseldorf, © VG Bild-Kunst Bonn, 2018

Kuratiert wurde die Ausstellung von Dr. Antje Birthälmer. In langjährigerArbeit hat die Vize-Direktorin des Von der Heydt-Museums die Schau erarbeitet und damit auch die Vita Jankel Adlers erschlossen. Von 28 Leihgebern aus aller Welt – darunter die Tate in London, das Museo Lasar Segall in São Paulo und das Israel Museum in Jerusalem – sind rund 200 Exponate der Avantgarde zu sehen. Davon sind mehr als die Hälfte Werke von Jankel Adler.

Das obwohl viele Gemälde des eigenwilligen Künstlers verloren sind. Natürlich wurden viele seiner Gemälde von den Nazis konfisziert und in den Schauen Entartete Kunst* in München und anderen deutschen Städten gezeigt. Adler war für die Nationalsozialisten ein ‘ideales’ solcher Opfer, die als jüdisch-bolschewistisch eingestuft wurden.

Um die Ausstellung zu verstehen und würdigen zu können, sollten Besucher einiges über das Leben des Künstlers Jankel Adler (1895 – 1949) erfahren:
Geboren in Polen und aufgewachsen in einem chassidischen** Haus, beginnt er schon mit sechs Jahren heimlich zu malen. 1909 kommt er zu seiner Schwester nach (Wuppertal-)Barmen***, wo er die Schule besucht. 1912 geht er nach Belgrad, wo ein Onkel ihn zum Goldschmied und Graveur ausbildet. Danach zieht er zurück nach Barmen und besucht die dortige Kunstgewerbeschule, die von Gustav Wiethüchter geleitet wird. Hier gründen Adler und einige seiner Mitschüler die Künstlervereinigung Die Wupper. 

1918 schließt er sich der Künstlergruppe Das Junge Rheinland an. An deren erster Ausstellung nimmt er aber nicht teil, denn zu der Zeit (1919) beteiligt er sich an einer Ausstellung der Vereinigung der Künstler und Kunstliebhaber in Lodz. Hier wird er zum Mitbegründer der Gruppe Jung Jiddisch.

Jankel Adler, Bildnis Else Lasker-Schüler, 1924, Öl auf Leinwand, 151 x 75 cm, Von der Heydt-Museum Wuppertal
© VG Bild-Kunst Bonn, 2018

Während seiner Berliner Zeit (1920) verkehrt er in der Künstler-Bohème unter anderem mit Else Lasker-Schüler und begegnet Marc Chagall. In Düsseldorf lernt er die Malerin Betty Kohlhaas kennen, die seine Lebensgefährtin wird. An der Düsseldorfer Künstlerakademie lehrt er neben Otto Dix, mit dem ihn eine intensive Freundschaft verbindet. In den Folgejahren steht er in enger Verbindung mit vielen etablierten Künstlergruppen.

1933 flieht Jankel Adler gerade noch rechtzeitig nach Paris. Auch dort ist er weiterhin künstlerisch und politisch engagiert. 1940 Schließt er sich der polnischen Armee in Frankreich an und entkommt mit ihr den deutschen Truppen durch die Flucht nach Schottland, muss aber schon 1941 aus der Armee wegen eins Herzleidens entlassen werden.

Adler bleibt in Großbritannien, bleibt aktiv und engagiert. Doch mit 53 Jahren stirbt er 1949 in der Nähe von London.

Die Ausstellung ist bis zum 12. August 2018 zu sehen und ist ein Muss für alle Avantgarde-Liebhaber – und solche, die es werden wollen.

Text: Ruth Hoffmann

Photos mit freundlicher Genehmigung des Von der Heydt-Museums Wuppertal

Informationen: www.jankel-adler-ausstellung.de

Adresse: von der Heydt-Museum, Turmhof 8, 42103 Wuppertal

Telefon: 0202/ 563-62 31

Öffnungszeiten: dienstags, mittwochs, freitags bis sonntags und feiertags 11 bis 18 Uhr, donnerstags 11 bis 20 Uhr; 1. Mai und Pfingstmontag geschlossen

Eintritt: 12 Euro

Online-Tickets: www.von-derheydt-museum.de

Öffentliche Führungen: Sonntags 15.30 Uhr, 14 Euro (inkl. Eintritt)

 

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen:
Von der Heydt-Museum (Hrsg.): Jankel Adler und die Avantgarde. Chagall. Dix. Klee. Picasso
Kettler, 416 Seiten, gebunden
ISBN 978-3-89202-099-8
Preis 25 Euro

* Entartete Kunst wurde von den Nazis die damals moderne abstrakte Kunst genannt und als solche in Sonderschauen verfemt.

** Chassidim sind ‚Fromme‘, eine strenggläubige Richtung des Judentums

*** 1909 war Barmen noch selbstständig, Wuppertal wurde erst 192 durch den Zusammenschluss der Städte Elberfeld und Barmen und einiger umliegender Dörfer gegründet.

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