Pina mochte nicht viele Worte

O-Ton Pina Bausch - 1 von 1„Der Mensch mit seiner vielschichtigen Skala von Stimmungen, der Mensch allein, der Mensch mit Menschen, unter Menschen, fasziniert mich. … Damit meine ich, dass man sowohl in der szenischen als auch in der Bewegungssprache immer wieder neue Wege suchen muss.“ Pina Bausch hat nie viele Worte gemacht. 2009 starb die große Tänzerin und Choreographin unerwartet und schnell. Der Kulturjournalist Stefan Koldehoff hat ihre seltenen Einlassungen in Interviews und Reden in einem Band gesammelt.

Ihr Ausdrucksmittel war der Tanz, weniger das Wort. Doch posthum sprechen ihre Interviews und Reden für die Intention ihres Werkes, ihres Ausdruckes. Der erste Beitrag stammt aus der Vorschau der Wuppertaler Bühnen 1973/74. Der damalige Generalintendant Arno Wüstenhöfer (1920 – 2003) holte die vielversprechende Choreographin nach Wuppertal als Ballettdirektorin. Und die wusste, was sie wollte: Nicht nur traditionelle Werke auf die Bühne bringen, sondern auch Werke, die aktuelle Problematiken aufgreifen.

Dies blieb ihr Anliegen bis zuletzt: „Ich habe mir nie vorgenommen, einen bestimmten Stil oder ein neues Theater zu erfinden. Die Form ist ganz von selber entstanden; aus den Fragen, die ich hatte. Ich habe in der Arbeit immer nach etwas gesucht, das ich noch nicht kenne.“ Das sagte sie in ihrer Kyoto-Rede 2007.

Die Interview-Partner, die Pina Bausch akzeptierte, waren eine bunte Mischung: lokal oder international, mehr oder weniger bekannt, Fachjournalisten oder Feuilletonisten, von der Ballettzeitschrift bis zur Schülerzeitung. Wer mit Pina Bausch sprechen durfte, dem war die besondere Ehre wohl bewusst. Und einfach war es nicht unbedingt, mit der Tänzerin zu sprechen. Denn den Tanz kann man eigentlich nicht in Sprache fassen: „Oh, ich rede mit vielen Leuten, mit denen ich mich sprachlich nicht verständigen kann, ja.“ Das war im Gespräch mit Roger Willemsen 1998.

Dem damals (1980) 17-jährigen Jörg Heynkes, der für eine Schülerzeitung schrieb, beantwortete sie dessen Frage nach dem so kritischen Publikum schlicht und treffend: „…wir sollten doch einfach nur fürs Publikum spielen. …für welches Publikum? Das Publikum ist ja so verschieden. Jeder sieht anders. Jeder hat andere Gedanken.“

Pina Bausch hat ihre Gesprächspartner immer sehr ernst genommen. Wenn sie sich auf ein Gespräch einließ, dann wirklich. Ein grundlegender Charakterzug, der ihren Erfolg mit geprägt hat: Halbe Sachen machte sie nicht.

Wer Pina Bausch auch außerhalb der Bühne kennenlernen möchte, sollte die Interviews und Reden unbedingt lesen. Doch hinter allem steht immer ganz groß: „Ich musste tanzen. Das war die Sprache, mit der ich mich ausdrücken konnte.“ (aus ihrer Kyoto-Rede 2007)

Text: Ruth Hoffmann

Cover mit freundlicher Genehmigung von Nimbus

Informationen: www.nimbus.ch

Stefan Koldehoff, Pina Bausch Foundation (Hrsg.): O-Ton Pina Bausch. Interviews und Reden
Nimbus Verlag, 400 Seiten, 11 Illustrationen
CHF 32.00 / EUR 29.80
ISBN 978-3-03850-021-6

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