Serie: Siel-Dörfer, Teil 1
Das doppelte Stranddorf
Dornumersiel und Westeraccumersiel

Dornumersiel und Westeraccumersiel bilden seit 2001 eine Dorfgemeinschaft und gehören seitdem beide zur Gemeinde von Dornum. Die Ansiedlung an der Küste, gelegen zwischen den Inseln Baltrum (westlich) und Langeoog (östlich), besteht schon seit mehr als 700 Jahren. Gebeutelt wurde das heutige Westeraccumersiel von den Unbilden des Meeres im Lauf der Jahrhunderte.

Außerhalb der Saison ist es ruhig auf dem Kai.

Dornumersiel  und Westeraccumersiel liegen sich gegenüber, getrennt durch den Sielgraben, der sich hier zum Mahlbusen erweitert. Diese kleine Meerausbuchtung bildet den idealen Standort für den kleinen Fähr- und Kutterhafen und auch die Zufahrt zum Yachthafen. Während das kleine Dornumersiel auf der Westseite hauptsächlich aus einer Feriendorfsiedlung besteht, leben die meisten Bewohner der Dorfgemeinschaft auf der Ostseite in Westeraccumersiel. Insgesamt leben dort rund 850 Menschen. Im Sommer gewinnen da die Touristen leicht die Oberhand.

Befestigungen schützen vor der gierigen Nordsee.

Ursprünglich bildete der Mahlbusen die Grenze zwischen dem Norderland im Westen und dem Harlingerland im Osten. Heute sind diese Grenzen aber schon lange verwischt. Und die feinen ‚Unterschiede’ bekommen die Touristen nicht mit, die das Gebiet meist nur als Ostfriesland kennen. Wer es aber genauer wissen möchte, sollte das Zwei-Siele-Museum besuchen; denn diese unmittelbar nebeneinander liegenden Sieldörfer sind auch an der ostfriesischen Küste eine Besonderheit.

Das Museum ist im Umweltforum des Nordseehauses in Dornumersiel untergebracht. Hier ist die wechselvolle Geschichte der Siedlungen aufgezeichnet. Gleichzeitig erfahren Besucher viel über die frühere Bedeutung der Sielorte für Handelsschiffahrt und Fischerei. Maritime Objekte, Modelle und Schautafeln zeigen die Geschichte.

Strandkörbe warten auf Gäste.

In der Nebensaison liegen die Orte ruhig da, die Strände sind fast menschenleer. Sie laden zum Spazieren an der Wasserkante ein. Allerdings sollte man bei seinem Gang daran denken, dass die niedersächsische Wattenmeerküste Naturschutzgebiet ist und Gänge hauptsächlich auf den Deichen erlaubt sind. Nur an den ausgewiesenen Stränden darf man an das Wasser heran, wenn es denn da ist. Aber dann sollte man auf jeden Fall seine Füße einmal in das erfrischende Nass stecken, auch wenn es kalt ist. Danach sind sie gut durchblutet, erfrischt und – ganz warm. Die Idylle vom Strand wird aber durch eine Treppe, die in die Nordseewellen führt, und eine mit Betonsteinen befestige Wasserkante getrübt.

Bei Ebbe nicht zu weit hinaus!

Gewarnt sei aber jeder vor einer Wattwanderung ohne Begleitung. In jedem Jahr geraten unvorsichtige Touristen in Gefahr, weil sie die Geschwindigkeit der Tide unterschätzen. Die Flut steigt schneller als gedacht. In der Tat kann man dem auflaufenden Wasser kaum noch entfliehen, wenn man zu weit ins Watt hinausgelaufen ist.

Aber was bedeutet nun Siel, die Endung so vieler Küstendörfer: Ein Siel ist ein verschließbarer Durchlass im Deich, eine Schneise oft zu einem kleinen Hafen. Der Siel gehört zu einem Entwässerungssystem, das das hinter dem Deich liegende Binnenland, insbesondere das wasserreiche Marschland entwässert. Sie können bei Flut geschlossen werden, damit das Wasser nicht wieder in das Land hineindrückt.

Oft geht ein Siel auch in einen Priel über. Das ist ein natürlicher Wasserlauf im Wattenmeer. Er kann eine Fortsetzung eines Flusses von Land sein oder auch künstlich angelegt zur Entwässerung eingedeichter Wattabschnitte. Oft schlängeln sich diese Priele durch das trocken gefallene Watt. Achtung, besonders gefährlich ist es eine Wanderung in einem während der Ebbe ausgetrocknetem Priel zu unternehmen. Einige Priele werden auch als Fahrwasser zu den vorgelagerten Inseln ausgebaggert und führen fast immer Wasser.

Dornumersiel ist ein beliebter Ferienort für Camper und Strandbegeisterte. Entsprechend voll sind während der Saison Parkplätze und Gastronomie. Doch gerade außerhalb solcher Zeiten, die abgesehen vom Wetter vor allem von den Schulferien bestimmt werden, kann man das Watt und den Strand hier genießen.

Ruth Hoffmann (Text)

repor-tal (Photos)

Informationen: www.dornum.de, www.dorfgemeinschaft-dornumersiel.de, www.zwei-siele-museum-dornumersiel.de

 

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